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Das Orakel von Omaha verkauft seine Oracle-Aktien nach nur einem Quartal

Warren Buffetts Berkshire Hathaway (WKN:854075) (WKN:A0YJQ2) investierte Ende 2018 rund 2,1 Mrd. US-Dollar in Oracle (WKN:871460). Das war ein optimistischer Vertrauensbeweis für das Unternehmen, da Buffett nur in eine Handvoll Technologieaktien investiert, während er sie den größten Teil seiner Karriere komplett gemieden hatte.

Ein kürzlich bei der SEC eingereichter Antrag ergab jedoch, dass Berkshire seine gesamte Position bei Oracle nach einem einzigen Quartal verkauft hat. Das war ein überraschender Zug für Buffett, der sonst ein Verfechter der langfristigen Investitionen ist und von dem die berühmte Aussage stammt, dass seine bevorzugte Haltedauer „für immer“ sei. Warum hat das Orakel von Omaha also Oracle plötzlich fallen gelassen?

Das Geschäft von Oracle verstehen

Oracle hat, wie viele andere reife Softwareunternehmen, Schwierigkeiten, seinen Umsatz in einem gesättigten Markt zu steigern. Die Analysten gehen davon aus, dass der Umsatz in diesem Geschäftsjahr (das am 31. Mai endet) um 1 % sinken wird, verglichen mit 6 % Wachstum im Vorjahr.

Oracle bewegt sich deshalb weg von seinen langsam wachsenden, lokalen Geschäftsfeldern wie Datenbankhard- und -software hin zu Cloud-Services mit höherem Wachstum. Oracle hat seine Cloud-basierten SaaS- (Software as a Service), IaaS- (Infrastructure as a Service) und PaaS- (Platform as a Service)-Umsätze zuvor separat ausgewiesen und die Investoren haben die Trendwende von Oracle oft an der Stärke dieser Geschäftsbereiche gemessen.

Das Wachstum dieser Cloud-Umsätze hat sich jedoch im gesamten Geschäftsjahr 2018 deutlich verlangsamt. Im vierten Quartal 2018 stellte Oracle die getrennte Berichterstattung über das Wachstum seiner SaaS-, IaaS- und PaaS-Umsätze ein.

Stattdessen wurden diese Einheiten mit den klassischen Unternehmensbereichen zu zwei neuen (und wohl undurchsichtigen) Berichtssegmenten zusammengefasst: „Cloud Services & License Support“ und „Cloud License & On-Premise License“. Die Entwicklung dieser beiden neuen Segmente in den letzten drei Quartalen zeigte jedoch, dass sich das Cloud-Wachstum von Oracle immer noch verlangsamt:

Kennzahl Q4 2018 Q1 2019 Q2 2019
Cloud Services und Lizenzen 6,8 Mrd. USD 6,6 Mrd. USD 6,6 Mrd. USD
Jährliches Wachstum 8 % 3 % 3 %
Cloud-Lizenz und On-Premise-Lizenzen 2,5 Mrd.USD 867 Mio. USD 1,2 Mrd. USD
Wachstum im Jahresvergleich (5 %) (3 %) (9 %)

QUELLE: ORACLE-QUARTALSBERICHTE (NICHT WÄHRUNGSBEREINIGT).

Oracle verzeichnete im vergangenen Quartal ein stagnierendes Umsatzwachstum gegenüber dem Vorjahr. Das deutet darauf hin, dass Oracle Schwierigkeiten hat, mit größeren Fischen auf dem Cloud-Services-Markt wie Amazon (WKN:906866) Web Services (AWS) und Microsofts (WKN:870747) Azure zu konkurrieren.

Amazons AWS-Umsatz stieg im letzten Quartal um 45 % auf 7,4 Mrd. US-Dollar und sicherte AWS erneut die Position als größte IaaS/PaaS-Plattform der Welt. Der Umsatz von Microsofts kommerzieller Cloud-Sparte – zu der neben Azure auch Office 365, Dynamics und andere SaaS-Produkte gehören – stieg im letzten Quartal um 48 % auf 9 Mrd. US-Dollar. Innerhalb dieser Summe stieg der Umsatz von Azure um 76 %.

Unternehmenskunden strömen eindeutig entweder zu AWS oder Azure, was sehr wenig Platz für Cloud-Underdogs wie Oracle und IBM (WKN:851399) lässt. Berkshire hat im vergangenen Jahr auch seine gesamte Beteiligung an IBM verkauft, da auch hier Bedenken wegen seiner Cloud-Konkurrenten aufgekommen waren.

Eine Sucht nach Rückkäufen

Ich glaube, Oracle steht kurz davor, die gleichen Fehler wie IBM zu machen. Buffett setzte 2011 erstmals auf IBM, nachdem Big Blue versprochen hatte, seinen Gewinn pro Aktie innerhalb von fünf Jahren zu verdoppeln – aber um dieses Ziel zu erreichen (was letztendlich nicht gelang), hat IBM die Kosten drastisch gesenkt, Sparten verkauft, Investitionen in neue Technologien vernachlässigt und Aktien aggressiv zurückgekauft. Infolgedessen blieb das Umsatzwachstum von IBM schwach und das Unternehmen fiel im Cloud-Markt hinter Amazon und Microsoft zurück.

Im letzten Quartal gab Oracle 10 Mrd. US-Dollar für Rückkäufe aus. Aus diesem Grund stieg der Nicht-GAAP-Gewinn pro Aktie um 16 %, während der Reingewinn nur um 3 % stieg. Mit anderen Worten: Oracle „kaufte“ sich einen Gewinn und die Analysten erwarten, dass diese Rückkäufe den Nicht-GAAP-Gewinn pro Aktie auch in diesem Jahr um 9 % steigern werden. Oracle hat kürzlich weitere 12 Mrd. US-Dollar an Rückkäufen genehmigt.

Der Rückkauf von Aktien ist nur dann ein kluger Schachzug, wenn ein Unternehmen keine sinnvollen Möglichkeiten findet, sein Geld in sein Unternehmen zu reinvestieren. Es wäre klüger, wenn Oracle, das auf 49 Mrd. US-Dollar in bar und börsenfähigen Wertpapieren sitzt, mehr Cloud-Service-Unternehmen erwerben würde, um sein Umsatzwachstum zu steigern und Amazon und Microsoft aggressiv herauszufordern.

Oracle kaufte 2018 sieben Unternehmen, aber die größte Übernahme, Grapeshot, kostete nur etwa 400 Mio. US-Dollar. Auch die Betriebskosten von Oracle stiegen im vergangenen Quartal jährlich um weniger als 1 %, was auf eine mangelnde Dringlichkeit beim Wachstum des Cloud-Geschäfts hindeutet.

Berkshire will kein zweites IBM besitzen

Oracles Aktien sehen billig aus, wenn man das künftige KGV von 14 ansieht, aber Berkshire Hathaway will wahrscheinlich keine weiteren stagnierenden Technologieaktien wie IBM besitzen. Oracle ist heute wohl besser in Form als IBM im Jahr 2011, aber Berkshire hat wahrscheinlich zu viele Ähnlichkeiten bemerkt, um bei einem womöglich langfristigen Verlierer zu bleiben.

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John Mackey, CEO von Whole Foods Market, einem Amazon-Tochterunternehmen, ist Mitglied des Vorstands von The Motley Fool. Teresa Kersten, eine Mitarbeiterin von LinkedIn, einem Tochterunternehmen von Microsoft, ist Mitglied des Vorstands von The Motley Fool. Dieser Artikel wurde von Leo Sun auf Englisch verfasst und am 18.02.2019 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

The Motley Fool besitzt Aktien von Amazon und Berkshire Hathaway (B-Aktien) und empfiehlt diese. The Motley Fool besitzt Aktien von Microsoft und Oracle. The Motley Fool besitzt eine Shortposition auf IBM und hat folgende Optionen: long Januar 2020 $30 Calls auf Oracle.

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