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Darum wird der Ölpreis auch 2019 um 60 US-Dollar pendeln

Foto: Getty Images.

Noch vor wenigen Wochen wurde über kommende dreistellige Kurse diskutiert, nun ist plötzlich wieder von einer Schwemme die Rede, welche den Ölpreis weiter nach unten treiben könnte. Ich glaube hingegen, dass das wahrscheinlichste Szenario ist, dass er sich rund um das aktuelle Niveau von 60 US-Dollar stabilisiert.

Der Preis des Rohöls, so kapriziös wie mächtig

Rohölsorten wie BRENT und WTI stehen immer wieder im Fokus der Anleger. Trotz aller Digitalisierung stellt das schwarze Gold immer noch einen der wichtigsten Faktoren dar, welche die Wirtschaft treiben. Steigt er stark an, dann freuen sich die Anleger von Shell (WKN:A0D94M) und OMV (WKN:874341), sinkt er, dann sind tendenziell die Aktien von Lufthansa (WKN:823212), LyondellBasell (WKN:A1CWRM) und Salzgitter (WKN:620200) Trumpf, also Unternehmen mit hohem Energiekonsum.

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Ein fallender Ölpreis wird auch heute noch regelmäßig als Indikator für einen nahenden Abschwung gedeutet. Andererseits können es gerade niedrige Energiepreise sein, welche der Konjunktur neuen Schub geben, dadurch dass sie den Konsumenten mehr Geld in der Tasche lassen. Es sind oft Feinheiten, welche das Pendel in die eine oder andere Richtung ausschlagen lassen.

Auch das Erdöl kann sich nicht den Marktkräften entziehen

Ich finde immer verwunderlich, wenn Rohstoffexperten von „anhaltenden Angebotsüberhängen“ oder einem „Mangel an neuen Erdölprojekten“ sprechen und daraus dann Kursziele ableiten.

Dabei ist doch weder das Angebot noch die Nachfrage starr oder auch nur einigermaßen zuverlässig vorhersehbar. Steigen die Energiepreise stark an, dann schleichen die Containerschiffe über die Weltmeere, Reserven werden angezapft, Biomasseanlagen werden hochgefahren, Familien verzichten auf Fernreisen und zu Hause wird die Heizung etwas heruntergedreht. Gleichzeitig werden entlang der Lieferkette Überstunden geschoben, um möglichst schnell möglichst viel des lukrativen Erdöls auf den Markt bringen zu können.

Umgekehrt funktioniert es bei niedrigem Preisniveau. Auf diese Weise pendelt sich alles meist recht schnell wieder ein. Gerade die immer bessere Kopplung der Energiesektoren und die internationale Integration sollte dazu führen, dass diese Prozesse immer flüssiger ablaufen und extreme Ausschläge seltener werden.

Darum sind 50 bis 70 US-Dollar ideal

Statt den fast unmöglichen Versuch zu unternehmen, Angebot und Nachfrage zu prognostizieren und daraus die Preisentwicklung zu ermitteln, erscheint es mir viel sinnvoller, zu überlegen, welches Preisniveau eigentlich wünschenswert wäre. Schnellrechner sagen jetzt vielleicht „Null“ – fast nichts für Benzin und Heizöl zahlen zu müssen wäre doch super.

Aber das ist wohl zu kurz gesprungen. Ohne einen angemessenen Preis gäbe es keine Lieferanten, sodass wir die Annehmlichkeiten der Brennstoffe letztlich überhaupt nicht genießen könnten. Ein anhaltend sehr niedriger Preis hätte weitere negative Folgen: erstens führt es zu einem verschwenderischen Umgang mit den Kohlenwasserstoffen und zweitens würde es den Ausbau der Erneuerbaren Energien bremsen, weil diese dann Wettbewerbsfähigkeit einbüßen.

Beides zusammen macht es noch schwerer, die Klimaziele zu erreichen, nachdem das UNO-Klimawandelsekretariat gerade vor wenigen Tagen in einem Report angemahnt hatte, dass die Menschheit ihre Anstrengungen verdreifachen müsse, wenn der Planet nicht regelrecht verglühen soll.

Rein ökonomisch betrachtet hält Rohstoffanalyst Jeff Currie von Goldman Sachs (WKN:920332) ein Niveau von 65 bis 70 US-Dollar für ideal. Das würde der Ölindustrie stabile Gewinne garantieren, ohne dem Verbraucher zu schaden. Wohlgemerkt bezieht er sich dabei auf die Situation der USA, dem mittlerweile weltgrößten Produzenten. Für ein Industrieland wie Deutschland, das auf Energieimporte angewiesen ist, wäre ein gutes Stück darunter sicherlich vorzuziehen.

Andererseits wollen wir ja auch mit unseren Windturbinen, Power-to-Liquids-Anlagen und Ähnlichem auf den Weltmärkten erfolgreich sein. Dafür braucht es ein gewisses Niveau.

Was daraus für Anleger folgt

Der Ölpreis ist zwar kein Wunschkonzert, aber die Stellhebel sind wie gezeigt so vielfältig, dass er sich letztlich von selbst einstellt, soweit keine unvorhersehbaren Extremereignisse für temporäre Verzerrungen sorgen.

Entsprechend den vorhergehenden Überlegungen würde ich meine Anlagestrategie auf dem aktuell neutralen Niveau unabhängig von möglichen Ölpreis-Szenarien verfolgen. Am wahrscheinlichsten ist aus meiner Sicht, dass die Preise weiterhin großzügig um die Marke von 60 US-Dollar pendeln und damit keinen großen Einfluss auf die meisten Unternehmen und die Wirtschaft insgesamt haben.

So oder so sollte der Fokus einer Unternehmensanalyse nicht als erstes auf einem externen Faktor wie dem Ölpreis liegen, sondern vielmehr auf internen Aspekten, wie der Qualität des Managements oder der Bilanz – egal ob es sich um einen Energielieferanten oder einen Großverbraucher handelt.

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Ralf Anders besitzt Wertpapiere auf die Deutsche Lufthansa. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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