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BMW vs. Ford: Welche Aktie ist der bessere Kauf?

Autoaktien hatten 2018 kein einfaches Jahr. Die Neuwagenverkäufe sind in den wichtigsten Märkten der Welt zurückgegangen, und die meisten Autohersteller hatten zu berichten, dass das Ergebnis 2018 gegenüber dem des Vorjahrs rückläufig war. Da die Automobilhersteller hohe Fixkosten haben, kann ein leichter Umsatzrückgang überproportionale Auswirkungen auf das Ergebnis bedeuten. Viele Automobilaktien werden jetzt zu Beträgen gehandelt, die darauf hindeuten, dass Anleger davon ausgehen, dass eine Erholung wohl noch ein bisschen dauern könnte.

Wenn eine gesamte Branche bei Investoren in Ungnade fällt, gibt es in der Regel Schnäppchen zu holen – die guten Unternehmen, die mit abgerutscht sind. Die Ford Motor Company (WKN:502391) und die BMW AG (WKN:519003) waren vor einigen Jahren große Lieblinge bei den Anlegern, als ihre Umsätze (und Erträge) stiegen und ihre Managementteams erstklassig waren. Beide Aktien sind im vergangenen Jahr jedoch abgerutscht.

Es gibt allerdings gute Gründe zu der Annahme, dass sowohl Ford als auch BMW nach wie vor gut geführte Unternehmen sind. Aber welche Aktie ist im Moment der bessere Kauf? Werfen wir doch einmal einen Blick darauf.

Bewertung und Aktienkursentwicklung

Wie gesagt: Sowohl Ford als auch BMW haben ein schwieriges Börsenjahr hinter sich. Allerdings hat der Aktienkurs von BMW in den letzten 12 Monaten noch mehr an Wert verloren als der von Ford.

Betrachtet man die ertragsorientierten Bewertungskennzahlen, so wirken beide Unternehmen ziemlich billig. Automobilhersteller wurden in guten Zeiten in der Vergangenheit etwa zum 10-Fachen des Gewinns gehandelt, aber beide liegen jetzt deutlich unter diesem Niveau. BMW wurde in den vergangenen 12 Monaten zum 5,7-Fachen seines Gewinns, Ford im gleichen Zeitraum zum 6,5-Fachen seines bereinigten Gewinns gehandelt.

(Warum das bereinigte Ergebnis von Ford? Nun, Ford hatte im vierten Quartal 2018 im Zusammenhang mit seinen Pensionsfonds eine große, nicht zahlungswirksame Belastung; bereinigte Gewinne schließen diese Belastung aus. Mit dieser Zahlung liegt das Preis-Gewinn-Verhältnis von Ford bei etwas über 9, was etwas irreführend ist. In diesem Fall geben uns die bereinigten Ergebnisse einen besseren Überblick über die tatsächliche Bewertung von Ford.)

Beide sind mit Blick nach vorne etwas besser bewertet, da die Analysten der Wall Street erwarten, dass die Gewinne für beide im kommenden Jahr sinken werden. BMW wird zum 6,6-Fachen des erwarteten Ergebnisses für 2019 gehandelt, während Ford zum 6,9-Fachen des erwarteten Ergebnisses 2019 bewertet wird. Beide wirken nach wie vor günstig, wenn auch nicht spottbillig.

Dividenden: beide gut, aber eine Aktie ist besser

Beide Unternehmen haben in den letzten Jahren starke Dividenden gezahlt, die jetzt, bei gefallenen Aktienkursen, noch stärker aussehen. Basierend auf den im letzten Jahr gezahlten Dividenden liegt die Dividendenrendite von BMW derzeit bei 5,8 %, während die von Ford bei 7,2 % liegt.

Wenn wir damit rechnen könnten, dass diese Dividenden auf diesem Niveau auch in der Rezession gezahlt werden, wäre es eine gute Wahl, diese Aktien zu kaufen und im nächsten Abwärtszyklus die Dividende zu reinvestieren. Man muss aber wissen, dass BMW und Ford unterschiedliche Ansätze bei der Bestimmung, Zahlung und Erhöhung ihrer Dividenden verfolgt haben.

BMW bestimmt und zahlt seine Dividende einmal jährlich, in der Regel im Mai, nachdem der Vorstand das Vorjahresergebnis überprüft hat. Seit 2010 hat BMW seine Dividende jedes Jahr erhöht, von nur 0,30 EUR (2009 war hart) auf 4,00 EUR im Mai 2018, nachdem das Jahr 2017 recht erfolgreich war.

Angesichts dessen sollten wir davon ausgehen, dass BMW die Dividendenzahlungen nicht aufrechterhalten kann, wenn sein Gewinn sinkt, wie für 2019 erwartet – und eben auch in der nächsten Rezession, wann auch immer die kommt.

Ford hingegen zahlt eine vierteljährliche Dividende, die man seit 2015 konstant gehalten hat (bei 0,15 USD pro Quartal). In den Jahren 2016, 2017 und 2018 entschied man sich zu Beginn des Jahres für eine zusätzliche Extra-Dividende bei gleichbleibender regulärer Quartalsdividende.

Warum nicht einfach die reguläre Dividende erhöhen? Weil Ford möchte, dass die Aktionäre auf diese regelmäßige Quartalsdividende zählen können. Deswegen hält das Unternehmen sie auf einem Niveau, das es für machbar hält. Das Unternehmen hat wiederholt (und nachdrücklich) gesagt, dass es bereit sei, stabile vierteljährliche Dividendenzahlungen auch durch eine Rezession hindurch aufrechtzuerhalten – und das will man unbedingt, um zu zeigen, dass die Dividende zuverlässig ist. Angesichts der Finanzkraft von Ford ist das ein durchaus glaubwürdiger Plan.

Wachstum und Risiko

Sowohl BMW als auch Ford sind Branchenriesen, die in einer zyklischen Branche zuhause sind. Das bedeutet, dass ihre Umsätze und Gewinne mit dem Vertrauen der Verbraucher steigen und fallen und sie den Konjunkturzyklus mitmachen. Für Automobilhersteller im Allgemeinen bedeutet Erfolg, in guten Zeiten bei geringen Kosten den Gewinn zu maximieren. So soll in schlechten Zeiten weiterhin in zukünftige Produkte investiert werden können.

Die Autoverkäufe sind weltweit recht stark geblieben, doch die Gewinne der Autohersteller fangen an zu sinken, was darauf hindeutet, dass der aktuelle Zyklus seinem Ende entgegengeht. Sowohl Ford als auch BMW arbeiten daran, dem Zyklus voraus zu sei: Das bedeutet, dass sie die Kosten jetzt bei noch gutem Absatz senken und in zukünftige Produkte und Technologien investieren.

Ford und BMW stehen, wie die meisten ihrer Konkurrenten, vor einer weiteren Herausforderung: den Zukunftstechnologien. Elektrifizierung, autonomes Fahren und neue Arten des Individualverkehrs werden in den kommenden Jahren voraussichtlich zu drastischen Veränderungen in der Automobilindustrie führen. Die großen Autohersteller, die die Branche im vergangenen Jahrhundert beherrscht haben, werden sich anpassen müssen, um weiterhin erfolgreich zu sein und Gewinne zu erzielen. Darum tätigen sowohl BMW als auch Ford jetzt große Investitionen und erwarten organisatorische Veränderungen.

BMW entwickelt mit einer Gruppe von Partnern, darunter Intel, Aptiv und Fiat Chrysler, ein System zum autonomen Fahren. BMW erwartet, dass das erste Fahrzeug mit autonomen Fähigkeiten in etwa zwei Jahren auf den Markt kommt. Separat entwickelt man neue Fahrzeugarchitekturen, die es ermöglichen, Varianten mit interner Verbrennung, Hybrid- und Vollbatterie-Elektrik für jedes der großen Hauptmodelle zu bauen – alle am gleichen Fließband, in variabler Stückzahl, um die Nachfrage zu bedienen, sollte die sich im Laufe der Zeit ändern. Das erste Langstrecken-Elektrofahrzeug, eine batterieelektrische Version des SUV-Modells X3, wird für das kommende Jahr erwartet.

BMW hat seine Produktlinie um margenstarke (Verbrennungsmotor-)SUVs erweitert, um diese Zukunftsinvestitionen auch finanzieren zu können. Doch der Konzern hat gewarnt, dass die neuen Modelle die teuren Investitionen nur teilweise kompensieren können, was bedeutet, dass die Margen in den nächsten Jahren voraussichtlich unter Druck geraten werden.

Ford arbeitet ebenfalls an einer Reihe von Elektrofahrzeugen, wobei das erste – ein Hochleistungs-SUV – ebenfalls 2020 kommen soll. Aber es ist ein anderer Ansatz für autonomes Fahren: Ford beteiligte sich an einem Start-up, Argo AI. Ford hat Argo AI im wesentlichen dazu genutzt, um die Softwareseite seiner eigenen Entwicklungsarbeit voranzutreiben. Wie BMW erwartet auch Ford, im Jahr 2021 ein autonomes Fahrzeug auf den Markt zu bringen. Aber das selbstfahrende Fahrzeug von Ford wird einen anderen Fokus haben: Es wird auf Anwendungen im gewerblichen Fuhrpark ausgerichtet sein.

Fords CEO Jim Hackett hat selbst mit der Umstrukturierung des Unternehmens begonnen, indem er die Prozesse optimiert hat, um die Entwicklungszeiten zu verkürzen und Ford in die Lage zu versetzen, sich schnell an Marktveränderungen anzupassen. Er überarbeitet auch die weltweite Produktlinie von Ford und reduziert die Ausgaben für margenschwache Produkte (etwa Limousinen), während er neue SUVs und Nutzfahrzeuge mit höherer Marge entwickelt. So soll sichergestellt werden, dass er auch in Zukunft aggressive Wetten tätigen kann.

Insgesamt sollen Fords Investitionen in den nächsten drei bis fünf Jahren 11 Milliarden USD kosten, aber das Ziel ist natürlich, dass sich das in der Zeit danach mit großen Margen auszahlt.

Ist Ford oder BMW jetzt der bessere Kauf?

Keine Frage: Ich schätze beide Unternehmen als langfristige Investitionen. Wer bereits beide Aktien hält, sollte einfach warten. Aber wer jetzt erst einsteigt, dem empfehle ich Ford. Und zwar aus mehreren Gründen.

Erstens habe ich das Gefühl, dass BMW es nicht leicht hat, elektrische und autonome Fahrzeuge auf den Markt zu bringen. Während die Partnerschaft zum autonomen Fahren vielversprechend ist, ist mir der Plan des Platform-Sharing für E-Fahrzeuge nicht ganz geheuer. Das alles kommt mir eher vor wie ein budgetgerechter Plan – nicht wie ein Plan, der auf Marktführerschaft abzielt.

Fords Pläne hingegen fühlen sich machbar an. Die Elektrofahrzeuge werden nicht die ersten sein, die auf den Markt kommen, aber Ford hat versprochen, dass sie praktisch, ausgereift und einfach für Massenmarktkunden zu fahren sein werden. Und die ersten autonomen Fahrzeuge von Ford werden davon profitieren, dass intensive Marktforschung mit Kunden aus der Unternehmensflotte durchgeführt wurde.

Der zweite Punkt zugunsten von Ford ist die Dividende. Wenn Ford diese durch die nächste Rezession hindurch aufrecht halten kann (und davon gehe ich aus), dann könnte ein Investor, der jetzt Ford-Aktien kauft und die Dividende reinvestiert, in der nächsten Erholung einen schönen Gewinn sehen. Fords starkes Management, die angekündigten neuen Produkte und die aggressive Arbeit an Zukunftstechnologien sollten für Branchenführerschaft sorgen, wenn die Erholung der Branche kommt.

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The Motley Fool empfiehlt Aktien von BMW und Ford. John Rosevear besitzt Aktien von Ford.

Dieser Artikel erschien am 14.2.2019 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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