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OPEC zum Ölmarkt: Haben wir es euch nicht vorher gesagt?

Monatelang haben sich die meisten Ölmarktbeobachter über die Auswirkungen der neu verhängten US-Sanktionen gegen den Iran Sorgen gemacht. Diese Bedenken trieben den Rohölpreis auf mehr als 85 US-Dollar pro Barrel und viele Analysten gingen sogar davon aus, dass der Ölpreis bald auf dreistellige Werte steigen könnte, da die Lage weiter angespannt bleibt. Präsident Trump und andere forderten die OPEC auf, die Produktion zu steigern, damit die Ölpreise nicht aus dem Ruder laufen.

Die OPEC weigerte sich jedoch, weil sie glaubte, dass sich die Sorgen des Marktes hier auf einen falschen Punkt richteten. Die OPEC sorgte sich nicht um eine mögliche Unterversorgung, sondern war der Auffassung, dass der Markt mehr Öl habe, als er brauche, sodass es eher zu einer Überproduktion käme, die den Preisdruck ohnehin verringern würde. Und das scheint jetzt zu geschehen, nachdem die Regierung Trump den wichtigsten Käufern von iranischem Öl Ausnahmegenehmigungen erteilt hat, die es ihnen erlauben, sich weiterhin Öl aus dem Iran zu kaufen. Das hat die Ölpreise so schnell fallen lassen, dass zumindest eine OPEC-Nation eine Produktionskürzung in Betracht zieht.

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Was auf dem Ölmarkt vor sich geht

Die Ölpreise stiegen in diesem Jahr stark an. Zu einem bestimmten Zeitpunkt stieg der Rohölpreis um fast 30 % gegenüber dem Vorjahr und erreichte einen seit Mitte der 80er-Jahre nicht mehr gesehenen Höhepunkt aufgrund der Befürchtungen, dass die Sanktionen gegen den Iran bis zu 2 Mio. Barrel pro Tag (BPD) aus dem Ölmarkt abziehen würden. Das hätte die Kapazitätsreserven des Marktes, die bereits durch Produktionsprobleme in Libyen und Venezuela sowie durch Pipelineprobleme in den USA und Kanada unter Druck standen, noch stärker belastet.

Allerdings ist der Ölpreis seither um fast 20 % gefallen, nachdem die USA überraschend sowohl China als auch Indien, den beiden wichtigsten Ölkunden des Iran, Ausnahmegenehmigungen erteilt haben. Aus diesem Grund findet die von vielen erwartete Verknappung der Versorgung nicht statt.

Stattdessen dürfte der Markt nun zu viel Öl haben, denn die höheren Preise des vergangenen Jahres haben begonnen, die Nachfrage abzuschwächen, und auch die Ölförderung in den USA hat ein Rekordniveau erreicht. Deshalb erwägt Saudi-Arabien, seine Produktion im nächsten Monat um bis zu 500.000 BPD zu reduzieren, so ein aktueller Bericht von Reuters. Das würde die Entscheidung aus dem vergangenen Juni, die Produktion zu erhöhen, um einige der erwarteten Auswirkungen der US-Sanktionen auf den Iran auszugleichen, umkehren. In der Zwischenzeit arbeitet das Land mit anderen Produzenten in der OPEC zusammen, um die Lieferungen um insgesamt 1 Mio. BPD zu kürzen, was die bisherige Produktionssteigerung aufheben würde. Es besteht die Hoffnung, dass diese Schritte dazu beitragen werden, den Ölpreis zu stabilisieren.

Wie sich das auf die Ölaktien auswirkt

Der Einbruch der Ölpreise im vergangenen Monat hat die Ölaktien stark getroffen. Die führenden US-Produzenten Anadarko Petroleum (WKN:871766), Occidental Petroleum (WKN:851921) und ConocoPhillips (WKN:575302) zum Beispiel sind alle um mehr als 15 % gegenüber ihren jüngsten Höchstständen gefallen.

Veränderungen der Ölpreise haben einen erheblichen Einfluss auf den Cashflow der Ölunternehmen. Im Falle von ConocoPhillips wirkt sich jede Änderung um 1 US-Dollar pro Barrel beim globalen Ölpreis auf den jährlichen Cashflow mit etwa 100 Mio. US-Dollar aus. Der Rückgang um fast 15 US-Dollar pro Barrel im vergangenen Monat wird dazu führen, dass deutlich weniger Cashflow generiert wird.

Allerdings setzte ConocoPhillips, wie die meisten seiner Konkurrenten, nie auf einen Ölpreis von 85 US-Dollar. Stattdessen plante ConocoPhillips mit durchschnittlich 50 US-Dollar pro Barrel auf. Dank dieser Entscheidung hat das Unternehmen einen erheblichen Überschuss an Cashflow generiert, mit dem es seine Schulden abgebaut und Aktien zurückgekauft hat. Anadarko Petroleum setzte ebenfalls 50 US-Dollar Rohöl als Richtwert für 2018 an; auch dieses Unternehmen hat sein überschüssiges Geld verwendet, um Aktien zurückzukaufen und Schulden zurückzuzahlen.

In der Zwischenzeit hat Occidental Petroleum kürzlich seinen Break-even-Punkt erreicht, der es dem Unternehmen ermöglicht, seine aktuelle Produktionsrate und Dividende bei 40 US-Dollar pro Barrel aufrechtzuerhalten; es wird in der Lage sein, die Produktion zu steigern, wenn der Ölpreis über 50 US-Dollar liegt.

Da alle drei ihre Budgetplanungen für 2018 auf der Grundlage eines Ölpreises von 50 US-Dollar vorgenommen haben, ist es unwahrscheinlich, dass der jüngste Rückgang der Ölpreise ihre Pläne für 2018 ändert. Das könnte sich jedoch auf die Planung für 2019 auswirken. Angesichts des jüngsten Ölpreisverfalls könnten die Ölproduzenten Pläne für größere neue Ausgaben überdenken. Das könnte zu weniger Bohrungen im nächsten Jahr führen, was eine schlechte Nachricht für die Service-Industrie wäre – sie erwartet ein großartiges Jahr 2019.

Die wilde Fahrt geht weiter

Während alle Augen auf einen sich verschärfenden Ölmarkt gerichtet waren, war die größte Sorge der OPEC, dass die Preise nicht so stark sinken würden wie befürchtet – was in den letzten Wochen passiert ist.  Jetzt denkt sie darüber nach, das Angebot zu kürzen, um den Markt ins Gleichgewicht zu bringen.

Obwohl das die Preise ankurbeln könnte, ist es wahrscheinlicher, dass die Zeit erhöhter Volatilität beim Öl anhalten wird, da der Markt in den kommenden Wochen neue Schlagzeilen und Daten verdauen muss. Diese Unsicherheit wird wahrscheinlich weiterhin die Ölaktien belasten – insbesondere die von Dienstleistungsunternehmen –, bis etwas mehr Klarheit darüber herrscht, was auf dem Ölmarkt vor uns liegt.

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The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Dieser Artikel wurde von Matthew DiLallo auf Englisch verfasst und am 12.11.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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