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Bayer – auf dem Weg zum 10-Jahrestief

Foto: Peter Roegner

Bayer ist am Scheideweg und die nächsten Tage und Wochen werden darüber entscheiden, ob die Aktie sich wieder erholen kann oder ob neue Tiefststände erreicht werden. Nachfolgend zwei Punkte, warum die  Bayer-Aktie (WKN: BAY001) derzeit durchaus das Potenzial hat, Herzrasen zu verursachen.

Die Übernahme von Monsanto

Es ist noch nicht so lange her, dass ich hier auf Fool.de über Bayer geschrieben habe und meinen Kommentar zur Übernahme von Monsanto abgab. Ich war zu dem Zeitpunkt sehr vorsichtig mit meiner Einschätzung und meinte, der Erfolg der Übernahme hänge davon ab, wie und ob Bayer das Image von Monsanto in eine positive Richtung drehen könne. Als Musterbeispiel dafür hatte ich vorgeschlagen, von Nestlé (WKN: A0Q4DC) zu lernen, das in der Vergangenheit ähnliche Schwierigkeiten gemeistert habe.

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Leider hat das mit dem Imagewandel bisher nicht besonders gut geklappt. Um genauer zu sein, scheint es mir, als ob Bayer einfach genau da weitermacht, wo Monsanto bereits versagt hatte. Keine PR-Kampagnen, keine Aufklärungsversuche, so gut wie kein Informationsfluss aus der Konzernzentrale.

Auf der Website von Bayer findet man schnell den Bereich für Investoren und Anlegerinformation. Ich habe mich da ein wenig durchgeklickt, um zu schauen, was es für News zur Übernahme von Monsanto gibt bzw. gab. Auch da wurde ich enttäuscht. Seit dem Artikel vom 5. September 2018, in dem die Übernahme ausgiebig und positiv dokumentiert wurde, gibt es nicht einen Bericht zum Stand der Dinge.

Natürlich verstehe ich, dass man das Wort „Monsanto“ nicht mehr in den Mund nehmen möchte. Der erste Prozess rund um das Pflanzenschutzmittel Glyphosat wurde verloren und mit rund 250 Mio. Euro fiel der Richterspruch auch recht scharf aus. Wenn man dann noch bedenkt, dass rund 5.200 weitere Prozesse mit dranhängen könnten, ist das natürlich nichts, was man vor Investoren breittreten möchte.

Das Problem ist nur: Das braucht man auch nicht, denn der Schaden ist längst angerichtet. Vom Allzeithoch ist Bayer nun über 70 Mrd. Euro entfernt. Allein in der kurzen Zeit seit dem Urteil hat Bayer zudem über 10 Mrd. Euro an Börsenwert eingebüßt. Kann es da für die Aktie noch schlimmer kommen oder sind die Risiken jetzt eingepreist?

Die Charttechnik

Ich beschäftige mich selten mit Charttechnik, Zahlen sprechen mich normalerweise mehr an. Aber in solchen Fällen ist eine visuelle Verdeutlichung oft nützlich. Schauen wir uns also Bayer einmal im Chart an:

Bayers (ETR:BAYN) Kursentwicklung seit 2003, Grafik von Yahoo!Finance

Die „D“ markieren jeweils das Datum, als die Dividende gezahlt wurde. Lass dich davon nicht verwirren, ich komme auf die Dividende noch mal zu sprechen. Die lange Linie in Purpur habe ich eingefügt, um den langfristigen Aufwärtstrend der Aktie zu markieren.

Seit 2003 bewegt sich das Papier konstant aufwärts und hat viele Anleger sicherlich sehr glücklich gemacht. Von 10,17 Euro am 9. März 2003 auf über 143 Euro im April 2015. Eine Traumrendite!

Nur geht es seitdem stetig abwärts, und wie du an ebendieser kritischen Linie erkennen kannst, ist Bayer jetzt genau an dem Punkt angekommen, an dem dieser positive Trend nach unten durchzubrechen droht. Sollte das passieren, würde dies ein sehr starkes negatives Signal an den Markt senden und der Abwärtstrend könnte sich konsequent weiter fortsetzen. Dann wären in absehbarer Zeit wieder Kurse von 2009 oder 2011 realistisch.

Die Antwort auf die zuvor gestellte hypothetische Frage ist also positiv: Ja, es kann durchaus noch schlimmer kommen.

Was jetzt zu tun ist

Positiv zu beurteilen ist bei Bayer die Dividende. Laut Unternehmensseite zahlt Bayer eine Dividende seit 1952 und es gibt wenig Gründe, zu befürchten, dass sich an der Fortsetzung der Zahlungen etwas ändern wird. Auch hat sich die Dividende allein innerhalb der letzten zehn Jahre insgesamt verdoppelt. Sie ist von 1,40 Euro für das Geschäftsjahr 2008 auf nun 2,80 Euro für das Geschäftsjahr 2017 angestiegen. Wenn diese unverändert bleibt, dann wären wir bei den aktuellen Kursen (14.12.) bei einer Rendite von über 4,4 %. Jeder weitere Kursrückgang wird die Rendite nur weiter erhöhen. Durchaus interessant.

Natürlich stellen die Prozesse ein großes finanzielles Risiko dar. So wie ich das sehe, werden diese zunächst am Gewinn des Unternehmens wenig ändern. Bis die Prozesswelle anrollt und es dann tatsächlich zu Zahlungen kommt, könnten noch Jahre vergehen. Genug Zeit, um Kapital zu sammeln und sich gegen die damit verbundenen Risiken abzusichern. Sollten Marktteilnehmer zudem zur Überzeugung gelangen, dass die Risiken im Kurs nun eingepreist sind, dann könnte sich durchaus eine Kursstabilisierung ergeben.

Die Entscheidung, was zu tun wäre, hängt nun davon ab, wie du die weitere Entwicklung des Unternehmens und die damit verbundenen Risiken einschätzt.

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Jakub Piwowarski besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool empfiehlt Nestle.

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