The Motley Fool

Daimler und BMW gegen Uber, Lyft & Co.

Der Kampf verstaubter Autobauer wie Daimler (WKN:710000) und BMW (WKN:519000) gegen Uber, Lyft, Didi Chuxing und Co. erscheint aussichtslos. Die Euphorie der Finanzmärkte für die zuletzt genannte Gruppe und der Pessimismus für die zuerst genannte Gruppe lässt wenig Platz für Zweifel an dieser These. Nun starten BMW und Daimler einen gemeinsamen Versuch, die neuen Mobilitätslieblinge vom Thron zu stoßen. Beziehungsweise zumindest einen ebenbürtigen Wettbewerber ins Rennen zu schicken. Auch wenn ich noch einige Bedenken habe, bin ich davon unterm Strich sehr begeistert.

Bevor ich genauer dazu komme, zunächst noch in aller Kürze einen Blick auf den neuen Herausforderer von Uber und Lyft.

Im hippen Berlin begrüßte die Technologie-Beobachterin Laurie Segall letzte Woche Dieter Zetzsche und Harald Krüger, die Köpfe der beiden Autobauer, zur entspannten Plauderei vor versammelter Presse. Zukünftig sollen die allermeisten der bisher von beiden Unternehmen unabhängig aufgebauten Mobilitäts-Angebote in einem Gemeinschaftsunternehmen in fünf Segmenten zusammenarbeiten: Reach Now (Bündelung verschiedener Mobilitätsangebote, beispielsweise moovel), Charge Now (Ladeservices für Elektromobilität), Free Now (Ride-Hailing-Angebote, beispielsweise myTaxi), Park Now (Park-Services) und Share Now (Car-Sharing-Angebote, beispielsweise car2go).

Nun aber zum eigentlichen Thema: meinen noch bestehenden Zweifeln und meiner dennoch vorhandenen Begeisterung über das neue Abenteuer von BMW und Daimler.

Das finde ich gut, das finde ich schlecht

Das Wichtigste vorneweg: Ich finde die Entscheidung von BMW und Daimler absolut richtig.

Zunächst ist eine gewisse Größe bei den neuen Geschäften noch wichtiger als im traditionellen Geschäft. Zwar gibt es auch im traditionellen Business gewisse Vorteile durch Größe, im neuen Geschäft ist diese aber zwingende Voraussetzung für den Erfolg. Ein geografisch lückenhaftes Angebot von Ladeservices, Car-Sharing-Angeboten und Parking-Services ist für potenzielle Kunden nur begrenzt attraktiv, und umgekehrt: Je lückenloser ein Service weltweit vorhanden ist, desto attraktiver. Und mit der Zusammenlegung der Services vergrößern Daimler und BMW ihren Fußabdruck bedeutend.

Zusätzlich verträgt sich die notwendige Mentalität der neuen Mobilitätswelt in meinen Augen einfach nicht mit der traditionellen Welt der Autobauer. Nicht weil ich denke, dass Daimler und BMW schlecht geführte Unternehmen sind. Vielmehr, weil dieses neue Geschäft einer gänzlich anderen Logik unterliegt: eine andere Wachstumsdynamik, andere Produktentwicklungszyklen, andere Märkte, andere Kundengruppen, andere Konkurrenten und eine andere Art und Weise, Umsätze und Gewinne zu erzielen.

Im schlimmsten Falle frisst das neue Geschäft das alte Geschäft irgendwann auf. Nämlich dann, wenn Mobilitätsservices das private Auto obsolet machen sollten. Die Vergangenheit zeigt, dass es beinahe unmöglich ist, derart unterschiedliche und konkurrierende Geschäftsmodelle in einem Unternehmen parallel zum Erfolg zu führen. Je weiter das neue Geschäft daher vom traditionellen Geschäft entfernt ist, desto aussichtsreicher ist dieses neue Abenteuer meiner Meinung nach.

Hier beginnen aber meine Zweifel. Insbesondere Herr Krüger sprach meinem Empfinden nach viel zu oft von Entscheidungen über die weitere Ausrichtung des Gemeinschaftsunternehmens, die er und Zetsche nun zu treffen haben. Das hörte sich für mich nicht nach grenzenloser Freiheit an.

Auch die Wahl der Gesprächspartner ist in meinen Augen zumindest ein mögliches Anzeichen für die weiterhin sehr enge Bindung an Daimler und BMW. Auch wenn Zetsche und Krüger die Plauderei mit Laurie Segall gewohnt souverän meisterten, hätte ich persönlich lieber die Leidenschaft und Euphorie der fünf neuen Segment-Verantwortlichen bereits im offiziellen Teil der Pressekonferenz gespürt. Dann wäre sicherlich auch die Frage eines Pressevertreters nach dem aktuellen Stand und den befürchteten Auswirkungen der neuerlichen Streitigkeiten mit Handelszöllen nicht gekommen.

Unterm Strich eine richtige und aussichtsreiche Entscheidung

Auch wenn für mich noch nicht alle Befürchtungen vom Tisch sind, ist es meiner Meinung nach eine richtige und aussichtsreiche Entscheidung. Insbesondere das klare Bekenntnis zu weltweitem Wachstum mit dem Ziel, mit unterschiedlichen Segmenten in unterschiedlichen Regionen zum Marktführer aufzusteigen, ist für mich der einzig richtige Weg. Denn in den neuen Geschäftsfeldern wird es in einem abgegrenzten Gebiet nur einen einzigen Gewinner geben. Entweder versucht man, mit aller Macht dieser eine Gewinner zu sein, oder man überlässt dieses Feld von vornherein ambitionierteren Konkurrenten.

Ehrlicherweise hätte ich es als Investor aber sehr viel lieber gesehen, wenn Daimler und BMW mit einem großen Knall zumindest einen kleinen Teil des neuen Gemeinschaftsunternehmens an die Börse gebracht hätten. So hätte sich die doch sehr kurze Liste von Unternehmen mit einem konsumentenorientierten Servicegeschäft und mit weltweiten Ambitionen in einer schnell wachsenden Branche im deutschsprachigen Raum um eine meiner Meinung nach aussichtsreiche Möglichkeit erweitert.

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Offenlegung: Sven besitzt Aktien von BMW und Daimler. The Motley Fool empfiehlt BMW und Daimler.