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Linde plc: Die nächste Stufe der Geldvernichtung hat begonnen

Quelle: The Linde Group

Hurra, Linde (WKN:A2DSYC) ist endlich wieder die Nummer 1 im globalen Gasegeschäft! Nachdem die juristische Fusion bereits vor einigen Monaten erlaubt wurde, darf der kombinierte Konzern nun endlich operativ und strategisch vereint durchstarten. Auch die Aktionäre sind begeistert und diverse Analysten raten weiterhin zum Kauf. Dabei gibt es bereits auf dem aktuellen Niveau jede Menge Anlass zur Sorge.

Nachdem die erste Phase des Geldverbrennens hinter uns liegt …

Schon der gesamte Prozess des Zusammengehens war überaus mühsam. Der erste Versuch im Herbst 2016 endete zunächst ohne Erfolg. Dann gab es einen Vorstandswechsel und schon zum Jahreswechsel kam der modifizierte Vorschlag von Praxair, der es letztlich durch alle Instanzen schaffte. Das dauerte über zwei Jahre und hat eine Menge Ressourcen gebunden – und das ist noch längst nicht alles.

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Schließlich gab es aufgrund der bereits zuvor außerordentlich hohen Konzentration in der Wettbewerberlandschaft hohe Auflagen durch die internationalen Kartellämter. Praxair musste also im Wesentlichen ihr Europageschäft an einen Konkurrenten abgeben und Linde ihr US-Geschäft. Letztlich mussten die beiden über ihre Schmerzgrenze gehen. Denn so wird die neue Linde plc umsatzmäßig zunächst gar nicht viel größer sein als die alte.

Dass durch diese ganzen Transaktionen hohe Beratungs-, Anwalts- und Umstrukturierungskosten entstanden sind, die letztlich die Linde-Aktionäre tragen müssen, dürfte klar sein.

Zuletzt mussten noch unter Hochdruck Käufer für einzelne Produktionsstandorte in den USA gefunden werden. Es ist schwer vorstellbar, dass das Management dafür die bestmöglichen Preise erzielen konnte. Vermutlich mussten einige Perlen zu Ramschpreisen verhökert werden. Man war so weit gekommen, da musste man auch mal in den sauren Apfel beißen – ein Zurück kam ja Anfang 2019 auch nicht mehr infrage. Folglich wurden hier vermutlich ebenfalls viele Millionen an Wert vernichtet.

Über lange Zeit gebundene Management-Ressourcen, exorbitante Transaktionskosten und verramschte Vermögenswerte – kann es noch schlimmer kommen?

… ist die zweite bereits gestartet

Ich fürchte schon. Am 19. Januar wurde das bereits angekündigte Aktienrückkaufprogramm im Umfang von 6 Mrd. US-Dollar in Gang gesetzt. Börsentäglich werden nun anscheinend 75.000 Aktien angekauft, Ende Februar zum Preis von im Schnitt über 174 US-Dollar – ein Aufschlag von immerhin 4 % gegenüber dem aktuellen Preis (Stand 07.03.). Die kurzfristige Sicht ist natürlich noch alles andere als aussagekräftig, aber ich sehe hier einen weiteren Mechanismus der Wertvernichtung am Werk, von dem in diesem Fall nur diejenigen profitieren, die ihre Aktien dankbar zum guten Preis andienen.

Eine Sonderdividende wäre meiner Meinung nach der bessere Weg gewesen, um die Überschüsse an die treuen Anteilseigner weiterzureichen. Noch besser hätte mir gefallen, wenn das Management eine inspirierende Wachstumsstrategie vorgelegt hätte, bevor man die überschüssigen Geldmittel unter die Leute bringt. Es gibt so viele Bereiche, in denen Linde wachsen könnte.

Möglicherweise wird man sich nächstes Jahr dann wieder an den Kapitalmarkt wenden, um sich die finanzielle Freiheit zurückzuholen – ein Hin und Her, das erneut Werte vernichtet. Aber sowieso steht jetzt erst einmal der teure Integrationsprozess an. IT-Systeme müssen zusammengeführt und ein gemeinsamer Marktauftritt entwickelt werden. Auf allen Ebenen wird es ein Stühlerücken geben, das für Unruhe und zu Reibungsverlusten führt.

Anderswo gibt es besser Investitionsgelegenheiten

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Börse derzeit die neue Linde plc so bewertet, als ob 1+1 mindestens 2 wäre. Diese Ansicht führt meines Erachtens in die Irre. Der ganze Fusions- und Integrationsprozess hat bereits jetzt viel Substanz gekostet und wird auch auf absehbare Zeit noch den einen oder anderen Kopfschmerz bereiten. Eine baldige Marktkapitalisierung im Bereich von über 90 Mrd. Euro, wie einige Analysten voraussagen, halte ich daher für ziemlich absurd.

Wer jetzt im Chemiesektor engagiert sein will, der kann aus einer breiten Auswahl von attraktiveren Werten wählen. Die neue Linde ist ein spannendes Unternehmen, aber es besteht keinerlei Eile, hier bereits jetzt dabei zu sein.

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Ralf Anders besitzt eine Short-Position auf Linde plc. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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