The Motley Fool

Warum die ING-Aktie dieses Jahr um 36 % gefallen ist

Das Jahr 2018 hat an den Aktienmärkten Gewinner und Verlierer hervorgebracht – zu den Verlierern zählt ganz eindeutig die Aktie des niederländischen Finanzkonzerns ING Groep (WKN: A2ANV3): Seit Jahresbeginn hat das Papier satte 36 % verloren (Stand aller Kurs- und Bewertungsangaben: 19. Dezember 2018).

Was ist schuld an dem starken Rückgang, und wie könnte es im nächsten Jahr weitergehen? Werfen wir einen Foolishen Blick auf die Ereignisse.

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36 % Verlust – wieso das?

Bei ING war dieses Jahr der Geldwäscheskandal das alles beherrschende Thema: Dem Unternehmen wurde vorgeworfen, jahrelang seine Prüfungsverpflichtungen vernachlässigt zu haben, sodass Kunden ING-Bankkonten weitgehend ungestört für kriminelle Aktivitäten nutzen konnten. Das damit verbundene Strafverfahren und der mögliche Reputationsschaden haben dazu geführt, dass die Aktie eher gemieden wurde.

Das Verfahren wurde Anfang September mit einer Strafzahlung von 775 Mio. Euro beigelegt. Kein Griff in die Portokasse für ING, aber auch kein Drama, das die Lage der Bank ernsthaft angreifen würde. Positiv werte ich außerdem, dass es eben nur um die einmalige Zahlung eines Betrags und nicht um nachhaltige Eingriffe in die Geschäftspraxis des Hauses geht – bei ING wird man nun zwar wahrscheinlich mehr Geld für Betrugsprävention ausgeben, ansonsten dürfte sich die Angelegenheit für das Unternehmen aber erledigt haben.

Auch einen spürbaren Verlust an Ansehen und Reputation kann ich – zumindest hierzulande – nicht in der Bevölkerung wahrnehmen. Die weiteren Kursverluste seit der Beilegung des Verfahrens würde ich daher auf das allgemein schwache Marktumfeld schieben. Operativ läuft jedenfalls alles rund bei ING, wie wir jetzt sehen werden.

Gute Zahlen zum 3. Quartal

Denn mit seinen Quartalszahlen des dritten Jahresviertels konnte ING voll überzeugen und glauben machen, es habe gar keinen Geldwäscheskandal gegeben: Zwar fiel der Nettogewinn aufgrund der Strafzahlung deutlich niedriger aus als ein Jahr zuvor, alle anderen Kennzahlen zeigten jedoch eindeutig nach oben.

So konnten die Erträge des Konzerns um gut 5 % und das Bruttoergebnis um gut 10 % gegenüber dem Vorjahr gesteigert werden. Der Nettogewinn ist, bereinigt um die Strafzahlung, sogar um 12,7 % angestiegen. ING verzeichnete demzufolge ein gesundes Wachstum bei den Erträgen und konnte seine Profitabilität verbessern. Auch langfristig zeigt bei dem Unternehmen vieles in die richtige Richtung.

Fundamentale Wachstumstreiber

Auch die zukünftigen Wachstumsaussichten sind voll intakt: Schließlich nimmt das wachsende Onlinegeschäft bei vielen Töchtern der ING Groep einen großen Teil ein. Das Unternehmen ist also jetzt schon da, wo die Konkurrenten erst hinkommen müssen. Zudem ist die weitere Expansion in neue Wachstumsmärkte und der dortige Aufbau führender Direktbanken fester Teil der Konzernstrategie.

Weiterhin konzentriert sich ING darauf, für seine Kunden möglichst günstig, einfach verständlich und schnell zu sein – also einfach gute Produkte und Dienstleistungen zu bieten. Diesen beharrlichen Fokus auf die Kundenbedürfnisse kennt man zum Beispiel von Amazon, und auch dort hat diese Strategie sehr gut funktioniert. Daher glaube ich fest daran, dass ING seine Marktanteile steigern können wird.

Und die Aktienbewertung?

Durch die starken Kursverluste ist die Aktie mittlerweile extrem attraktiv geworden: Die Marktkapitalisierung des Konzerns liegt unter dem Buchwert – also unter dem Betrag, der bei einer möglichen Zerschlagung des Konzerns auf die Aktionäre verteilt werden würde. Der Buchwert je Aktie liegt aktuell um 27,5 % über dem aktuellen Börsenkurs.

Auf diese Weise preist der Aktienmarkt normalerweise erwartete Verluste oder große Risiken ein, doch nichts von alledem kann ich bei ING erkennen. Auch das Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2018 (KGV) ist mit einem Wert von 8,3 geradezu sträflich niedrig.

Ich bin daher der Überzeugung, dass es sich bei ING um eine große Value-Chance handelt, die 2019 und auch darüber hinaus sehr gute Renditen generieren könnte.

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Christoph Gössel besitzt Aktien von ING Groep. John Mackey, CEO von Amazon-Tochter Whole Foods Market, sitzt im Vorstand von The Motley Fool. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Amazon.

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