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Der Fall eines Blue Chips: General Electric und sein furchtbares Jahr 2018

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Es sollte nicht sein.

Ende 2017 ging es tatsächlich – zumindest ein wenig – nach oben für den umtriebigen Industriekonzern General Electric (WKN:851144). Der ehemalige CEO Jeff Immelt, den viele Anleger für die schlechte Performance der GE-Aktie verantwortlich machten und verachteten, wurde schließlich durch den ehemaligen Präsidenten und CEO der Sparte Gesundheit, John Flannery, ersetzt. Eine lang erwartete (und, offen gesagt, notwendige) Dividendenkürzung von 50 % war abgehakt. Der steile Kursrutsch der Aktie hatte sich etwas verlangsamt, so dass die GE-Aktien mit einem KGV von unter 20 gehandelt wurden, wobei einige Analysten davon ausgingen, dass die Aktie überverkauft sein könnte .

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Aber diese Hoffnung war nur von kurzer Dauer. Zwei Wochen nach dem Jahreswechsel kündigte Flannery eine zuvor unvorhergesehene Versicherungszahlung in Höhe von 6,2 Milliarden US-Dollar an, und damit begann der Wirbelsturm der Schrecken, der das Jahr 2018 für GE war. Es folgt ein Überblick der Ereignisse bisher (es wäre noch Zeit für weitere schlechte Nachrichten bis Jahresende), der Strategien von GE, um die Dinge umzukehren, und der Bedeutung dieser Lage für Investoren.

Mit dem falschen Fuß aufgestanden

Die Probleme begannen natürlich nicht erst 2018. Einige davon lassen sich bis ins Jahr 2008 zurückverfolgen, als die Finanzkrise GE Capital dezimierte, die Finanzdienstleistungs- und Verbraucherkreditabteilung von GE. Dann, im Jahr 2014, traf der Ölpreisverfall die Öl- und Gassparte hart. Im Jahr 2017, als der Ölpreis endlich wieder stieg, veranlasste die Schwäche in den Endmärkten für Gasturbinen – dem Hauptprodukt von GE Power – das Unternehmen dazu, den Ausblick zu senken und seine Dividende zu kürzen.

Dann begann 2018. Es war von Anfang an klar, dass weitere Probleme ins Haus standen. Die im Januar angekündigte Belastung von 6,2 Milliarden US-Dollar ist auf einige der bestehenden Rückversicherungsverbindlichkeiten von GE Capital zurückzuführen. Leider war es damit nicht vorbei: GE Capital wird in den nächsten sieben Jahren 15 Milliarden US-Dollar zur Finanzierung dieser Verbindlichkeiten bereitstellen müssen, was die Fähigkeit der Sparte effektiv beendet, die Dividendenzahlungen an die Aktionäre zu finanzieren.

Dann kam die Ankündigung, das Unternehmen werde von der SEC wegen der Versicherungskosten und seiner Prozesse zur Umsatzrealisierung geprüft und würde zwei Jahre Finanzergebnisse erneut ausweisen müssen. GE kündigte außerdem einen niedrigeren Umsatz und einen Nettoverlust für das vierte Quartal 2017 an. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht einmal Februar.

Vom Regen in die Traufe

Im weiteren Verlauf des Jahres vermehrten sich die Bedenken hinsichtlich der massiven Schuldenlast des Unternehmens, die derzeit bei etwa 134,6 Milliarden US-Dollar liegt. Dies entspricht mehr als dem Doppelten der derzeitigen Marktkapitalisierung. Die Schwäche von GE Power belastete das Ergebnis im ersten und zweiten Quartal weiterhin, und die Aktie gab weiter nach.

Die GE-Aktien verloren bis Mitte Februar 10 % und bis Ende März 20 %. Der Aktienkurs war so weit gefallen, dass die Aktie von General Electric nicht mehr wesentlich zum Dow Jones Industrial Average beitrug. Der Index brachte das Fass zum Überlaufen, indem er GE am 26. Juni hinauswarf und durch die Walgreens Boots Alliance ersetzte.

Derzeit wird die GE-Aktie bei etwa 7,30 US-Dollar gehandelt, was einem Rückgang von mehr als 58 % im Jahresverlauf entspricht. Das ist die schlechteste Jahresperformance seit mehr als einem halben Jahrhundert.

Die Versuche, das Schiff wieder auf Kurs zu bringen

Natürlich hat das Management diesem Strudel schlechter Nachrichten nicht nur tatenlos zugesehen. Im April initiierte GE eine Umstrukturierung des Vorstands und verkleinerte diesen von 18 auf 12 Mitglieder. Drei von diesen 12 waren neu im Unternehmen: der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Danaher, Larry Culp, der ehemalige CEO von American Airlines, Thomas Horton, und der ehemalige Vorsitzende des Financial Accounting Standards Board, Leslie Seidman. Letzterer sollte die Aufsicht über die schwierigen Finanzzahlen übernehmen.

Dieser Schritt stieß eine Reihe von Mitgliedern vor den Kopf, welche die Wahl von Flannery zum CEO unterstützt hatten, und ebnete vielleicht den Weg für den Vorstand, ihn nur sechs Monate später wieder zu entfernen. Aber solange er noch am Ruder war, unternahm Flannery einige große Schritte, um das Schiff wieder auf Kurs zu bringen. Vor allem verfolgte er seinen Plan – 2017 angekündigt -, 20 Milliarden US-Dollar an Vermögenswerten zu verkaufen, was helfen würde, die schuldengeplagte Bilanz zu bereinigen.

Dazu gehörten die Ankündigung vom Mai, dass GE sein Transportgeschäft mit Westinghouse Air Brake Technologies (Wabtec) in einem Deal über 11,1 Milliarden US-Dollar zusammenlegen würde, sowie die folgende Ankündigungen vom Juni, den Verkauf der 62,5%igen Beteiligung an Baker Hughes und die Abspaltung der Gesundheitssparte – zusammen mit einem gesunden Anteil an GE’s Schulden – in ein separates Unternehmen vorzunehmen. Flannery verpflichtete sich auch, die Dividende erst nach Abschluss der Abspaltung von GE Healthcare wieder zu kürzen.

Vielleicht war es dieses Versprechen, das den Vorstand dazu brachte, sich von ihm zu trennen, vielleicht hofften die Manager aber auch nur auf schnellere Fortschritte bei der Erreichung dieser Ziele. Jedenfalls verkündete der Vorstand im Oktober abrupt, dass er einstimmig beschlossen hatte, Flannery nach etwas mehr als einem Jahr im Amt zu ersetzen. Culp, der im April in den Vorstand eingetreten war, wurde zum CEO ernannt. Zu seinen ersten Entscheidungen gehörte die Senkung der vierteljährlichen Dividende pro Aktie von 0,12 US-Dollar auf nur einen Cent – ein weiterer Schlag für die Investoren.

Laut Culp ist der Trendwende-Plan von Flannery noch in Kraft. Seitdem er jedoch in die Chefetage aufgestiegen ist, hält sich Culp über alle weiteren Pläne bedeckt, die er möglicherweise hat. Neben der Dividendenkürzung hat er keine unmittelbaren Schritte unternommen, um eine Aufteilung der Energiesparte in zwei separate Sparten vorzunehmen. Natürlich ist er erst seit weniger als drei Monaten CEO, während der Kursverlust der GE-Aktie seit fast zwei Jahren andauert.

Das süße Jenseits

Seit dieser Zeit im vergangenen Jahr hat sich bei GE viel verändert, aber die zugrunde liegenden Probleme sind nicht gelöst. Das Unternehmen besteht nach wie vor aus einem sehr starken Luftfahrt- und einem starken Gesundheitsbereich, der an mehrere schwache, kleine, margenschwache und/oder angeschlagene Unternehmen, eine komplexe Unternehmensstruktur und einen Schuldenberg gebunden ist.

Wie viel Zeit das Unternehmen im Jahr 2018 gebraucht hat, um über seinen Kurs zu entscheiden, ist ein Hinweis darauf, wie schwierig seine Situation ist. Selbst nach dem Rückschlag, den die Aktie in diesem Jahr erlitten hat, ist nicht klar, ob GE die Talsohle bereits erreicht hat.

Flannerys Plan besteht im Wesentlichen darin, das Unternehmen aufzuspalten – Luftfahrt und Energie als die einzigen verbleibenden Industrieunternehmen zu belassen – könnte die beste Option sein. Vielleicht hat Culp noch andere Ideen, doch bisher hat er nichts davon verlauten lassen. Stattdessen hat er mehrmals die Karte „Ich bin nur der Neue“ gespielt, auch während der letzten Telefonkonferenz.

Eines ist sicher: Es wird viel Zeit brauchen, die Probleme des Unternehmens zu lösen und es wieder auf den Weg zu nachhaltigem Wachstum zu bringen (falls das jemals passiert). GE-Investoren sollten 2019 auf einen steinigen Weg vorbereitet sein … und darüber hinaus.

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Dieser Artikel wurde von John Bromels auf Englisch verfasst und am 10.12.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

The Motley Fool besitzt Aktien von Westinghouse Air Brake Technologies.

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