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Amazon-Chef Jeff Bezoz über die Lebensdauer von (seinem) Unternehmen: Warum er generell recht und unrecht zugleich hat

Foto: Julia Roegner

Amazon (WKN: 906866)-Chef Jeff Bezoz hat neulich bei einer Ansprache an seine Belegschaft ein Szenario ins Spiel gebracht, das den Mitarbeitern und Investoren wohl gleichermaßen durch Mark und Bein gegangen sein dürfte. Genau genommen brachte er eine mögliche Pleite des E-Commerce-Giganten ins Spiel, sollte Amazon zu irgendeinem Zeitpunkt aufhören, der innovative und kundenzentrierte Dienstleister zu sein, den er momentan glücklicherweise noch verkörpert.

Zudem sei Amazon seiner Ansicht nach selbst angesichts der bisherigen Größe nicht zu groß zum Scheitern. Besonders interessant in diesem Zusammenhang: Für ihn betrage die Lebensdauer größerer Unternehmen sowieso nicht etwa 100 Jahre, wie viele ultralangfristige Investoren wohl regelmäßig annehmen dürften, sondern eher 30+ Jahre.

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Vor allem diese letzte Aussage hat mich regelrecht ins Grübeln gebracht. Denn letztlich könnte der Innovator Jeff Bezoz mit diesen provokanten Thesen durchaus recht und unrecht zugleich haben. Schauen wir mal, was das generell für uns als Investoren bedeutet.

Wo Jeff Bezoz recht behält

Grundsätzlich gibt es zahlreiche Beispiele, die zeigen, dass viele ehemals erfolgreiche Unternehmen über kurz oder lang wieder von der Bildfläche verschwunden sind. Genau genommen reicht bereits eine kurze Suchmaschinensuche, um einige prominente Fälle zu identifizieren, die sogar in der jüngeren Geschichte nahezu komplett aus ihrem eigenen, ehemals dominierten Geschäftsfeld verdrängt worden sind. Ein paar Beispiele gefällig? Sehr gerne!

Lass uns zunächst an die anfänglichen Tage der Mobiltelefonie denken. Nach einer kurzen Findungsphase dominierte die finnische Nokia (WKN: 870737) ziemlich schnell den Markt der Mobiltelefonie. Auf dem Höhepunkt des geschäftlichen Erfolgs konnte Nokia sogar zwischenzeitlich vorweisen, dass jedes dritte Handy, das über die Ladentheke ging, von den Finnen produziert worden ist. Durchaus eine interessante Marktmacht, die Nokia dennoch verspielt hat.

Letztlich reichte das weitgehende Verpassen des Smartphonetrends aus, damit Nokia im Handysegment in der Versenkung verschwunden ist. Doch ist das natürlich kein Einzelfall.

Denn auch in anderen, ursprünglich nichttechnischen Bereichen können wir derartige Entwicklungen vernehmen. Die US-amerikanische Videoverleihkette Blockbuster hat so beispielsweise das komplette Streaming verpasst. Blockbuster hätte sogar um die Jahrtausendwende den heutigen Streaming-Giganten Netflix (WKN: 552484) gegen eine Zahlung von lediglich 50 Mio. US-Dollar übernehmen können. Freilich, Netflix war damals noch nicht der innovative Streaming-Anbieter, der er heute ist. Allerdings reichte diese klassische Fehlentscheidung hinsichtlich der Nichtanpassung in diesem Markt aus, damit Blockbuster in der Versenkung verschwunden ist und Netflix und Konsorten im Gegenzug den gesamten Videoverleihmarkt obsolet werden ließen.

Insbesondere technische Unternehmen beziehungsweise Unternehmen, deren Geschäftsfeld von technischen Neuheiten bedroht oder überholt werden könnte, scheinen von diesem kurzen Lebenszyklus prinzipiell betroffen zu sein. Doch gibt es natürlich auch noch andere Unternehmen, bei denen eine solche prinzipiell kurze Lebensspanne nicht zwingend zutreffen muss.

Wo Jeff Bezoz eher unrecht hat

Besonders defensive nichttechnische Aktien mit starken Marken scheinen nicht der Bedrohung einer relativ kurzen Lebensdauer ausgesetzt zu sein. Coca-Cola (WKN: 850663) beispielsweise produziert seit inzwischen weit über 100 Jahren seine zuckrigen Limonaden und ist vor allem in den vergangenen Jahrzehnten noch einmal um ein Vielfaches gewachsen.

Sicher, man könnte jetzt natürlich dahin gehend argumentieren, dass auch hier der Trend zu einer gesünderen Lebensweise ohne Zucker geht. Doch dürften die Chancen insgesamt nicht schlecht stehen, dass der Brausekonzern aus Atlanta auch hierfür ein passendes, vielleicht nicht mehr ganz so zuckrig-klebriges Getränk entwickeln wird.

Ebenso scheinen Unternehmen mit regelrechten Basisdienstleistungen sich dieser Dynamik entziehen zu können. So zahlt beispielsweise das New Yorker Versorgungsunternehmen Consolidated Edison (WKN: 911563) seit fast 200 Jahren kontinuierlich eine Dividende aus, die es zudem seit über 40 Jahren in Folge erhöht hat. Auch das dürfte wohl ein Indikator für ein starkes, defensives Geschäftsmodell sein, das schon so manche Zeit überdauert hat.

Jeff Bezoz’ Aussage können wir daher letztlich so nicht allgemeingültig für Unternehmen stehen lassen.

Um fair zu bleiben, …

… Jeff Bezoz wollte sich mit seiner Ansage wohl eher nicht generell über Märkte, Aktien und den Lebenszyklus von Unternehmen äußern und hier ganzheitliche, allgemeingültige Aussagen treffen. Nein, vielmehr können wir seine pathetische Rede wohl eher als konkreten Warnhinweis für die derzeitige Situation bei Amazon verstehen. Wie auch immer man das als Amazon-Investor oder -Mitarbeiter deuten möchte.

Dennoch war es in meinen Augen interessant aufzuzeigen, wo der smarte Innovator letztlich mit dieser Aussage recht beziehungsweise unrecht hat. Denn neben den vornehmlich technischen und innovativeren Unternehmen gibt es markenstarke klassischen Unternehmen, die nicht von einem ständigen disruptiven Wandel bedroht zu sein scheinen.

Das kann letztlich besonders für sicherheitsdürftige Investoren interessant sein. Denn bei diesen markenstarken und defensiven Unternehmen dürften die Chancen nicht schlecht stehen, dass diese selbst in weiteren 100 Jahren noch ein funktionierendes Geschäftsmodell haben werden.

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Vincent besitzt keine der erwähnten Aktien. John Mackey, CEO von Amazon-Tochter Whole Foods Market, sitzt im Vorstand von The Motley Fool. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Amazon und Netflix.

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