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SAP nach dem Kapitalmarkttag: Noch trauen Anleger dem Braten nicht – zu Unrecht

Auf dem Kapitalmarkttag hat SAP (WKN:716460) umfassende Informationen zur strategischen Aufstellung und den Erfolgsaussichten geliefert. Nach dem milliardenschweren Kaufrausch wollen Aktionäre natürlich wissen, wohin die Reise geht. Noch haben sich die Anleger nicht wirklich begeistern lassen. Dabei sieht das mittlerweile richtig schlüssig aus.

Die CRM-Offensive schlägt Wellen

Für den Feldzug im Kundenbeziehungsmanagement (CRM) schießt SAP aus allen Rohren, wie nun sehr deutlich herauskommt. Im Umfeld des Marktstarts von C/4HANA im Sommer 2018 wurden mit Gigya (11/2017, Customer Identity Management), Callidus Software (04/2018, Angebots- & Rechnungsmanagement), Coresystems (06/2018, Einsatzplanung des Außendienstes) und zuletzt Qualtrics (11/2018, Kundenerfahrungsanalysen) gleich vier Spezialisten übernommen.

Dadurch schließt SAP in Kombination mit ihren bestehenden und selbst entwickelten Lösungen nach Expertenmeinungen in praktisch allen wesentlichen CRM-Facetten zu den jeweils marktführenden Anbietern auf und kann zudem die nach eigener Darstellung umfassendste Funktionalität bieten.

Ganz klar, hier sollte von Anfang an eine große Welle in Gang gesetzt werden, um möglichst schnell ansehnliche Kundenzahlen melden zu können. Außerdem will SAP wohl den Druck auf Salesforce.com (WKN:A0B87V) hochhalten um etwaigen Gegenoffensiven nicht zu viel Raum zu geben.

Betriebsgewinn von über 10 Mrd. Euro in Sicht

Nach all den Übernahmen ist SAP nun erst einmal satt und will sich darauf konzentrieren, das Cloudgeschäft mit Volldampf hochzuskalieren. Ich finde es toll, wenn ein Unternehmen mit Inbrunst verkündet, alle notwendigen Ressourcen zu besitzen, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Ein ewiges Herumdoktern an der Unternehmensstruktur mit ständigen Zu- und Verkäufen, wie es bei den Industriekonglomeraten zu beobachten ist, kann schließlich auch zermürbend sein und drückt auf den Gewinn.

Nicht so bei SAP: Wie es aussieht, wird sich die Richtung der Bargeldflüsse jetzt umkehren, sodass sich die zuletzt stark beanspruchten Kassen schnell wieder füllen dürften. Bis 2023 soll sich der Cloudumsatz auf mindestens 15 Mrd. Euro verdreifachen gegenüber 2018. Da die Kostenbasis für Cloudanbieter nur zum kleineren Teil umsatzabhängig ist, sollten die Margen bis dahin deutlich steigen. Schon für 2020 rechnet das Management mit einem Betriebsgewinn von bis zu 9 Mrd. Euro, sodass es wenig Fantasie braucht, vorauszusagen, dass wahrscheinlich spätestens 2022 die Marke von 10 Mrd. deutlich übertroffen wird.

Da SAP über eine ausgezeichnete Bonität verfügt, muss der Konzern trotz stattlicher Finanzschulden in Höhe von rund 11 Mrd. Euro kaum Zinsen bezahlen – für viele Anleihen lediglich 1 % oder weniger. Mit der Rückzahlung wird man es daher nicht sonderlich eilig haben. Stattdessen dürfen sich Aktionäre auf steigende Dividenden freuen. Mindestens 40 % des Konzerngewinns sollen ausgeschüttet werden.

Da von 10 Mrd. Euro Betriebsgewinn nach Steuern voraussichtlich mindestens 7 Mrd. Euro bleiben, würde ich bis 2022 mit einem Anstieg auf mindestens 2 Euro je Aktie rechnen – nicht spektakulär, aber für ein Unternehmen mit diesem Wachstumsprofil sind rund 2,5 % Dividendenrendite durchaus ordentlich.

Alles integriert und intelligent

„Das integrierte, intelligente Programmpaket gewinnt immer“, denkt das Management von SAP. Das war auch der Rote Faden, der sich durch alle Präsentationen zog. Noch bis 2018 lag der Schwerpunkt darauf, den Cloudtrend nicht zu verschlafen und die ziemlich revolutionären Fähigkeiten der HANA-Technologie zu erläutern. Jetzt, wo beides spektakulär an Fahrt aufgenommen hat, geht es mehr darum, die vielen einzelnen Entwicklungsstränge zu einem großen Ganzen zusammenzuführen.

SAP versetzt ihre Anwender immer besser nahtlos in die Lage, die Kundenbedürfnisse frühzeitig zu erspüren, daraus Ideen für neuartige Geschäftsmodelle zu entwickeln, über Echtzeitanalysen den Betriebserfolg zu messen und den Einsatz von Mitarbeitern und Maschinen zu optimieren. Die unter SAP Leonardo zusammengefassten intelligenten Methoden und Technologien können nun an jeder Stelle entlang der Wertschöpfungskette ihre Wirkung entfalten. Entscheider können ihr Unternehmen somit aus nahezu beliebigen Perspektiven und Blickwinkeln betrachten und bekommen immer ein aktuelles Lagebild samt analytischer Auswertung.

Bleibt die Frage, welchen Aufwand es macht, solch eine umfassende Lösung zu implementieren, bis auch alles reibungslos funktioniert. Kunden, die schon länger mit SAP zu tun haben, sind da einiges gewohnt. Aber gerade an dieser Front sollten sich die Integrationsbemühungen sowie die zunehmende Verfügbarkeit von intelligenten Mechanismen, die den Software-Ingenieuren eine Menge Arbeit abnehmen, bemerkbar machen. Ein Beispiel dafür ist auch die enge Zusammenarbeit mit der Siemens (WKN:723610)-Tochter Mendix, deren Werkzeuge die Programmierung von Business Apps radikal vereinfacht.

Was für Aktionäre drin ist

Der CEO Bill McDermott hat mit einer Energieleistung dafür gesorgt, dass SAP sich nicht nur im Wettbewerb einigermaßen behaupten kann, sondern gute Chancen hat, gegenüber Salesforce und anderen aufstrebenden Konkurrenten verlorene Marktanteile zurückzugewinnen. Insoweit keine größeren Rückschläge zu verkraften sind, stehen nun alle Ampeln auf Wachstum, und zwar bei steigender Profitabilität.

Nun ist der mit 113 Mrd. Euro bewertete Konzern natürlich nicht gerade ein Schnäppchen, aber im Vergleich zu den aus meiner Sicht meist weniger soliden und dabei noch viel höher bewerteten kalifornischen Tech-Giganten würde ich die Walldorfer jederzeit vorziehen.

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Ralf Anders partizipiert über ein von ihm betreutes Indexzertifikat an der Aktienentwicklung von Siemens. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Salesforce.com.

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