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Die Lufthansa-Aktie und der Ölpreis ‒ brechen jetzt alle Dämme?

„Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert!“ An diesen Spruch aus einer beliebten Fernsehserie der 1980er-Jahre fühlte ich mich beim Anblick des jüngst stark nach unten geprügelten Ölpreises sofort erinnert.

Nicht dass ich mit Trump, Putin oder den Saudis einen geheimen Plan zur Ölpreisreduzierung geschmiedet hätte. Nein, aber vor ein paar Monaten fielen mir ungewöhnliche Positionierungen an den Terminmärkten bei Erdöl der Sorte WTI ins Auge.

Damals prophezeite ich eine kurz- bis mittelfristige Schwäche des Ölpreises und ein damit einhergehendes Comeback der Lufthansa (WKN:823212)-Aktie.

Tatsächlich brach der Ölpreis seit dem 10.05.2018 um etwa 23 % ein. Passend dazu machte der Kurs der Lufthansa-Aktie im Monat November respektable 20 % an Boden gut (Stand für beide Kurse: 14.11.2018). Doch wie geht es jetzt weiter? Plan erfüllt, Ziel erreicht? Oder war das sogar erst der Anfang?

Alles bereit zum Abflug bei der Lufthansa-Aktie

Die Lufthansa und der Ölpreis scheinen in einer Art mystischer Symbiose zu existieren. Oder war es einfach nur purer Zufall, dass der Ölpreis (Sorte WTI) um beinahe 14 % in die Tiefe ging, nachdem Lufthansa-Chef Carsten Spohr für „spätestens 2019“ höhere Ticketpreise angekündigt hatte (Stand: 14.11.2018)?

Nun dürften die Treibstoffpreise dank Ölmarkt-Crash (ja, ein Minus von 20 % betrachte ich als Crash, egal in welchem Markt) nicht mehr so stark auf die Kosten drücken. Umso besser für die Lufthansa. Ticketpreise hoch, Treibstoffkosten runter – das klingt nach einem guten Rezept für sprudelnde Gewinne.

Natürlich nur sofern es sich die Kunden nicht anders überlegen. Als größte Airline Europas dürfte die Lufthansa allerdings über ein gesundes Selbstbewusstsein verfügen. 2017 beförderte die Kranich-Airline rund 130 Millionen Passagiere. Konkurrent Ryanair (WKN:823212) lag mit 129 Millionen Passagieren knapp dahinter.

Zusammenfassend würde ich sagen: Bitte bringen Sie Ihre Sitze in eine aufrechte Position, die Lufthansa-Aktie ist bereit zum Start!

Der Ölpreis hat noch Luft nach unten

Aber was, wenn der Ölpreis wieder anzieht? Dann war es das wohl mit dem Traum vom Kerosinturbo.

Warum nicht wieder einen Blick auf die Terminbörsen werfen. Schließlich kündigte sich der aktuelle Ölpreisverfall dort bereits vor mehreren Monaten an.

Zur Erinnerung: Rohstoffe, wie unter anderem auch Erdöl, werden an Terminbörsen gehandelt. Zum Beispiel an der in London ansässigen Terminbörse ICE Futures.

Seit 1986 veröffentlicht die Commodity Futures Trading Commission (kurz CFTC) einen wöchentlichen Bericht über die Positionierung der Marktteilnehmer, den CoT(Commitment of Traders)-Report. Die Marktteilnehmer werden dabei in drei Gruppen unterteilt: Commercials (z. B. Erdölfirmen), Non-Commercials (Größspekulanten) und Non-Reportables (Kleinspekulanten).

Wie steht es nun aktuell um die Positionierung der Marktteilnehmer (insbesondere bei den Commercials, die für gewöhnlich als Insider gelten) an der Terminbörse bei Erdöl der Sorte WTI?

Tatsächlich hat der Rückgang des Ölpreises die Positionierung der Commercials drastisch verändert. Die Anzahl der Absicherungen gegen einen fallenden Ölpreis sind seit Mai um beinahe die Hälfte eingeschmolzen. Für eine Entwarnung ist es meiner Meinung nach allerdings noch zu früh. Denn die Commercials sind noch immer mit etwa 446.000 Kontrakten netto short (Stand: 06.11.2018).

Das sind ähnlich hohe Absicherungen wie im Juli 2014. Damals ging der Ölpreis von diesem Niveau aus innerhalb kürzester Zeit um über 50 % in die Knie. Demnach ist nicht auszuschließen, dass sich der Ölpreis auch vom heutigen Stand aus kurz- bis mittelfristig weiter nach unten bewegen könnte.

Ein interessantes Setup für Airline-Fans

Ein Klassiker auf europäischem Spitzenniveau mit 50 % Discount zum Allzeithoch (Stand: 14.11.2018), garniert mit der Aussicht auf steigende Einnahmen und geringere Kosten. Wow! Derzeit fällt es mir wirklich schwer, keinen Kaufgrund für die Kranich-Aktie zu finden.

Gerne vergessen, aber meiner Ansicht nach ebenso wichtig, ist das aus meiner Sicht vorbildliche Dividendenwachstum der Lufthansa-Aktie. Für das Geschäftsjahr 2017 gab es 0,80 Euro pro Aktie. Das waren 60 % mehr als im Jahr zuvor.

Ein außergewöhnlich starkes Wachstum, wenn man bedenkt, dass das durchschnittliche Dividendenwachstum des S&P 500 gerade einmal knapp 6 % beträgt.

Trotz aller positiven Vorzeichen kann mich die Luftfahrtbranche nach wie vor nur mäßig begeistern. Obwohl die Unterschiede im Service meiner Meinung nach in letzter Zeit deutlich sichtbarer wurden (nicht zuletzt dank der aufpolierten digitalen Services), fällt es mir immer noch schwer, die Airlines qualitativ voneinander abzugrenzen.

Letztendlich fliegt dann doch jede Airline mit ähnlichen Maschinen nur von A nach B. Um mich umzustimmen, bräuchte es wahrscheinlich einen Elon Musk. Der verkündete vor nicht allzu langer Zeit, dass demnächst spezielle SpaceX-Raketen in Rekordzeit von Metropole zu Metropole fliegen sollen – natürlich weltweit. Sobald die Lufthansa ähnliche Ideen formuliert, werde ich der Erste sein, der sein Depot entsprechend modifiziert.

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Stefan Naerger besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.