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ABB, GE oder Siemens? Bei welcher Aktie es jetzt Top-Industrietechnik zum Schnäppchenpreis gibt

Das heiße Thema „Industrie 4.0“ nimmt Fahrt auf und wirft seine Schatten voraus: ABB (WKN:919730), General Electric (WKN:851144) und Siemens (WKN:723610) bringen sich jeweils auf ihre Weise in Stellung. Zu den Anlegern will der Funke jedoch nicht richtig überspringen, denn die Aktien wirken alle billig. 2019 werden die Karten neu gemischt und hier erfährst du, warum ich denke, dass ABB die besten Trümpfe hat.

Die letzten Entwicklungen sind tiefgreifend

ABB
Nun also doch: Das Stromnetzgeschäft wandert zu Hitachi (WKN:853219). Lange hatte sich der Chef Ulrich Spiesshofer gegen einen solchen Deal gewehrt, weil es ihm eigentlich wichtig war, aus einer Hand die Technik liefern zu können, um Elektrizität vom Kraftwerk bis zur Steckdose zu leiten. Aber letztlich hatte sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass das Stromnetzgeschäft doch eher ein Bremsklotz ist.

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Im Zuge der weiteren Profilschärfung soll auch die gesamte Organisationsstruktur vereinfacht werden. Überlappende Verantwortlichkeiten von Regional- und Segmentchefs werden wegfallen.

General Electric
Auch GE strebt nach Vereinfachung, nachdem der einstige Gigant im Zuge der Finanzkrise ins Straucheln gekommen ist. Zahlreiche Finanz-, Medien- und Konsumgütergeschäfte wurden verkauft und auch das Industrieportfolio wird straffer aufgestellt.

Deren früheres Segment „Industrial Solutions“ ist mittlerweile bei ABB integriert und weitere Töchter sollen abgestoßen werden, darunter etwa „GE Power Conversion“, die unter anderem große Industriemotoren und Generatoren herstellt und damit in Konkurrenz zu entsprechenden Geschäftsbereichen von ABB und Siemens steht.

Andererseits halten die Amerikaner im Gegensatz zu ABB am Stromnetzgeschäft fest. Es wird zunehmend schwieriger, GE überhaupt noch als Wettbewerber von ABB zu erkennen. Im Übrigen ging ein Teil der Industrie-4.0-Initiative von GE namens „Intelligent Platforms“ kürzlich an Emerson Electric (WKN:850981), das US-Pendant zu ABB.

Immerhin verkündete GE vor wenigen Tagen, dass eine eigenständige Tochter rund um die verbleibenden Industrie-4.0-Softwarelösungen gegründet werden soll. Die Cloudplattform GE Predix ist beispielsweise neben ABB Ability einer der schärfsten Konkurrenten von Siemens Mindsphere. Ansonsten verlagert sich GEs Rivalität mit Siemens, abgesehen vom schwächelnden Kraftwerksgeschäft, zunehmend auf Windturbinen und Medizintechnik.

Siemens
Das dortige Management ist weiterhin mit der Zugallianz mit Alstom (WKN:A0F7BK) beschäftigt. Noch müssen sich die beiden aber mit den Aufsichtsbehörden herumstreiten, denen die kombinierte Marktmacht zu groß erscheint. Anfang Dezember hat das Management neue Zugeständnisse gemacht, um die Bedenken auszuräumen. Innerhalb der nächsten Monate werden wir erfahren, ob die Fusion durchgezogen werden kann oder Alternativen wie ein Börsengang ins Spiel kommen.

Davon abgesehen gibt Siemens weiterhin alles, um die Marktführerschaft im Bereich der Industriesoftware zu behaupten. Ständig werden kleinere Zukäufe getätigt, um das Leistungsspektrum der Digitalsparte rund um Mentor Graphics zu erweitern. In diesem Monat war es Comsa aus München, die mit ihrer Software das Design der elektrischen Systeme und Bordnetze in Fahrzeugen unterstützt.

Langfristig entscheidet der Erfolg der Digitalstrategie

Zuletzt wurde immer deutlicher, dass der langfristige Erfolg dieser Konglomerate stark von der Umsetzung ihrer jeweiligen Digitalstrategie abhängt. Die Ansätze bei GE, ABB und Siemens unterscheiden sich dabei erheblich.

GE scheint etwas richtungslos zu taumeln und der neue Chef Larry Culp wird noch eine Menge zu tun haben, um dem sich ständig verändernden Gebilde wieder eine klare Struktur zu geben (wenn GE diese jemals hatte). Eine eigenständige Digitaleinheit für Industrie 4.0 zu schaffen war sicherlich ein mutiger Schritt, aber irgendwie hängt diese auch ein bisschen in der Luft, wenn die Anzahl der Dinge, die GE herstellt, immer geringer wird. Kernspintomografen, Windräder und Düsentriebwerke gibt es eben nicht sonderlich viele.

Ganz anders sieht es bei ABB aus, die stolz darauf verweist, über die weltgrößte installierte Basis an vernetzter Industrieausrüstung zu verfügen. Außerdem werden dort Hard- und Softwarebausteine eng aufeinander abgestimmt und zu Gesamtlösungen zusammengepackt.

Bei Siemens geht die Vision noch darüber hinaus. Mich beeindruckt der ganzheitliche Ansatz, der cloudgestützt die Welten der Ingenieure, Betriebswirte und Techniker zusammenbringt sowie ein großes offenes Partnernetzwerk anstrebt.

Was ich daraus mache

Obwohl GE sicherlich über einige starke Softwareprodukte verfügt, sehe ich dort noch viel zu viele bewegliche Ziele. Ein viel runderes Bild gibt die strategisch gut aufgestellte ABB ab, wo der Kunde klar auf die Bedürfnisse seiner Anwendung abgestimmte Lösungen bekommt.

Auch bei Siemens ist die Strategie insgesamt stimmig. Dort kann man den Willen, etwas wirklich Großes zu schaffen, regelrecht spüren. Trotzdem gehen die Münchener mit ihrem ambitionierten Digitalvorhaben ein gewisses Risiko ein. Die vielen kleinen Übernahmen und Initiativen wollen gut koordiniert sein, wenn hinterher alles mit allem funktionieren soll.

Wirklich Sorgen machen muss man sich derzeit jedoch um die Verfassung von GE. Trotzdem könnte die Aktie am attraktivsten sein, wenn der Börsenkurs stimmt. Immerhin hat der einstige Primus innerhalb von zwei Jahren fast 80 % Marktkapitalisierung verloren und ist jetzt nur noch etwa 55 Mrd. Euro wert. Die ABB-Aktie ist im gleichen Zeitraum seitwärts verlaufen und bringt heute 37 Mrd. Euro auf die Waage. Bei Siemens ist bei aktuell 85 Mrd. Euro eine leichte Abwärtstendenz zu erkennen (Stand 17.12.).

Ich könnte mir vorstellen, dass die nun schon fast übertrieben verprügelte GE-Aktie kurzfristig am besten performt. Langfristig sollte Siemens die Nase vorn haben, wenn es mit dem Ausrollen der überaus ambitionierten Digitalstrategie so klappt wie geplant. Die aktuell solideste Aktie unter den dreien ist für mich jedoch dank der klaren Positionierung ABB.

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Ralf Anders partizipiert über ein von ihm betreutes Indexzertifikat an der Aktienentwicklung von Siemens. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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