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Der allererste Marihuana ETF hat in weniger als 6 Wochen ein Drittel seines Wertes verloren

Die Marihuana-Industrie war in diesem Jahr wirklich etwas Besonderes. Zum einen war Kanada das erste Industrieland der Welt, das am 17. Oktober Cannabis für Freizeitzwecke legalisierte. Wenn die Branche erst voll hochgefahren ist, glaubt die Wall Street, dass sie jährlich mehr als 5 Milliarden Dollar an zusätzlichen Umsätzen generieren könnte.

Abgesehen von Kanada haben sich zwei neue Staaten — Missouri und Utah — entschlossen, medizinisches Cannabis zu legalisieren. Unterdessen stimmten die Bewohner von Michigan für Pot und wurden damit der zehnte US-Bundesstaat, der Cannabis legalisiert hat. Wir haben auch viele der größten Marihuana-Deals in der Geschichte der Branche im Jahr 2018 gesehen, sowie die erste Zulassung eines Cannabis-basierten Medikaments in den Vereinigten Staaten. Wie gesagt, es war ein besonderes Jahr.

Ein beliebter Cannabis-ETF stürzt ab

Doch selbst der strahlende Leuchtturm der Industrie, der Horizons Marijuana Life Sciences Index ETF (WKN:A2DTQB), kam in letzter Zeit unter die Räder. Der  ETF, der derzeit 49 verschiedene Pot-Aktien besitzt, darunter Züchter und Zulieferer, hat in weniger als sechs Wochen ein Drittel seines Wertes verloren.

Allerdings können sich die langfristigen Anleger auch nicht wirklich beschweren. Die Aktien des ETF sind seit der Auflegung in Kanada um 80 % gestiegen und 66 % seit der Notierung an der Freiverkehrsbörse in den Vereinigten Staaten. Aber die Anteile sind bis heute um 27 % zurückgegangen (in den USA) und haben gesehen, wie ein Drittel der Investition in etwas mehr als einem Monat vernichtet wurde. Diese Ergebnisse sind besonders enttäuschend, da der Rückgang fast vollständig mit der Legalisierung in Kanada zusammenhängt.

Was zum Teufel ist plötzlich passiert mit den Aktien und dem ETF? Wenn du jemanden beschuldigen willst, wende dich an das Managementteam von Horizon und die unrealistischen Erwartungen der Investoren.

Unglückliches Timing

Eine der merkwürdigsten Besonderheiten des Horizons Marijuana Life Sciences ETF ist, dass trotz Tilrays (WKN:A2JQSC) Debüt Ende Juli und seinem sprunghaften Anstieg auf einen Höchstwert von 28 Mrd. US-Dollar innerhalb eines Tages die Aktie nie vom ETF akquiriert wurde. Das änderte sich am 21. September. Die Hinzufügung kam jedoch nach den Kursgewinnen, die durch eine Kombination aus erwarteten Deals und extrem hohen Fremdkapitalkosten stammen. Stattdessen hat der Horizons Marijuana Life Sciences ETF Tilray mit 12,3 % die höchste Gewichtung im Portfolio gegeben und dann ging es auf einmal abwärts.

Und das war nicht der einzige Fall, in dem das Team des ETF sich einen Ausrutscher leistete. Aleafia Health (WKN:A2JHC5), ein Small-Cap-Hanfzüchter und Anbieter von Beratungsleistungen für medizinische Cannabis-Patienten, kam Mitte September hinzu. Aleafia Health war jedoch um fast 600 % gestiegen, was erst zu seiner Aufnahme in den Fonds führte. Der Preisanstieg bei Aleafia scheint mit einer Partnerschaft mit der Cronos Group für eine Schlafstudie sowie der Erwartung von 38.000 Kilogramm Jahresproduktion bis 2019 verbunden zu sein. Seitdem sind die Aktien des Unternehmen allerdings stark gesunken.
Microcap Choom Holdings, ein medizinischer Anbaubetrieb, wurde ebenfalls im September akquiriert und hat seitdem mehr als die Hälfte seines Wertes verloren.
Mit anderen Worten, ein Teil der Schuld liegt im schlechten Timing der Fondsmanager, weil sie diese Namen nicht früh genug gekauft haben.

Unrealistische Erwartungen

Das andere Problem hier ist, dass die Investoren unrealistische kurzfristige Erwartungen an Marihuana-Aktien hatten (und immer noch haben).

Nur wenige Stunden nach der Legalisierung hatten bereits eine Reihe von Provinzen Probleme mit der Versorgung. Einige dieser Probleme können noch Monate oder Jahre dauern. Der Grund? Die Züchter sind noch lange nicht bei voller Produktionskapazität — aber aus irgendeinem Grund hat die Börse sie bewertet, als ob sie es wären.

So sollte beispielsweise Aurora Cannabis (WKN:A12GS7) mit dem Abschluss der Übernahme von ICC Labs bei einer Spitzenproduktion von mindestens 700.000 Kilogramm liegen. Das beinhaltet die vorherige Schätzung von Aurora von 570.000 Kilogramm vor der Übernahme und die Hinzufügung der bestehenden Produktion von 92.000 Quadratfuß von ICC und etwas mehr als 1,1 Mio. Quadratfuß, die sich aktuell noch im Bau befinden. Aber ab November 2018 produzierte Aurora Cannabis nur noch mit einer Jahresproduktion von 70.000 Kilogramm. Aurora und seine Konkurrenten werden Jahre brauchen, um ihre Produktion den Erwartungen anzupassen, und während die Investoren darauf warten, dürften die operativen Verluste weitergehen.

Die Produktion wird auch durch einen Rückstand an Anbau- und Verkaufsgenehmigungen bei Health Canada eingeschränkt. Es kann Monate (oder länger) dauern, bis die Genehmigung für den Anbau von Cannabis vorliegt, und dann bis zu einem weiteren Jahr, bis die Verkaufsgenehmigung da ist.

Lange Rede kurzer Sinn, die Investoren erkennen, dass die Marihuana-Industrie nicht so schnell wachsen wird, wie viele erwarten. Das verheißt nichts Gutes, zumindest kurzfristig, für den Horizons Marijuana Life Sciences ETF.

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Dieser Artikel wurde von Sean Williams auf Englisch verfasst und am 28.11.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können. 

The Motley Fool hat keine Position in einer der erwähnten Aktien.