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Dialog Semiconductor: Kann sich die Aktie noch einmal verdoppeln?

Übertriebene Befürchtungen, dass der Hauptkunde Apple (WKN:865985) seinen treuen Zulieferer Dialog Semiconductor (WKN:927200) abrupt ersetzen würde, haben die Aktie 2018 auf ein langjähriges Tief von unter 13 Euro abstürzen lassen. Zwischenzeitlich hat sich die Lage deutlich entspannt und wir sehen seit einem Monat regelmäßig Kurse von über 26 Euro. Ist die Dialog-Aktie jetzt schon wieder teuer oder hat sie Potenzial, die alten Hochs von rund 52 Euro zu übertreffen? Ich denke, eine erneute Verdoppelung ist durchaus drin – sehe aber einen kleinen Haken.

Ein kompliziertes Jahr, das Klarheit schuf

2018 ging es turbulent zu. Nicht nur das aus Sicht vieler Analysten drohende Damoklesschwert der völligen Abkehr von Apple, sondern auch zunehmende Zweifel am zukünftigen Erfolg von Apple lasteten auf dem Unternehmen. Hinzu kam, dass sich die ganzen neuen Geschäftsfelder, über die sich Dialog zu diversifizieren sucht, langsamer entwickelten, als ich erwartet hatte. Daneben ist der erneute Versuch eines Befreiungsschlag über eine Fusion mit Synaptics (WKN:529873) gescheitert.

Ein 600 Mio. US-Dollar schweres Abkommen mit Apple vertrieb jedoch die meisten dieser Sorgen. Noch läuft die Implementierung dieser Transaktion, aber klar ist, dass das Schreckensszenario vom ersatzlosen Herauswurf vom Tisch ist und der Abhängigkeitsgrad deutlich gesenkt werden konnte.

Was die Aktie sonst noch antreibt

An weiteren positiven Faktoren ist zunächst das jüngste Aktienrückkaufprogramm zu nennen, das im November startete. Etwas früher wäre natürlich besser gewesen, aber auch so konnten Aktien zum Stückpreis von 20 bis 24 Euro eingesammelt werden, also deutlich unter dem aktuellen Kurs. Trotzdem kommt es letztlich darauf an, dass Dialog die aktuell erhöhte Bewertung auch zukünftig rechtfertigen kann.

Dafür spricht beispielsweise, dass sich das über den Silego-Zukauf gewonnene Know-how rund um hochintegrierte konfigurierbare Mixed-Signal-Schaltkreise zu einem weiteren Standbein entwickelt. Stolze 4 Milliarden dieser neuartigen Chips wurden seit der Markteinführung ausgeliefert. Außerdem ist Dialog im Bereich der Schnellladung weiterhin der dominierende Spieler auf dem Weltmarkt und gleichzeitig mit den stromsparenden Bluetooth-Chipsets erfolgreich unterwegs.

Durchaus aussichtsreich sind auch die neuen Audio- und Haptik-Chips, die beispielsweise bei Videospielen und der Virtuellen Realität für ein verbessertes Erlebnis sorgen. Auch wenn ich kurzfristig nicht mit signifikanten Umsatzbeiträgen rechnen würde, ist es ein gutes Zeichen, dass kürzlich die Huawei-Marke Honor als Kunde gewonnen werden konnte.

Wo es noch hakt

Noch nicht so richtig zünden wollen die anderen noch relativ neuen Spielfelder wie etwa Automobile und das Internet der Dinge (IoT). Statt Wachstum war im Schlussquartal sogar ein Rückgang zu verzeichnen. Da hätte ich mir deutlich mehr erhofft. Aber offenbar sind die Spielregeln insbesondere in der Fahrzeugbranche andere, und es ist für einen Zulieferer, der aus einer ganz anderen Ecke kommt, nicht so leicht, dort Fuß zu fassen. Vielleicht würde es helfen, eine Partnerschaft mit einem erfahrenen Lieferanten wie etwa Bosch einzugehen, mit dem man zuvor bereits Einzelprojekte durchgeführt hat.

Auch die potenziell disruptive Kooperation mit Energous zahlt sich bisher nicht aus. Zwar sind die ersten Produkte, die die kontaktlose Funkwellen-Ladetechnik implementieren, auf dem Weg zur Markteinführung, aber zunächst musste Dialog 35 Mio. US-Dollar auf die Beteiligung abschreiben. Das Management der beiden Partner gibt sich zuversichtlich, dass daraus noch ein großes Geschäft wird, aber der Markt misstraut der Sache. Die Aktie der Amerikaner kennt seit einem Jahr fast nur den Weg nach unten.

Was die Bilanz sagt

Über alle Zweifel erhaben ist die finanzielle Situation: Keinerlei langfristige Schulden und ein Barmittelbestand, der Ende 2018 zusammen mit den kurzfristigen Forderungen die kurzfristigen Verbindlichkeiten um 560 Mio. US-Dollar überstieg. Immerhin 10 Mio. US-Dollar an Zinsen flossen dem Unternehmen so über das vergangene Jahr zu. Auch regelmäßige Überschüsse aus dem operativen Betrieb füllen die Kasse ständig weiter auf, sodass das noch laufende Aktienrückkaufprogramm problemlos finanziert werden kann.

Diese Rückkäufe sind auch im Wesentlichen dafür verantwortlich, dass das Eigenkapital trotz der Gewinne leicht auf 1,3 Mrd. Euro gesunken ist. Für einen Wachstumswert wie Dialog ist ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von unter 2 immer noch klasse.

Der Ausblick

Wobei sich beim Begriff „Wachstumswert“ die Geister scheiden. Es könnte schwer werden, die kontinuierlichen Rückgänge der Umsätze mit Apple zukünftig zu kompensieren. So wie Dialog aktuell bewertet wird, rechnet der Markt wohl höchstens mit einem Miniwachstum über die kommenden Jahre. Anders kann man das Kurs-Gewinn-Verhältnis von gerade einmal 17 (verwässerter Gewinn je Aktie von 1,80 USD im Jahr 2018 gegenüber einem aktuellen Kurs von 26,85 Euro) kaum interpretieren, zumal der bereinigte und unverwässerte Gewinn fast konstant bei 3,05 US-Dollar je Aktie lag.

Das heißt aber auch, dass es noch immer Potenzial für positive Überraschungen gibt. Mit Audio/Haptik, Auto/IoT, Mixed-Signal und drahtloser Ladetechnik verfügt das Unternehmen über eine Vielfalt von Chancen, die sich auf absehbare Zeit zu echten Umsatzbringern entwickeln könnten. Gleichzeitig sichert das stabile Bestandsgeschäft rund um Power Management, Bluetooth und Schnellladung die solide Profitabilität ab.

In Verbindung mit den wahrscheinlich wertsteigernden Aktienrückkäufen fühle ich mich weiterhin wohl mit dieser vergleichsweise risikoarmen Aktie. Dass in diesem Jahr schon eine Verdoppelung drin ist, glaube ich zwar nicht, aber auf Sicht von drei bis fünf Jahren könnte die Mauer der alten Höchststände endlich durchbrochen werden.

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Ralf Anders besitzt Aktien von Dialog Semiconductor. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Apple. The Motley Fool besitzt die folgenden Optionen: Long Januar 2020 $150 Calls auf Apple und Short Januar 2020 $155 Calls auf Apple.