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Warum ich die Autogrill-Aktie lieber kaufe als die Tesla-Aktie

Gleich vorneweg: Ich habe nichts gegen Tesla (WKN: A1CX3T) – ganz im Gegenteil. Ich finde es toll, wie Musk und sein Team unbeirrt an ihre Vision glauben und auf diese Weise großartige Autos bauen. Auch die öffentliche Wahrnehmung bezüglich Tesla wandelt sich gerade hin zum Positiven.

Die Produktion des Model 3 läuft rund – zumindest hört man nichts Gegenteiliges mehr; man konnte sich über Quartalsgewinne freuen und von finanziellen Engpässen habe ich auch schon länger nichts mehr gehört.

Der perfekte Zeitpunkt also, um die Tesla-Aktie zu kaufen? So komisch es klingt: Heute würde ich lieber die Aktie von Autogrill (WKN:908497) kaufen – ein Gastronomieunternehmen aus dem von der Pleite bedrohten Italien!

Grund 1: Megatrend Elektromobilität

Es hört sich erst mal blöd an, aber der erste Grund, der für Autogrill spricht und gegen Tesla, ist meiner Meinung nach der Trend hin zu elektrisch betriebenen Autos. Ich denke, dass E-Autos für uns Kunden einige entscheidende Vorteile mit sich bringen – und dass sie deshalb schneller unsere Straßen erobern werden, als sich die meisten das heute vorstellen können.

Zunächst einmal scheint eine hohe Nachfrage nach Elektroautos gut für Tesla zu sein. Klar erhöht diese Entwicklung das Absatzpotenzial für einen E-Autobauer signifikant. Schnell wachsende Märkte haben aber auch negative Aspekte – allen voran ziehen sie Konkurrent an wie Kuhhaufen die Fliegen!

So muss Tesla sich nicht nur mit BMW, Daimler und VW um Kunden streiten – der E-Autoboom ruft ganz neue Konkurrenten auf den Plan – BYD, Lucid Motors, Byton oder NIO, um nur ein paar zu nennen. Gleichzeitig machen Carsharing und Fahrdienstleister wie Uber ein eigenes Auto zunehmend uninteressant.

Eine immer größer werdende Schar von Autoherstellern streitet sich also um immer weniger Kunden. Nicht unbedingt das Umfeld, in dem ich jetzt unbedingt investieren muss.

Denn auch wenn ich denke, dass Tesla gute Chancen hat, sich weit vorne im E-Automarkt zu positionieren – eine ausgemachte Sache ist das sicher nicht! Und selbst wenn – ob dieses Geschäft dauerhaft profitabel sein wird, muss erst einmal abgewartet werden.

Wenn ich hingegen darüber nachdenke, wer auf jeden Fall von Elektroautos profitieren wird, bleibe ich unweigerlich bei Autobahnraststätten hängen. Denn auch wenn sich die Akku- und Ladetechnik ständig verbessert, an zwei grundsätzlichen Nachteilen von Elektroautos gegenüber den derzeitigen Verbrennern wird sich meiner Meinung nach so schnell nichts ändern.

  • Ein E-Auto hat eine geringere Reichweite als ein Verbrenner, insbesondere als ein Diesel, und muss deshalb öfter geladen werden.
  • Das Laden von Elektroautos dauert länger als das Betanken mit flüssigen oder gasförmigen Energieträgern.

Beides führt bei längeren Autofahrten unweigerlich dazu, dass wir mit Elektroautos viel mehr Zeit an Autobahnraststätten verbringen werden – und wer mehr Zeit hat, der gibt in der Regel auch mehr aus. Sei es für Kaffee, etwas zu Essen oder eine Zeitung.

Und hier kommt Autogrill ins Spiel: 35 % der Umsätze erwirtschafteten die Italiener 2017 mit Raststätten, Restaurants und Shops an Autobahnen. Autogrill könnte daher einer der Profiteure des Megatrends Elektromobilität werden – denn wenn ich mit meiner Prognose richtig liege, dann werden elektrisch betriebene Fahrzeuge dafür sorgen, dass wir zukünftig mehr Geld an Autobahnraststätten ausgeben als heute.

Tesla hingegen muss sich in einem hart umkämpften Markt gegen starke Konkurrenten behaupten. Ob das in den nächsten Jahren ein besonders profitables Geschäft sein wird? Kann sein, vielleicht aber auch nicht. Sicher ist hingegen, dass Autogrill über zahlreiche Autobahnraststätten verfügt, die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit von E-Autos profitieren werden.

Die Elektromobilität ist daher der erste Punkt, der für die Autogrill-Aktie spricht und gegen die Tesla-Aktie.

Grund 2: Vorsicht vor Wachstumsmärkten!

Ich habe es ja eben schon kurz angedeutet: Wachstumsmärkte sind nicht zwangsläufig ein Garant für steigende Kurse – manchmal passiert sogar genau das Gegenteil! Ein Beispiel hierfür ist der Solarmarkt der letzten zehn Jahre. Ja, er ist in diesem Zeitraum tatsächlich explodiert – profitiert hat davon aber kaum ein Aktionär.

Bei Elektroautos könnte eine ähnliche Entwicklung eintreten – auch wenn ich glaube, dass die Voraussetzungen von Tesla besser sind, als sie das bei Solarworld und Co. vor zehn Jahren waren.

Ich bin bei extrem schnell wachsenden Märkten wie der E-Mobilität deshalb eher vorsichtig und halte lieber nach moderat wachsenden Märkten Ausschau, die weniger Konkurrenz anziehen – und wieder lande ich bei Autogrill!

Das Hauptgeschäft von Autogrill ist nämlich nicht das an den Autobahnen – sondern gastronomische Betriebe an Flughäfen. 58 % aller Umsätze stammten 2017 aus diesem Bereich.

Glaubt man den Prognosen unseres Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, dann verdoppelt sich der weltweite Luftverkehr zwischen 2014 und 2034. Das würde ungefähr ein jährliches Wachstum zwischen 3 und 4 % bedeuten – genau nach solchen Märkten halte ich Ausschau: solides Wachstum, aber kein Megawachstumsmarkt!

Autogrill als einem der größten Gastronomiebetreiber an Flughäfen dürfte dieses Wachstum dabei helfen, noch mehr Kunden in seine Restaurants und Shops zu locken – und so noch mehr Geld zu verdienen!

Auch der Markt spricht meiner Meinung nach also mehr für die Autogrill-Aktie als für die Tesla-Aktie.

Grund 3: Die Stimmung

Wer kauft, wenn die Stimmung euphorisch ist, der kauft meist zu teuer. So oder so ähnlich lautet ein altes Börsensprichwort, das zum Ausdruck bringen soll, dass antizyklisches Handeln meist sinnvoller ist, als der Herde nachzurennen.

Nun, ich würde jetzt nicht von Euphorie rund um die Tesla-Aktie sprechen, aber die Stimmung war schon mal deutlich schlechter. Ich kaufe Aktien lieber dann, wenn sie gerade kein anderer haben will – und diese Phase hat Tesla in meinen Augen vor ein paar Monaten verlassen.

Ganz anders die Autogrill-Aktie – sie ist in den letzten zwölf Monaten um knapp 30 % gefallen (Stand: 22.02.2019). Klar, als italienisches Unternehmen hat man es derzeit nicht leicht. Die politischen und finanziellen Querelen des Landes färben auch auf seine Unternehmen ab und sie werden in Sippenhaft genommen.

Doch bei der Autogrill-Aktie scheint dieser Italo-Abzug nicht wirklich gerechtfertigt zu sein – denn das Unternehmen erwirtschaftete 2017 nur 38 % seiner Umsätze in Europa und davon wiederum nur 39 % in Italien. Man ist also nicht wirklich abhängig von der wirtschaftlichen Lage des Heimatmarktes.

Wenn die Stimmung an der Börse bezüglich eines Unternehmens sehr schlecht ist, dann ist das für mich ein positiver Indikator, der auf eine günstige Gelegenheit hindeuten kann – insbesondere wenn der Grund für die schlechte Stimmung nicht wirklich gerechtfertigt ist.

Genau deshalb investiere ich aktuell lieber in Autogrill und nicht in Tesla.

Langweiler oder Börsenpromi?

Keine Frage – die Tesla-Aktie versprüht deutlich mehr Glanz als die eines italienischen Betreibers von Autobahnraststätten. Doch in meinen Augen spricht diese Tatsache nicht für die Tesla-Aktie, sondern für die von Autogrill!

Peter Lynch, einer der erfolgreichsten US-Fondsmanager aller Zeiten, beschreibt in seinem Buch „One Up on Wallstreet“ seine Traumaktie wie folgt:

Am besten hat sie einen langweiligen Namen, ist in einem Markt tätig, der kaum wächst, und niemand an der Wallstreet interessiert sich für sie.

Diese Beschreibung passt zu 100 % auf die Autogrill-Aktie und zu 0 % auf die Tesla-Aktie – genau deshalb werde ich demnächst meine ersten Autogrill-Aktien kaufen, während ich bei Tesla an der Seitenlinie bleibe.

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Thomas Brantl besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Tesla. The Motley Fool empfiehlt BMW und Daimler.