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Warum die Haier-Aktie genauso viel Potenzial hat wie Alibaba und Baidu

Die Frankfurter Börse hat gemeinsam mit einem chinesischen Partner ein Börsensegment für Unternehmen aus China geschaffen. Seit einigen Wochen können die hier emittierten „D-Shares“ des führenden Haushaltselektronikkonzerns Haier gehandelt werden. Ist die Aktie mehr als einen Blick wert? Ich denke schon, trotz allem.

China-Aktien waren bisher eine Katastrophe

Qingdao Haier (WKN:A2JM2W), wie die Holding vollständig heißt, ist zwar nicht die erste chinesische Aktiengesellschaft, die sich an die Börsen in Deutschland wagt, aber die erste, die diesen Weg über die China Europe International Exchange (CEINEX) geht. CEINEX ist ein Joint Venture der Shanghai Stock Exchange, der Deutschen Börse und der China Financial Futures Exchange (CFFEX). Über dieses Vehikel sollen in Yuan Renminbi notierte Wertpapiere deutschen und europäischen Anlegern besser zugänglich gemacht werden.

Dieser Aspekt ist wichtig, denn bisher haben deutsche Anleger furchtbare Erfahrungen mit hier gelisteten China-Aktien gemacht. Diese erfüllten meist nur die minimalen Zulassungskriterien, und das investierte Geld der Anleger war fast immer innerhalb von wenigen Jahren weg. Die meisten Aktien der Unternehmen, die nicht bankrottgegangen sind, sind heute bestenfalls Pennystocks.

Im Rahmen von CEINEX würde ich hingegen erwarten, dass die Qualität der angebotenen Wertpapiere höhere Standards erfüllt. Dafür spricht auch, dass mit Haier ein erstklassiger Konzern den Anfang macht.

Das ist Haier

Der Name „Haier“ ist das, was der Chinese versteht, wenn wir „Herr“ sagen. Schließlich geht der Aufstieg des Konzerns auf eine Kooperation mit Liebherr zurück, als ab Mitte der 80er-Jahre mit großem Erfolg zuverlässige Kühlschränke unter der Marke Qindao-Liebherr gebaut und vertrieben wurden. 1991 wurde der in unser Alphabet umgeschriebene Markenname „Li-bo-hai-er“ auf Haier abgekürzt und wenige Jahre später folgte die große Expansion.

Haier gilt als das erste chinesische Unternehmen, das nachhaltige Erfolge auf Exportmärkten feiern konnte. Der strikte Fokus auf Qualität des legendären Chefs Zhang Ruimin konnte viele Kunden – trotz der vorherrschenden Vorbehalte gegenüber chinesischen Produkten – von der damals noch neuen Marke überzeugen.

Zhang wollte davon wegkommen, dass China nur die verlängerte Werkbank westlicher Marken sein würde. China brauche eigene Marken und Haier solle die Nummer 3 auf dem Weltmarkt werden, so der Anspruch bereits 2003. Im beinharten Konkurrenzkampf des Heimatmarktes setzte sich die Marke in der Folge souverän durch und nur eine Dekade später gelang sogar der Sprung an die absolute Weltspitze. Spätestens seit dem Zukauf von GE Appliances im Jahr 2016 verfügt der Konzern auch außerhalb Chinas in vielen Regionen über hohe Marktanteile.

In Deutschland, wo immer noch traditionsreiche Namen wie AEG, Bosch, Miele und eben Liebherr dominieren, hatte Haier bisher keinen leichten Stand. Das soll sich allerdings schnell ändern. Im Schlepptau der erfolgreichen koreanischen Marken will auch Haier hierzulande im höherwertigen Segment angreifen. Mit interessanten Nischenprodukten und außergewöhnlichen Features will man punkten. Unterstützt wird die Strategie von einem Forschungs- und Entwicklungsstandort in Deutschland, der wenige Jahre nach der Schließung des AEG-Stammwerkes Ende 2005 in Nürnberg angesiedelt wurde. Außerdem läuft gerade die Übernahme der italienischen Candy-Hoover-Gruppe, wodurch die Europapräsenz stark ausgebaut wird.

Zur wachsenden Produktpalette kommt eine Digitalisierungsinitiative, über die zunächst ein besseres Zusammenspiel der Geräte, neuartige Features und innovative Services angestrebt werden. Darüber hinaus soll die gesamte Wertschöpfungskette transformiert werden, um letztlich differenzierte und auf einzelne Kundenwünsche hin zugeschnittene Produkte kosteneffizient fertigen zu können – Industrie 4.0 auf Chinesisch.

Was du sonst noch wissen musst

Haier meldete zuletzt einen Jahresumsatz in Höhe von umgerechnet rund 23 Mrd. Euro bei einer Wachstumsrate von 14 %. Kühlschränke und Waschmaschinen machen immer noch etwa die Hälfte aus, aber andere Segmente wie etwa Klimatechnik wachsen noch schneller. Die EBITDA-Marge von 10 % ist zwar nicht sonderlich beeindruckend, aber letztlich blieb rund eine Milliarde Euro übrig, wovon knapp ein Drittel an die Aktionäre ausgeschüttet und der Rest in das Wachstum gesteckt wurde.

Obwohl es viel Positives zu berichten gibt, wollen wir auch einige weniger erfreuliche Aspekte berücksichtigen. Auf dem Heimatmarkt gibt es noch Probleme im Zusammenhang mit fehlenden Baugenehmigungen, die der Konzern über die letzten fünf Jahre nicht lösen konnte. Deswegen steht nun eine außergewöhnliche Aktionärsversammlung an. Schwer einzuschätzen, wie umfangreich die Folgen sein könnten.

Daneben macht aktuell der von den USA aufgezwungene Handelskonflikt teilweise der strategischen Planung einen Strich durch die Rechnung. So verzögert sich beispielsweise die Einführung der Marke GE auf dem chinesischen Markt auf unbestimmte Zeit. Außerdem mussten die Preise in den USA erhöht werden, um den Einschlag der Importzölle abzufedern.

Auch die Digitalisierungsstrategie könnte durch die zunehmenden Spannungen einen Rückschlag erleiden, was die Vernetzung der Haushaltsgeräte angeht. Vor allem US-Behörden agieren seit Jahren aggressiv gegen chinesische Konzerne. Huawei und ZTE können ein Lied davon singen. Das Haier-Management will sich allerdings nicht von weiteren Expansionsbestrebungen abhalten lassen.

Fazit

Tolle China-Aktien wie Alibaba (WKN:A117ME) und Baidu (WKN:A0F5DE) konnte man bisher vor allem an der amerikanischen NASDAQ-Börse finden, sodass interessierte deutsche Anleger oft den Umweg etwa über Tradegate gingen. Durch CEINEX können nun Wertpapiere mit Chinabezug besser direkt in Frankfurt gehandelt werden. Noch ist Haier allein und es bleibt zu hoffen, dass das Angebot bald ausgeweitet wird. Haier ist jedenfalls ein guter Anfang. Das ist eine fantastische Wachstumsstory, die noch lange nicht zu Ende erzählt ist. Die Aktie steht auf meiner Watchlist.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Baidu.

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