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Sollte Facebook so viel Geld für Rückkäufe ausgeben?

Facebook (WKN:A1JWVX) hat kürzlich eine Erhöhung seines Aktienrückkaufplans um 9 Mrd. US-Dollar bekannt gegeben, der ursprünglich 2017 für Rückkäufe in Höhe von 15 Mrd. US-Dollar genehmigt wurde. Das Unternehmen hat in den letzten 12 Monaten bereits 10,3 Mrd. US-Dollar — oder 59 % seines freien Cashflows — für Aktienrückkäufe ausgegeben. Das entspricht etwa 3 % der aktuellen Marktkapitalisierung.

Während dieses Zeitraums sank der Wert der Aktie um mehr als 20 %, was auf die anhaltenden Bedenken über das langsamere Wachstum, Datenschutz- und Sicherheitsprobleme und Managementprobleme zurückzuführen ist. Rückgänge in den breiteren Märkten, die durch Handelsstaus, steigende Zinsen und andere Probleme verursacht wurden, verschärften die Lage.

Waren die Rückkäufe gerechtfertigt, oder hätte Facebook diese Mittel zur Ausweitung seines Geschäfts einsetzen sollen?

Warum Facebook Aktien zurückkauft

Ein Unternehmen kauft seine Aktien in der Regel aus einem oder mehreren von drei Gründen zurück: die Aktien werden im Verhältnis zum Wachstumspotenzial unterbewertet, das Unternehmen sieht keine andere zwingende Verwendung für seine Barmittel oder es will die Verwässerung durch die aktienbasierte Vergütung kompensieren. Alle drei Gründe treffen bis zu einem gewissen Grad für Facebook zu.

Erstens wird Facebook derzeit nur mit dem 18-fachen des erwarteten Gewinns gehandelt, der sich in der Nähe eines historischen Tiefpunkts befindet. Die Analysten erwarten, dass die Erträge im nächsten Jahr nur um 2 % steigen werden, da sich das Wachstum in den profitableren Märkten verlangsamt und Facebook die Ausgaben für bessere Sicherheitsmaßnahmen und die Erweiterung des Ökosystems erhöht.

Doch in den nächsten fünf Jahren erwarten die Analysten einen Anstieg der Einnahmen um durchschnittlich 18 % pro Jahr. Damit ergibt sich ein fünfjähriger PEG-Wert von 1,1, wobei “unterbewertete” Aktien in der Regel einen PEG-Wert von unter 1 haben, weshalb die Aktie historisch günstig ist, aber technisch gesehen noch nicht als “Value”-Aktie angesehen werden kann.

Zweitens hat Facebook sein Ökosystem bereits durch große Übernahmen bedeutend erweitert — darunter die Übernahme von Instagram für 1 Mrd. US-Dollar, die Übernahme von WhatsApp für 19 Mrd. US-Dollar und der Kauf von Oculus VR für 2 Mrd. US-Dollar. Der 10-Jahres-Plan konzentriert sich hauptsächlich auf die Erweiterung dieser Plattformen — mit der Messenger-Plattform, Watch, Workplace und Marketplace — um mehr Nutzer zu binden.

Facebook könnte versuchen, andere Social-Media-Unternehmen zu kaufen, aber die zwei offensichtlichen — Twitter (WKN:A1W6XZ) und Snap (WKN:A2DLMS) — bemühen sich beide darum, ihre Nutzerbasis zu erweitern. Das würde der Strategie widersprechen, wachstumsstarke Unternehmen vor dem Börsengang zu kaufen.

Snaps Wert in Höhe von 7 Mrd. US-Dollar macht es zu einem wahrscheinlicheren Übernahmeziel als Twitter, das einen Unternehmenswert von 20 Mrd. US-Dollar aufweist. Doch Facebook schnappt Snap bereits die Nutzer mit Instagram weg — es wäre also ein redundanter Kauf. Daher ist es klüger, Aktien zurückzukaufen, anstatt Millliarden für schwer zu monetarisierende Plattformen (wie Oculus) auszugeben.

Nicht zuletzt dürften einige der Rückkäufe darauf abzielen, die Aufwendungen für aktienbasierte Vergütungen auszugleichen, die in den ersten neun Monaten des Jahres 2018 8 % der Einnahmen ausmachten. Diese Boni steigerten die ausstehende Aktienzahl kontinuierlich bis 2017, als die erste Runde der Rückkäufe begann:

FB durchschnittliche verwässerte Aktien im Umlauf (vierteljährlich), Daten von YCharts.

Das bedeutet nicht, dass Facebook die Aktien nur deswegen zurückkauft. Andere Social-Media-Unternehmen geben wesentlich mehr Geld dafür aus als Facebook – Twitters und Snaps SBC-Kosten (stock-based compensation) machten in den letzten Quartalen 12 % bzw. 43 % der Einnahmen aus. Stattdessen sollten Aktienprämien — zusammen mit der niedrigen Bewertung und einem Mangel an überzeugenden Investitionsmöglichkeiten — einfach als ein weiterer Grund für die Rückkaufstrategie angesehen werden.

Beachte jedoch die Insider-Verkäufe …

Aktienrückkäufe können als bullisches Zeichen angesehen werden, wenn auch die Insider eines Unternehmens Aktien kaufen. In den letzten 12 Monaten verkauften die Insider in 293 Transaktionen 55,7 Mio. Aktien über den freien Markt, kauften aber nur 50,1 Mio. Aktien in 198 Transaktionen.

Dieses Verhältnis begünstigt die Verkäufer leicht, die Investoren sollten aber beachten, dass einige dieser Verkäufe automatisiert wurden. Wenn sich der Insiderkauf beschleunigt, da das Unternehmen mehr Aktien zurückkauft, könnte das darauf hindeuten, dass die angeschlagene Aktie die Talsohle erreicht hat.

Das Fazit

Facebooks Rückkäufe ergeben Sinn — sie werden die Bewertungen verbessern und den Investoren mehr Vertrauen in die langfristigen Perspektiven geben. Rückkäufe sind sicherlich keine Wunderwaffe, aber es deutet darauf hin, dass es sinnvoller sein könnte, Facebook zu kaufen, als es auf diesen Niveaus zu verkaufen.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Facebook und Twitter.

Dieser Artikel wurde von Leo Sun auf Englisch verfasst und am 10.12.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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