The Motley Fool

Was Oliver Welke über Aktien sagt, ist nicht lustig, sondern dumm

Ich finde Oliver Welke spitze, seine „heute-show“ ist freitags Pflichtprogramm. Aber eine Sache ist mir sauer aufgestoßen: für das Aktiensparen zu werben ist aus seiner Sicht verwerflich. Wer ein wahrer Fool ist, der kann das nicht auf sich sitzen lassen.

Im Wortlaut

Es ging in der Sendung vom 7. Dezember ganz schön viel um Aktien. Bayer (WKN:BAY001) wurde wegen der nicht endenden Glyphosat-Problematik durch den Kakao gezogen und Vonovia (WKN:A1ML7J) bekam ihr Fett weg wegen der Mietsteigerungen. Das war gar nicht mal so lustig, aber dort kann man schon mal den Finger in die Wunde legen, um satirisch zum Nachdenken anzuregen. Dann kam jedoch die Rede auf den CDU-Parteitag und den zur Wahl gestandenen Friedrich Merz. Dessen Engagement beim ETF-Giganten BlackRock (WKN:928193) hatte er schon mehrfach naserümpfend kommentiert.

„Der Liebling der deutschen Wirtschaft“ habe „auf eine Art“ „heute vielleicht tierisch Glück gehabt: Er kann jetzt in all den Aufsichtsräten bleiben.“ Haha, ok, geschenkt. Ich bin auch kein großer Freund von BlackRock und Friedrich Merz ist mir letztlich ziemlich egal. Worum es mir geht, ist, was anschließend kam:

Oliver Welke: „Es war doch nicht so ‘ne tolle Idee von ihm, kurz vor der Wahl nochmal für Altersvorsorge durch Aktien zu trommeln. Und das als Aufsichtsrat von Blackrock. Hat der bodenständige Multimillionär aus dem Sauerland etwa das Gefühl für den kleinen Mann verloren?“

Dann kam der passende Einspieler mit Merz, der Folgendes sagte: „Es kommt darauf an, dass man in jungen Jahren anfängt, mit kleinen Beiträgen – und das können schon 4 oder 5 Euro am Tag sein.“

Großes Gelächter im Publikum.

Welke kommentiert auf seine unnachahmliche Art: „Ja, was denn? 5 Euro, wo ist das Problem? Wie lange muss Friedrich Merz für 5 Euro arbeiten? 10 Sekunden? … Kleiner Haken: Über die Hälfte der Deutschen kann sich auch 4 oder 5 Euro am Tag nicht leisten, aber danke für den Anlagetipp!“

Was daran dumm war

Ehrlich gesagt, fand ich es sehr irritierend, wie übertrieben höhnisch einige der Zuschauer lachten. 4 Euro, das sind 120 Euro im Monat. Natürlich gibt es Leute, die Schwierigkeiten haben, über die Runden zu kommen, weil sie mit Sonderbelastungen zu kämpfen haben oder aus den unterschiedlichsten Gründen keinen halbwegs fair bezahlten Beruf ausüben können. Bei diesen Menschen – die sicherlich nicht die Hälfte der deutschen Bevölkerung ausmachen – sind Vorsorgetipps natürlich nicht angebracht. In der Situation hat man andere Probleme.

Aber hat Merz sich an sie gerichtet? Natürlich nicht. Er hat sich primär an junge Menschen gerichtet, die ein Studium oder eine Berufsausbildung hinter sich gebracht haben und ganz normal am Anfang ihrer beruflichen Karriere stehen. Laut Absolventa liegt das durchschnittliche Einstiegsgehalt von Hochschulabsolventen in Deutschland bei 43.000 Euro. Leute in handwerklich-technischen Berufen, Bankangestellte oder auch Beamte verdienen im gleichen Alter häufig kaum weniger.

Da kann mir niemand sagen, dass es ein Kunststück wäre, 120 Euro pro Monat auf die Seite zu legen. Und das behaupte ich nicht nur, sondern weiß es aus eigener Erfahrung – in Wirklichkeit ging über Jahre hinweg sogar noch wesentlich mehr. Ich bekam in den ersten Berufsjahren ein gutes Stück weniger als den vorgenannten Durchschnitt, meine Partnerin studierte noch und für die Miete fielen warm 700 Euro an. Trotzdem gelang es uns, jeden Monat mindestens 500 Euro zur Seite zu legen.

Da erscheint mir eher der feine Herr Welke abgehoben, der zwar immer Herz für Menschen am Rande der Gesellschaft zeigt, aber andererseits wohl nicht mehr weiß, wie ein bewusst eingeschränktes Leben aussehen kann.

Ohne Schweiß kein Preis

Jedenfalls hatten wir durch unsere Sparanstrengungen nach einigen Jahren genug zusammen, um in eine Immobilie investieren zu können und seither mietfrei zu leben. Das war nicht immer einfach – kein Auto, kein Partyprogramm, keine Shoppingtouren und Lebensmittel stets aus der unteren Preiskategorie. Aber es geht, wenn man es darauf anlegt. Kreativ selber kochen macht Spaß, die Natur in der Umgebung kann man umsonst erkunden und Freunde zuhause zu treffen ist mindestens so schön, wie auszugehen.

Oliver Welke hat also aus meiner Sicht eine Menge durcheinandergebracht. Von mir aus kann man dem Merz einen Interessenkonflikt vorwerfen und die Macht von Blackrock hinterfragen. Aber das ändert nichts an der grundsätzlichen Richtigkeit seiner Aussage. Das leidige Thema Altersarmut wäre viel kleiner, wenn mehr Deutsche konsequent und langfristig an der Börse investieren (nicht zocken!) würden. Mit 120 Euro im Monat wird man zwar nicht zum Millionär, aber man kann erstaunlich nah dran kommen:

Bei einer Verzinsung von 2 % wird man nach 35 Jahren durchgehendem Sparen auf gut 70.000 Euro kommen. Bei für ETF-Anleger typischen 7 % wären es schon fast 200.000 Euro und wenn man ein paar gute Einzelwerte im Depot hält und 12 % erwirtschaftet, dann kann man sich bei Rentenantritt über mehr als 600.000 Euro freuen.

Jetzt könnte man natürlich satirisch-sarkastisch sagen, dass das mit den Gewinnen an der Börse wohl aktuell nicht die beste Idee sei. Das stimmt natürlich, wenn man auf die vielen desaströsen Kursverläufe der letzten Monate blickt. Aber wenn wir den Blick nach vorne richten, dann ist wahrscheinlich genau jetzt der beste Zeitpunkt, um günstige Aktien von starken Unternehmen einzusammeln und langfristig wachsen zu lassen.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.