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Siemens-Chef Joe Kaeser ruft die Industrie 5.0 aus ‒ was soll das denn sein?

Kürzlich ist die Diskussion hochgekocht, ob 6G-Mobilfunk bereits ein Thema sei, wo doch 5G noch in den Kinderschuhen stecke und 4G noch längst nicht überall verfügbar sei. Auf einem anderen Feld hat sich nun Joe Kaeser von Siemens (WKN:723610) hervorgewagt: Im Hinblick auf die wichtige Hannover Messe haut er auf Twitter einfach mal einen Spruch raus, dass Industrie 5.0 vor der Tür stehe. Geht es hierbei nur darum, Aufmerksamkeit zu erheischen, oder steckt mehr dahinter? Lass es uns herausfinden.

Die Revolutionen kommen immer schneller

Die ursprüngliche industrielle Revolution entwickelte sich über einen Zeitraum von zwei Jahrhunderten, bis dann Henry Ford und Frederick Taylor um das Jahr 1900 den Startschuss für die elektrifizierte und mechanisierte Massenfertigung gaben. Diese zweite Phase dauerte immerhin noch 70 Jahre, bis durch den Siegeszug der Computertechnik die dritte industrielle Revolution ihren Lauf nahm.

Die Bezeichnung „vierte industrielle Revolution“ im Zusammenhang mit dem Schlagwort „Industrie 4.0“ ist nicht ganz unumstritten, aber in der Regel wird auf die enge Verknüpfung von Logistik, Produktion und Management abgehoben, die unter anderem durch allgegenwärtige Breitbandnetzwerke, konnektive Sensorik, Cloud-Rechenzentren, Echtzeitanalysen und Simulationssoftware geprägt ist.

All diese Sachen können bereits seit ein paar Jahren auf Fachmessen bestaunt werden und finden auch vermehrt in der Praxis Anwendung. Noch liegt aber ein langer Weg vor uns, bis sich das noch neue Paradigma in der Breite durchsetzt. Nicht alles, was technisch möglich ist, ist auch wirtschaftlich. Zudem fehlen derzeit Fachleute, um alle wünschenswerten Digitalisierungsprojekte erfolgreich umzusetzen.

Nun ist es ja so, dass Siemens gerade mit großem Aufwand versucht, seine Kunden für die Cloudplattform MindSphere zu begeistern. Diese soll ein wichtiger Umsatzpfeiler der Digitalsparte des Konzerns werden. MindSphere würde ich ganz klar zu „Industrie 4.0“ zählen, schließlich ist das Thema noch keine fünf Jahre alt. Joe Kaeser will jedoch bereits jetzt eine Vorschau auf die nächste Version geben.


„Nicht verpassen am Siemens-Stand: Industrie 4.0 in Aktion und eine Vorausschau auf 5.0 werden das Stadtgespräch sein.“ (Joe Kaeser/Siemens Industry, 04.03.2019 auf Twitter)

Um was es bei Industrie 5.0 geht

Ein Thema, das Siemens auf der Hannover Messe demonstrieren will, ist das bereits bekannte Konzept des „digitalen Zwillings“ in Verbindung mit einer durchgehenden Digitalisierung für unterschiedlichste Branchen. Daneben geht es um die Steigerung der Flexibilität in der Fertigung bis hin zur Losgröße 1, die jedem Kunden sein individuelles Wunschprodukt zu wettbewerbsfähigen Preisen liefern soll. Das sind allerdings aus meiner Sicht alles Versprechen von Industrie 4.0.

Was ist es also, das Siemens den „nächsten Schritt der digitalen Transformation“ nennt? Und verdient es wirklich das Prädikat 5.0? Der Messevorschau des Unternehmens ist zu entnehmen, dass die Integration von Zukunftstechnologien wie künstliche Intelligenz, Edge Computing, 5G und Blockchain den entscheidenden Unterschied machen soll. Wie ist das zu verstehen?

Der Punkt ist wohl, dass diese Technologien einen neuen Grad der Autonomie ermöglichen. Mit sich selbst organisierenden Fahrzeugen, kognitiven und lernenden kollaborativen Robotern sowie dezentralen Rechenzentren und Blockchains könnte die Vision von der Fabrikhalle ohne Licht verwirklicht werden. Während die künstliche Intelligenz heute noch eher unterstützend wirkt, um Menschen dabei zu helfen, Fehler zu identifizieren, versteckte Zusammenhänge zu erkennen oder das Zusammenspiel unterschiedlicher Systeme zu verbessern, könnte sie bereits in einigen Jahren das eigenständige Kommando über ganze Produktionslinien und darüber hinaus übernehmen. Klingt verrückt, kommt aber.

Was ich daraus mache

Ob man deshalb gleich Industrie 5.0 ausrufen muss, bleibt trotzdem fraglich. Für mich ist ein wichtiges Merkmal von Industrie 4.0, dass verschiedene früher eher separat fortschreitende Technologien unter dem Dach einer immer intelligenteren Cloud-Infrastruktur zu etwas Größerem zusammengeführt werden. Insofern stellt die intelligente Fabrik eher die Erfüllung der Versprechen der vierten Version dar.

Die fünfte Version würde ich für noch abgefahrenere Dinge reservieren, die möglicherweise um das Jahr 2050 auf uns warten. Bis dahin könnte es unendliche Energie durch Fusionskraftwerke geben und wir bauen Rohstoffe im Weltall ab. Zudem rüsten wir uns mit Cyborg-Implantaten aus und produzieren unsere gentechnisch optimierten Lebensmittel in gigantischen vollautomatisierten Gewächshäusern.

Ein Element der nächsten Revolution könnte auch sein, dass die künstliche Intelligenz nicht nur innerhalb der ihr zugewiesenen Strukturen wirkt, sondern durch „querdenkende“ kreative Analysen eigene Lösungen für vorgegebene Ziele entwickelt und gleich auch organisiert, sodass sich der Ingenieur ohne langwierige Entwicklungsprozesse auf das gewünschte Ergebnis konzentrieren kann. Das wären meine Ideen. Du hast bestimmt noch ganz andere.

Mein Urteil über die Industrie-5.0-Verkündung ist letztlich zweigeteilt. Einerseits finde ich es sehr spannend, dass Siemens viele Jahre nach vorne blickt, um die kommenden Technologietrends zu antizipieren und bereits jetzt an ihrer Verwirklichung zu forschen. Andererseits halte ich es für verfrüht, von Industrie 5.0 zu reden, als ob Industrie 4.0 schon eine Sache von gestern wäre.

Lass dich also nicht täuschen: Industrie 4.0 nimmt jetzt Fahrt auf und wird noch viele Jahre relevant sein. Als interessierte Anleger und Siemens-Aktionäre sollten wir daher ein Auge darauf haben, dass das Industrie-4.0-Geschäft rund um MindSphere und die digitalen Zwillinge fokussiert vorangetrieben wird, ohne sich dabei in der fernen Zukunft zu verzetteln.

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Ralf Anders partizipiert über ein von ihm betreutes Indexzertifikat an der Aktienentwicklung von Siemens. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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