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Flugtaxi-Boom: So leicht kommt mir die Daimler-Aktie nicht ins Depot

Was verbindet Daimler (WKN:710000) mit Microsoft (WKN:870747) und Tencent (WKN:A1138D)?

Auf den ersten Blick nicht viel. Doch nach einer Studie der Unternehmensberatung Horváth werden alle drei als die Profiteure des zukünftigen Flugtaxi-Booms gehandelt, der bereits in sechs Jahren die Metropolen dieser Welt verändern soll.

Wer zu spät kauft, den bestraft das Leben. Doch sollte die Daimler-Aktie deshalb besser gestern als heute ins Depot?

Fliegende Autos statt 140 Zeichen

„Wir wollten fliegende Autos, bekommen haben wir 140 Zeichen.“ Nun, Herr Peter Thiel (legendärer Facebook (WKN:A1JWVX)-Investor), das mag Stand heute wohl so sein. Aber das bedeutet nicht, dass Luftstraßen, wie wir sie bereits im Filmklassiker „Zurück in die Zukunft 2“ bestaunen konnten, nicht schon bald Realität werden könnten.

Laut NASA arbeiten aktuell rund 400 Startups an der Zukunft des privaten Luftverkehrs. Selbst wenn nur 1 % dieser Goldgräber etwas Sinnvolles zustande bringt, werden das vermutlich gleich vier Einhörner (umgangssprachlich für „Megaerfolg“).

Daimler ist seit 2017 an dem deutschen Start-up Volocopter beteiligt. Volocopter baut sogenannte Multikopter. Das sind elektrisch angetriebene Senkrechtstarter mit Kufen und einer Vielzahl von Rotoren.

Der Doppelsitzer 2X aus dem Hause Volocopter besitzt 18 Rotoren, mit denen sich das Gefährt überdurchschnittlich leise fortbewegen soll. Angeblich verursacht der 2X in 75 Metern Entfernung gerade mal so viel Lautstärke wie ein Kleinsthubschrauber in 500 Metern.

Mit einer Reichweite von 27 km lässt sich mit dem 2X sicher keine Weltreise machen. Doch in Verbindung mit einer vergleichsweise harmlosen Geräuschentwicklung und einer zunehmenden Anzahl von Stadtbewohnern (bis zum Jahr 2030 soll es 43 Mega-Citys mit mehr als zehn Millionen Einwohnern geben), könnte der 2X die eine oder andere Stadt vor dem Verkehrskollaps bewahren.

Dieter Zetsche scheint mit seinem Investment immer noch sehr zufrieden zu sein. Auf der letzten Bilanzpräsentation sagte der Noch-Daimler-CEO zu Daimlers Luftverkehrsexperiment: „Wir sind mit Volocopter im Feld der nicht ganz kleinen Zahl der teilweise fliegende Fahrzeuge genannten Mobilitätsinstrumente sehr gut positioniert.“

Ein vielversprechendes Produkt mit überzeugender Zukunftsperspektive? Das klingt nach einem Selbstläufer. Aber genügt das, um sich jetzt direkt Daimler-Aktien ins Depot zu holen?

Die iPhone-Schwelle

Ich bin bei Weitem kein Hellseher. Den Bärenmarkt 2008/2009 sah ich genauso wenig kommen wie ein Internet ohne ruinöse Minutenpreise.

Aber manchmal greifen einfach alle Zahnräder ineinander und ich denke: „Wow! Das ist die Zukunft!“

So geschehen, als ich 2007 das erste iPhone in Händen hielt. Klar, angeblich hat zu dieser Zeit jeder gewusst, dass Apple (WKN:865985) mit dem Minicomputer sein Meisterstück abgeliefert hat. Allerdings kann ich mich auch an viele Skeptiker erinnern. Die Befürchtung Nummer eins: Durch dieses seltsame „Touch“ wird doch der Bildschirm schmutzig. Echt wahr! Kein Scherz!

Zum Sommerhoch 2007 kostete die Apple-Aktie etwa 20 US-Dollar. Ungefähr zu diesem Preis wanderte die Aktie in mein Depot. Heute ist die Apple-Aktie gut 170 US-Dollar (Stand: 12.02.2019) wert.

Dieser Kauf ist noch immer meine Blaupause zur Bewertung von Produktinnovationen. Denn seither bin ich mir über die Schwelle bewusst, die eine Innovation für mich überwinden muss, um als valider Kaufgrund zu gelten.

Ich brauche mehr als eine Studie, um meinen Einsatz zu machen

Eine Studie zu haben, die für das Jahr 2035 23.000 Flugtaxis prognostiziert, ist definitiv besser, als sich nur auf den Filmklassiker „Zurück in die Zukunft 2“ zu berufen (der obendrein im Jahr 2015 spielt).

Allerdings gehe ich wohl recht in der Annahme, dass selbst die beste Studie kaum mehr Informationen über die Zukunft hat als ich selbst. Was die Zukunft angeht, stochert jeder im Nebel. Selbst Warren Buffett, obwohl ich mir beim Altmeister manchmal nicht so sicher bin.

Meine Devise seit iPhone-Zeiten: Ich muss die Zukunft in den Händen halten können. Physisch. Kein Konzept, keine Studie. Das Produkt. So wie Gott bzw. Apple es schuf. Nur das aktiviert meine „hellseherischen Fähigkeiten“.

Wenn mir zehn Jahre vor dem iPhone jemand erzählt hätte, dass wir bald vergleichsweise winzige Computer mit Fingergesten bedienen, hätte ich zwar Interesse, aber trotzdem keine Vorstellung und erst recht kein Gefühl für die tatsächliche Wirkung in freier Wildbahn gehabt. Da braucht es einfach mehr, um mich in Kauflaune zu bringen.

War ich deshalb zu spät dran mit meinem Apple-Kauf? Kenner werden wissen, dass ich die Apple-Aktie nur ein paar Jahre vor dem iPhone-Start für 2 US-Dollar bekommen hätte. Bereue ich deshalb meine „Hands-on-Strategie“? Ein paar Hundert Prozent plus später muss ich resümieren: Nein!

Die Daimler-Aktie (oder jede andere Aktie, die dem Thema „Flugtaxis“ zuzuordnen ist) werde ich frühestens dann in Erwägung ziehen, wenn mir die nervenzehrende S-Bahn-Fahrt zwischen dem Berliner Hauptstadtflughaben und meinem bescheidenen Heimatbezirk erspart bleibt.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass meine „hellseherischen Fähigkeiten“ Funken sprühen, sobald ich flüsterleise und vielleicht sogar ohne Piloten über die Hauptstadt gleite. Bis dahin halte ich jedoch meine Füße still.

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Stefan Naerger besitzt Aktien von Apple. Teresa Kersten arbeitet für LinkedIn und sitzt im Vorstand von The Motley Fool. LinkedIn gehört zu Microsoft. Randi Zuckerberg, eine frühere Leiterin der Marktentwicklung und Sprecherin von Facebook sowie Schwester von CEO Mark Zuckerberg, sitzt im Vorstand von The Motley Fool. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Apple, Facebook und Tencent Holdings. The Motley Fool besitzt Aktien von Microsoft.The Motley Fool besitzt die folgenden Optionen: Long Januar 2020 $150 Calls auf Apple und Short Januar 2020 $155 Calls auf Apple. The Motley Fool empfiehlt Daimler.