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Panik übertrieben? In diesem Bereich startet Wirecard gerade erst so richtig durch

Um prekäre 25 % hat sich Wirecard (WKN:747206) bislang vom Allzeithoch entfernt. Das unterbietet sogar den DAX, der sich seit dem Allzeithoch im Januar dieses Jahres um etwa 17 % verbilligt hat (Stand für beide Kurse: 19.11.2018).

Wer jetzt nur auf die Börsen schaut, könnte leicht den Eindruck gewinnen, dass sich der Aktienmarkt in einen depressiven Bärenmarkt verwandelt hat. Doch hinter den Kulissen wird natürlich weitergearbeitet. Bei Wirecard offenbar auch.

Der neueste Deal des Münchner Zahlungsdienstleisters: die Erweiterung der Kooperation mit dem HR- und FinTech-Unternehmen Spendit AG im Bereich digitale Mitarbeiter-Benefits. Taugt diese Partnerschaft als Kaufgrund für die Wirecard-Aktie? Drei Gründe sprechen meiner Ansicht nach dafür.

1. Die Zielgruppe ist gigantisch und eher handzahm

Im Bereich der Zahlungsdienstleistungen wirken die Zielgruppen traditionell beeindruckend groß. Praktisch jeder ist täglich auf die eine oder andere Form einer Finanztransaktion angewiesen. Nur die Selbstversorger sind fein raus. Aber die werden das hier sicher eh nicht lesen (können).

Doch für digitale Zahlungsdienstleister ist das Wachstum meiner Ansicht nach keineswegs ein Selbstläufer. Denn die Bargeldfans dürften sich aller Voraussicht nach nicht allzu schnell vor den Smartphone-Karren spannen lassen.

Prinzipiell erscheint mir die Aufgabe, einen uralten Markt (Zahlungsmittel) durch innovative Methoden (Smartphone-Bank) kreativ zu zerstören, als außerordentlich große Herausforderung.

Warum nicht lieber einen neuen Markt mit aufbauen, den man von Beginn an dominieren kann? Das könnte für Wirecard der Markt für Mitarbeiter-Benefits sein.

Dieser Markt ist aus meiner Sicht noch eher mäßig erforscht, aber dafür riesengroß. Allein Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien kommen zusammen auf 152 Millionen Erwerbstätige.

Wachstumsschwierigkeiten vermute ich hier im Gegensatz zu herkömmlichen Finanztransaktionen nicht. Wieso sollten Arbeitnehmer auf Benefits verzichten? Meiner Erfahrung nach werden auch fremdartige Technologien gerne akzeptiert, wenn die Vorteile nur groß genug sind.

Die Erfahrungen, die Wirecard mit Benefit-Karten in den USA sammeln konnte, geben mir recht. Dort kletterten die Ausgaben über Mitarbeiter-Benefit-Karten bislang jährlich im Schnitt um beachtliche 45 %.

2. Gut gelaunte Mitarbeiter halten länger

Bleibt zu klären, wieso Unternehmen ihren Mitarbeitern eigentlich diese Benefits gönnen sollten? Die Einführung von Mitarbeiter-Benefits ist schließlich kein Naturgesetz.

Auch da habe ich wenig Bedenken. Stichwort: Fachkräftemangel

In einigen Branchen dürfte sich Angebot und Nachfrage langfristig zugunsten qualifizierter Arbeitnehmer entwickeln. Wäre ich Unternehmer, würde ich dafür sorgen, dass die Laune meiner teuer angeworbenen Fachkräfte so gut wie möglich ist und auch bleibt.

Am besten mit einem Branding, das dem Nutzer stets in Erinnerung ruft, wem er den gerade erworbenen Benefit zu verdanken hat.

„Wes Benefit ich konsumier, des Lied ich sing.“ Belohnungsmechanismen sind oft irrational. Wer schon mal trotz schlechter Nachrichten, aber dafür reichlich Schnittchen bei bester Laune war, weiß, wovon ich rede.

3. Der Für-alle-Bonus

Und was ist mit den Arbeitnehmern, die nicht in Bereichen mit eklatantem Fachkräftemangel arbeiten? Vielleicht sogar solchen, bei denen hohe Gehaltssprünge aus strukturellen Gründen eher unwahrscheinlich sind?

Nun, laut Spendit können pro Jahr und Mitarbeiter netto 708 Euro steuerfrei und bis zu 11.000 Euro pauschal versteuert vergeben werden. Darunter fallen Benefits aus den Kategorien „Steuerfreie Mitarbeitergeschenke“, „Erholungsbeihilfe“ und „Zuschuss Internetnutzung“.

Mit dieser Lösung wäre es meinem Verständnis nach also recht leicht, ein mehr oder weniger auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnittenes Benefit-System einzurichten, das dem jeweiligen Mitarbeiter einen greifbaren Vorteil bietet, ohne dass dafür allzu teure Gehaltsrunden notwendig wären.

Gute Laune in der Belegschaft verbreiten, ohne dafür allzu tief in die Tasche greifen zu müssen? Als Unternehmer würde ich dazu nicht Nein sagen.

No free lunch? Oh doch!

Es ist nicht das erste Mal, dass mir Wirecard eine frische Idee präsentiert, die ich auf Anhieb sympathisch finde. Aber diesmal wundere ich mich wirklich über die Wendigkeit der Münchner.

Offenbar scheuen sie sich nicht, auch mal out-of-the-box zu denken. Das Thema „Digitale Zahlungsdienstleistung“ muss ja nicht zwangsläufig immer nur E-Commerce im klassischen Sinne bedeuten.

Wie so oft in der Geschichte könnte sich am Ende der ursprüngliche Plan in Luft auflösen und die Technologien in einem ganz anderen Bereich groß rauskommen. Vielleicht im Bereich der Mitarbeiter-Benefits?

Ich werde ab sofort die Wachstumsraten in diesem Bereich genau beobachten. Spätestens, wenn die kritische Masse in meinem Umfeld mit Benefits gesegnet wird oder gar ich selbst zum Nutzer werde, muss ich ernsthaft über eine größere Position Wirecard in meinem Depot nachdenken.

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Stefan Naerger besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.