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Gerry Weber insolvent – war der Untergang vorhersehbar?

Die Gerry Weber (WKN:330410)-Aktie brach letzten Freitag innerhalb weniger Minuten um mehr als 70 % ein – aus gutem Grund: Der westfälische Modekonzern stellt an diesem Tag Insolvenzantrag beim Amtsgericht Bielefeld.

Mich persönlich trifft diese Pleite nicht – ich habe keine Gerry-Weber-Aktien im Depot. Trotzdem lohnt es sich in meinen Augen, die Ursachen dieses Bankrotts zu ergründen.

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An dieser Stelle möchte ich Charlie Munger zitieren, den genialen Partner von Börsenlegende Warren Buffett:

Am besten lernst du aus den Fehlern anderer – das erspart dir schmerzhafte Verluste.

Das Management

Einer der für mich wichtigsten Punkte bei meinen Investments: das Management! Auf der Suche nach der Ursache für den Niedergang von Gerry Weber ist das Management daher der erste Punkt, an dem ich ansetze.

Bis 2015 war Gerhard Weber Vorstandsvorsitzender von Gerry Weber International. Wichtig zu wissen: Gemeinsam mit Udo Hardieck gründete er 1973 die Hatex KG – die Vorgängergesellschaft von Gerry Weber. Als Gerhard Weber im Februar 2015 von seinem Vorstandsposten zurücktrat, übergab er an Ralf Weber, seinen Sohn.

Gerry Weber war also bis kurz vor dem bitteren Ende ein familiengeführtes Unternehmen – genau hier investiere ich besonders gerne! Ein Blick auf ein paar der wichtigsten Anteilseigner von Gerry Weber bestärkt diesen positiven Eindruck sogar noch.

Gerhard Weber 29,6 %
Hardieck Anlagen 17,9 %
Ralf Weber  3,9 %

Quelle: finanzen100.de

Ein Großteil der Gerry-Weber-Aktien befindet sich noch immer in Familienbesitz – beziehungsweise im Besitz von Mitbegründer Hardieck.

Fazit: Gerry Weber ist ein waschechtes Familienunternehmen, bei dem das Management massiv Skin in the Game hat, also selbst in erheblichem Maße am Unternehmen beteiligt ist. Gewöhnlich suche ich nach genau dieser Art von Unternehmen – Anzeichen für einen drohenden Niedergang waren im Management daher meiner Meinung nach nicht zu erkennen.

Wir sollten übrigens nicht vergessen, dass Gerry Weber lange Zeit eine der besten Aktien Deutschlands war, wie mein Foolisher Kollege Brian Richards vor ein paar Jahren festgestellt hat.

Die Kennzahlen

Doch irgendwann tauchten erste Risse in der Erfolgsgeschichte von Gerry Weber auf. In der Bilanz waren diese erst mal nicht wirklich zu erkennen – doch spätestens ab dem Jahr 2015/16 hätte man skeptisch werden können – ja, vielleicht sogar müssen.

in Mio. Euro 2013/14 2014/15 2015/16 2016/17
Umsatz   852,1   920,8   900,8   880,9
Operatives Ergebnis   108,9    79,3    13,8    10,3
Zinsaufwendungen     3,5     6,7     6,8     5,7

Quelle: Geschäftsberichte Gerry Weber

Doch der Reihe nach: Im Jahr 2013/14 sah alles bestens aus – Gerry Weber war hochprofitabel, die Zinsbelastung niedrig. Auch ein Jahr später hätte ich mir wohl noch keine allzu großen Sorgen gemacht. Zwar brach der Gewinn im Jahr 2014/15 ein, aber immerhin konnte man beim Umsatz zulegen. Und hey – ein schlechtes Jahr kann dem besten Unternehmen mal passieren!

Doch ein Jahr später – diesmal ging auch der Umsatz leicht zurück, der Gewinn schrumpfte dramatisch zusammen – hätte man dieses Investment hinterfragen müssen. Insbesondere weil inzwischen fast der halbe Gewinn von Zinszahlungen aufgefressen wurde. Ein alarmierendes Signal, das darauf hindeutete, dass mittlerweile auch die Bilanz ziemlich wackelig geworden war.

Das darauf folgende Geschäftsjahr 2016/17 bestätigte das miserable Vorjahr noch einmal – für mich wäre allerspätestens hier Schluss gewesen.

Die Kennzahlen haben also durchaus Warnsignal ausgesendet: Spätestens im Laufe des Jahres 2015/16 hätten Investoren stutzig werden müssen – und den Verkauf ihrer Gerry-Weber-Aktien in Betracht ziehen sollen. Auch wenn sich der Kurs zu diesem Zeitpunkt bereits halbiert hatte.

Wir müssen allerdings auch feststellen: Als die Gerry-Weber-Aktie im Mai 2014 ihren Höchststand bei ungefähr 38 Euro erreichte, waren weder in der Bilanz noch in der Gewinn- und Verlustrechnung Probleme zu erkennen.

Das Geschäftsmodell

Wer sich im Jahr 2014 also die Kennzahlen und das Management von Gerry Weber angeschaut hat, für den standen eigentlich alle Zeichen auf „Kaufen“. Trotzdem war die Gerry-Weber-Aktie damals ein Griff ins Klo.

Aber woran hätte man auch im Jahr 2014 schon erkennen können, dass der Aktie ein Desaster bevorsteht? Ganz einfach: Die Produkte – hauptsächlich Damenmode – verkauften sich nicht mehr so gut wie früher. Und warum war das so?

Na ja, um ehrlich zu sein: Ich habe keine Ahnung – die Modebranche ist nicht unbedingt das Segment, für das ich mich leidenschaftlich interessiere.

Darum zitiere ich an dieser Stelle lieber die FAZ.

Es traf dabei vor allem die mittleren Hersteller und Händler wie eben Gerry Weber. Marken, die stark genug waren, um nicht beim Discounter vertrieben zu werden, die aber zu schwach waren, um große Margen erzielen zu können.

Auf „zeitlose Qualitätsmode“ zu setzen, war nicht zielführend. Denn am Ende möchte heute auch die Mittfünfzigerin modisch angezogen sein. Sie trägt vielleicht keine oder weniger Hotpants, Miniröcke oder Spaghetti-Träger-Tops, doch was sie anzieht, soll modern sein.

Doch was modern ist, ändert sich zu rasch. Mit der Aussicht, das Kleidungsstück in einem Jahr nicht mehr tragen zu können, sinkt die Zahlungsbereitschaft. Letztlich stimmt dann das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht: Der Status ist nicht hoch genug für den Preis, für aktuelle Mode aber zu teuer.

Quelle: faz.net, 26.01.2019

Wer solche Entwicklungen frühzeitig erkennen möchte, der hat eigentlich nur eine Chance: Er muss sich in der jeweiligen Branche ziemlich gut auskennen! Und genau das ist der Knackpunkt – dass, was wir aus der Gerry-Weber-Pleite lernen können:

Kaufe nur, was du wirklich verstehst!

Mein Fazit zum Untergang von Gerry Weber

Wenn du das Geschäftsmodell, die Produkte und die Erfolgsgründe eines Unternehmens nicht verstehst, dann hast du praktisch keine Chance, Fehlentwicklungen – wie wir sie bei Gerry Weber gesehen haben – frühzeitig zu erkennen. Da hilft auch die beste Kennzahlenanalyse oder der Blick aufs Management nicht.

Auch die Bewertung ist in solchen Fällen irrelevant, genau wie die allgemeine Marktentwicklung: Wenn man das Geschäftsmodell nicht versteht, dann sollte man die Finger von einer Aktie lassen!

Für mich wäre die Gerry-Weber-Aktie deshalb auch niemals infrage gekommen – mich interessiert Damenmode nicht die Bohne! In Zukunft werde ich mir diesen Grundsatz verstärkt vor Augen führen.

Denn welch enorme Bedeutung er hat, wurde mir wieder klar, während ich diesen Artikel geschrieben habe.

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Thomas Brantl besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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