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Ein KI-ETF scheiterte kläglich daran, den Markt 2018 zu schlagen und was wir aus seinen Fehlern lernen können

Wie sich zeigt, kann an der Börse selbst die künstliche Intelligenz ins Stolpern geraten.

Der Finanzdienstleister EquBot nutzt IBM Watson, das vielleicht bekannteste System für künstliche Intelligenz (KI) der Welt, um täglich Tausende von Unternehmen zu analysieren und Aktien auszuwählen, die den Markt schlagen können. Die vom KI-System empfohlenen Aktien sind in einem Exchange Traded Fund (ETF), dem AI Powered Equity ETF (WKN:SLA43F) (AIEQ) enthalten.

Ich habe im Januar 2018 über die fünf besten Aktien des  ETF geschrieben. Damals hatte der AIEQ seit der Aufnahme der Tätigkeit des ETF Mitte 2017 den S&P 500 hinter sich gelassen. Wie lief die Auswahl des KI-Systems im Vergleich zum S&P 500 im vergangenen Jahr? Schlecht.

Der S&P 500 fiel um 6 %, verglichen mit dem Verlust des ETF von fast 16 % im Jahr 2018. Daher beschloss ich herauszufinden, warum er sich so schlecht entwickelt hat. Daraus habe ich einige wichtige Lehren gezogen, die alle Investoren interessieren könnten.

Was ich herausgefunden habe

Die von der AIEQ gehaltenen Beteiligungen sind auf der Website des ETF einsehbar. Du kannst jedoch nur die aktuellen Aktien und nicht die historischen Veränderungen sehen. Wie es der Zufall wollte, hatte ich die AIEQ-Aktien jedoch am 16. Januar 2018 und erneut am 15. Mai 2018 heruntergeladen. Ich konnte die Detaillisten mit den Aktien im AIEQ zum 2. Januar 2009 vergleichen.

Im Januar 2018 hielt der ETF 70 Aktien. Im Januar 2019 waren es nur noch 16. Doch es wird noch schlimmer: Zwei Aktien wurden im Laufe des Jahres verkauft und später wieder zurückgekauft.

Interessanterweise blieben von den Top 10 der AIEQ-Aktien vom Januar 2018 bis Januar 2019 nur zwei in den Top 10 des ETF: Alphabet (WKN:A14Y6F) (WKN:A14Y6H) und Amazon (WKN:906866). Amazon war eine besonders gute Aktie, die man halten konnte, da sie im vergangenen Jahr einen Zuwachs von 28 % erzielte. Alphabet beendete 2018 mit einem leichten Rückgang von 1 %, aber das war viel besser als die Performance des S&P 500.

Aber ich stieß auch auf ein kleines Problem. Während Amazon im gesamten Jahr 2018 noch eine der Top-Holdings des AIEQ war (zumindest auf Grundlage meiner Stichproben), besaß der ETF Anfang 2018 fast doppelt so viele Aktien wie Anfang 2019. Das KI-System verkaufte tatsächlich einen großen Teil eines seiner größten Gewinner des Jahres. Seine Position in Alphabet nahm jedoch zu.

Außerdem hat der AIEQ ab Januar 2018 6 seiner 10 größten Beteiligungen vollständig verkauft. Wie sich herausstellte, schnitten zwei dieser sechs Unternehmen besser ab als der S&P 500, und eine dritte Aktie übertraf die Performance des AIEQ für das Jahr.

Große Fehler

Die Investorenlegende Jack Bogle sagte einmal, dass die beiden größten Feinde der Investoren „Kosten und Emotionen“ seien. Ich glaube nicht, dass das KI-System  Emotionen hat, aber es scheint häufiger zu handeln als ein hochemotionaler menschlicher Investor. Häufiges Handeln führt definitiv zu höheren Kosten.

Mein Motley-Fool-Kollege Matt Frankel wurde kürzlich gefragt, was der größte Investitionsfehler sei, der ihm je unterlaufen sei. Matts Antwort war, dass er eine erfolgreiche Investition zu früh verkauft hat. Das ist auch mein größter Fehler. Basierend auf dem, was ich von den dramatischen Veränderungen des AIEQ-Portfolios gesehen habe, erlag das KI-System dem gleichen Fehler.

Ich würde es sogar so ausdrücken: Mein schlimmster Fehler ist, zu früh zu verkaufen, Punkt. Ich werde immer von David und Tom Gardner, den Gründern von The Motley Fool, beeindruckt sein. Beide halten an ihren erfolgreichen Aktien fest, auch wenn sie nicht steigen.

David zum Beispiel besitzt Amazon seit den 90er Jahren. Aber zwischen Dezember 1999 und September 2001 verlor Amazon mehr als 90 % seiner Marktkapitalisierung. David hielt an seinen Aktien fest. Warum? Er kaufte Anteile an einem Unternehmen, von dem er glaubte, es hätte großartige langfristige Perspektiven. Diese Aussichten änderten sich nicht, nur weil der Aktienkurs es tat.

Das System der künstlichen Intelligenz scheint eher in Aktien als in Unternehmen zu investieren und das ist keine langfristige Perspektive. Sonst hätte es definitiv nicht so eine absurd hohe Fluktuation im Portfolio.

Verschiedene Lektionen

Vor ein paar Jahren packte mich die Faszination von der künstlichen Intelligenz und ich entschied mich, mein eigenes KI-System zu bauen. Es war ein künstliches neuronales Netzwerk, das aus Finanzdaten von mehr als 50 Jahren „gelernt“ hat. Ich wollte wissen, was das KI-System dazu sagen würde, ob ich basierend auf den verfügbaren Finanzdaten lieber in Aktien (ich habe den S&P 500 als Proxy verwendet) oder in Bargeld investierten sollte.

Um das klarzustellen: Die Komplexität dieses Systems war nicht annähernd in derselben Liga wie das KI-System, das für den AIEQ verwendet wurde. Aber die Ergebnisse meines Experiments waren faszinierend. Mein KI-System empfahl immer, sich für Aktien zu entscheiden. Das Vertrauen der KI in Aktien stieg weiter an, als der S&P 500 fiel.

Ich nannte das System „Buffett-Bot“. Von Warren Buffett stammen die berühmten Worte, dass Investoren „ängstlich sein sollten, wenn andere gierig sind, und gierig, wenn andere ängstlich sind“. Das ist im Grunde die Strategie, die auch mein KI-System für erfolgversprechend hielt.

Es wird mich nicht überraschen, wenn KI-Systeme schließlich im Jahresvergleich besser abschneiden als der Markt. Aber ich denke, sie werden das nicht erreichen, indem sie häufig kaufen und verkaufen, wie der ETF. Stattdessen vermute ich, dass die KI der Zukunft empfehlen wird, die meiste Zeit, wenn nicht sogar die ganze Zeit, in Aktien zu investieren.

Vermutlich wird diese KI gierig sein, wenn andere ängstlich sind, wie Warren Buffett vorschlägt. Ich denke, dass es Aktien von Unternehmen auswählen wird, die über solide Geschäftsmodelle und große langfristige Wachstumsaussichten verfügen, wie Amazon und Alphabet sie gerade haben.

Im Grunde genommen wird diese erfolgreiche KI nur das tun, was David und Tom Gardner seit Jahren tun.

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John Mackey, CEO von Whole Foods Market, einem Amazon-Tochterunternehmen, ist Mitglied des Vorstands von The Motley Fool. Suzanne Frey, eine Führungskraft bei Alphabet, ist Mitglied des Vorstands von The Motley Fool. Dieser Artikel wurde von Keith Speights auf Englisch verfasst und am 06.01.2019 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

The Motley Fool besitzt Aktien von Alphabet (A-Aktien),  (C-Aktien) und Amazon und empfiehlt diese.