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Oje, Linde will viele eigene Aktien zu Mondpreisen zurückkaufen – keine gute Idee

Nachdem nun die letzten Aktionäre der alten Linde herausgedrängt und die abschließenden Auflagen erfüllt werden, kann die neue vergrößerte Linde plc (WKN:648300) in Kürze endlich befreit durchstarten. Die erste große Investitionsmaßnahme verspricht jedoch kaum Aufbruchsstimmung.

Darum geht’s

Praxair (WKN:884364) und Linde sind in den letzten Zügen ihrer Fusion und viele Anleger warten mit Spannung darauf, wie sich das neue Gebilde für die Zukunft positionieren wird. Zunächst wurde jetzt jedoch bekannt, dass das Aktienrückkaufprogramm um 6 Mrd. US-Dollar erhöht werden soll. Wie fast immer in diesen Fällen reagierten die Anleger auch diesmal begeistert auf die Ankündigung. Immerhin erhöht dies die Chancen, dass verkaufswillige Aktionäre in der angepeilten Periode bis Februar 2021 stets einen guten Preis für ihre Anteile von Unternehmensseite bezahlt bekommen.

Genug Geld dafür sollte auch vorhanden sein. Schließlich wurde die Fusion per Aktientausch durchgeführt, sodass kaum Barmittel abgeflossen sind und über den wettbewerbsbehördlich erzwungenen Abverkauf von Unternehmensteilen wurden Milliarden erlöst. Zudem erfreut sich Linde einer soliden Profitabilität und wird sich durch das Programm folglich nicht in bilanzielle Schwierigkeiten manövrieren.

Wo liegt also das Problem?

Was ich mich frage, ist, ob der Gasekonzern mit dieser Aktion Wert für die Aktionäre schafft. Das gelingt nämlich nur, wenn die eigenen Aktien günstig bewertet sind und auf den Eigenkapitalabfluss eine Steigerung des Gewinns je Anteil folgt.

Nun wird Linde allerdings mit astronomischen 78 Mrd. Euro (22.01.) bewertet, was aus meiner Sicht in keinem Verhältnis zum zukünftigen Gewinnpotenzial steht. Schlimmer noch: Weil das komfortable Geldpolster an abtrünnige Aktionäre verteilt wird, entfällt ein wichtiger Erfolgsfaktor der Fusion. Statt die geballte gemeinsame Kraft dafür zu nutzen, beschleunigt neue Geschäftsfelder zu entwickeln, hat sich das Management dieser Möglichkeit beraubt.

Folglich wird es bei aussichtsreichen Themen wie LNG, Wasserstoff und Energiespeicher wohl ähnlich gemächlich wie bisher vorangehen. Große Sprünge bei der geschäftlichen Entwicklung sind so kaum zu erwarten, aber gerade die wären notwendig, um das hohe Kursniveau auch nur annähernd zu rechtfertigen.

Und jetzt?

Das Rückkaufprogramm wirkt auf mich wie eine Kapitulation, noch bevor es richtig losgeht. Die Aktie ist teuer, obwohl der komplizierte Integrationsprozess ähnlich langwierig verlaufen dürfte wie der Fusionsprozess. Wenn ich Aktien von Linde besäße, dann würde ich das Angebot des Rückkaufs dankbar annehmen – solange noch Mondpreise bezahlt werden.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.