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Ölpreise: Es dauerte nur 12 Tage, um 12 Monate Bullenmarkt zunichte zu machen

Foto: Getty Images

Eineinhalb Jahre lang befand sich Rohöl in einer Hausse. Was im vergangenen Sommer ruhig begann, gewann im Herbst an Fahrt, angeheizt von der zunehmenden Sorge, dass die Ölnachfrage das Angebot übersteigen könnte. Grund dafür sind Produktionsprobleme in Ländern wie Venezuela, aber auch die Gefahr neuer US-Sanktionen gegen den Iran. Seit Beginn dieses langen allgemeinen Aufschwungs im Juni 2017 bis zu seinem Höhepunkt im Oktober waren die Rohölpreise um rund 75 % gestiegen.

Diese Hausse hat jedoch ein brutales Ende gefunden: Die Rohölpreise sind an jedem der letzten 12 Handelstage gefallen, was eine Rekordverluststrähne für den Rohstoff darstellt. Insgesamt ist der Ölpreis um mehr als 20 % gesunken, was offiziell eine Baisse markiert und alle Gewinne des letzten Jahres zunichte macht.

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Was mit dem Ölpreis passiert ist

Ein großer Treiber der Ölpreise in den letzten Monaten war die Androhung von US-Sanktionen gegen den Iran. Das hätte die Möglichkeiten des Iran, Öl zu exportieren, stark beeinträchtigt. Die Händler befürchteten, dass ein Großteil des iranischen Angebots vom Markt verschwinden würde, wenn Präsident Trump eine harte Linie gegenüber dem Regime in Teheran verfolgen würde. Einige Analysten glaubten, dass, wenn alle Nationen bei diesen Sanktionen mitziehen würden, sie bis zu 2,5 Millionen Barrel Öl pro Tag (BPD) aus dem globalen Angebot entfernen würden. Das hätte die Rohölpreise wieder auf über 100 US-Dollar drücken können, wenn es anderswo zu Lieferproblemen gekommen wäre.

In letzter Minute gewährten die USA jedoch mehreren Schlüsselkunden des Iran, darunter Indien und China, Verzichtserklärungen. Dadurch verschwanden die Befürchtungen des Marktes fast über Nacht. Stattdessen ist man nun besorgt, dass es zu einem Überangebot an Öl kommen könnte, da andere Produzenten ihre Produktion erhöht haben, um den erwarteten Verlust an iranischem Rohöl auszugleichen.

Die OPEC sagt: Wir haben es euch doch gesagt

Während die plötzliche Verschiebung die meisten Ölmarktbeobachter überraschte, ist der Rückgang genau das, wovor die OPEC gewarnt hatte. Die Führer der Organisation hatten gewarnt, dass die Ängste vor einer Versorgungskrise unverhältnismäßig stark ausgeprägt waren, weil die Beobachter zu sehr auf den Iran fokussiert waren und zu wenig auf die Bedingungen anderswo achteten. Wie die OPEC in ihrem jüngsten Bericht betonte, „obwohl der Ölmarkt jetzt ein Gleichgewicht erreicht hat, deuten die Prognosen für 2019 für das Angebotswachstum außerhalb der OPEC darauf hin, dass die Mengen höher sind als die Expansion der weltweiten Ölnachfrage, was zu einer Ausweitung des Überangebots auf dem Markt führt“.

Nach Ansicht der OPEC ist die Rohölförderung aus Drittländern auf Expansionskurs und wird 2018 um 2,23 Millionen BPD expandieren, was 120.000 BPD über der bisherigen Prognose liegt. Diejenigen, die das Angebot vergrößern, kommen zu einem Zeitpunkt auf den Markt, zu dem die Prognose für das Nachfragewachstum in die entgegengesetzte Richtung geht. Die OPEC erwartet, dass die Ölnachfrage im nächsten Jahr um 1,29 Millionen BPD steigen wird — das liegt 70.000 BPD unter der Prognose des Vormonats und sogar noch weiter unter ihrer Prognose vom Juli von 1,45 Millionen BPD-Wachstum für 2019.

Die OPEC-Mitglieder arbeiten daran, dieses potenzielle Überangebot anzugehen; sie haben darüber diskutiert, ihre Gesamtproduktion um bis zu 1,4 Millionen BPD zu reduzieren. Dies würde eine frühere politische Entscheidung, eine zusätzliche Million BPD zu pumpen, um einige der erwarteten Verluste aus dem Iran auszugleichen, umkehren. Es ist jedoch noch nicht klar, ob sich die Mitglieder der Gruppe auf Kürzungen einigen werden. Aus diesem Grund dürften die Preise volatil bleiben, insbesondere wenn sich das Nachfragewachstum weiter verlangsamt.

Was das für die Ölaktien bedeutet

Der jüngste Rückgang der Ölpreise hat natürlich die meisten Ölaktien unter Druck gesetzt. Die Aktien der US-Bohrer Devon Energy (WKN:925345), Pioneer Natural Resources (WKN:908678) und Marathon Oil (WKN:852789) zum Beispiel liegen alle um rund 30%  unter ihren jüngsten Höchstständen.

Diese Situation ist jedoch nicht ganz schlecht für sie. Positiv ist, dass Unternehmen wie Devon Energy und Marathon Oil derzeit Aktienrückkaufprogramme laufen haben. Da die Aktienkurse so tief sind wie seit einem halben Jahr nicht mehr, können sie nun einen größeren Prozentsatz ihrer ausstehenden Aktien zurückziehen.

Andererseits wird dieser Rückgang der Rohölpreise zu einem Rückgang der Cashflows führen, was sie zwingen könnte, ihre Ausgaben für 2019 noch einmal zu überdenken. Im Falle von Devon sagte das Unternehmen zuvor, dass es die Ausgaben von 2,4 Milliarden US-Dollar in diesem Jahr auf 2,4 bis 2,7 Milliarden US-Dollar im Jahr 2019 erhöhen würde, was es dem Unternehmen ermöglichen könnte, seine US-Ölproduktion um 15 bis 19 % zu steigern. Vielleicht wird man sich das nochmal überlegen. Pioneer Natural Resources hat sein Budget für 2018 bei steigenden Ölpreisen von 2,9 Milliarden US-Dollar auf 3,4 Milliarden US-Dollar erhöht. Allerdings könnte Pioneer im Jahr 2019 möglicherweise nicht so viel ausgeben, da dies den gesamten erwarteten Cashflow für dieses Jahr darstellt.

Der schwindende Optimismus könnte die Ausgabenpolitik verändern

Die Ölgesellschaften wurden bis vor wenigen Wochen immer optimistischer in Bezug auf den Ölmarkt. Diese Aufwärtstendenz beginnt sich jedoch zu verflüchtigen. Das könnte sie veranlassen, ihre Pläne zu überdenken und einige von ihnen könnten auch mehr Geld in Rückkäufe stecken, anstatt zusätzliche Bohrungen durchzuführen, was langfristig mehr Shareholder Value schaffen könnte.

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The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Dieser Artikel wurde von Matthew DiLallo auf Englisch verfasst und am 14.11.2018 auf Fool.com. veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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