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Alibaba steht vor einem gewaltigen neuen Rivalen in Russland: Yandex

Foto: Getty Images.

Yandex (WKN:A1JGSL), Eigentümer von Russlands führender Suchmaschine, hat kürzlich einen Online-Marktplatz namens Beru ins Leben gerufen, von dem behauptet wird, dass er bis Ende 2020 eine der drei führenden E-Commerce-Plattformen des Landes für lokale Waren werden könnte. Die Plattform wird fast 100.000 verschiedene Produkte anbieten, mit einem anfänglichen Schwerpunkt auf Haustierprodukte, Windeln, Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräte.

Beru wird viele der umsatzstarken Produkte über Eigenmarken verkaufen und helfen, Käufer und Verkäufer von weniger verbreiteten Artikeln gegen eine Provision von etwa 10 % zusammenzubringen. Die russische Staatsbank Sberbank (WKN:902954), die 500 Mio. US-Dollar in die Plattform investiert, wird den Bau der Lager von Beru finanzieren.

Im Gegenzug für diese Investition gibt Yandex der Sberbank die Hälfte von Yandex.Market, einer Preisvergleichsplattform, die mit externen Unternehmen verbunden ist. Yandex versuchte vor zwei Jahren, Yandex.Market in einen direkten Online-Händler wie Amazon (WKN:906866) zu verwandeln, aber das scheiterte aufgrund verwirrter Kunden und Händler, da die Preisvergleichsplattform mit Direktverkäufen vermischt war.

Die Einführung von Beru als neue Plattform ähnlich wie Amazon — das es aufgrund politischer Spannungen und logistischer Herausforderungen nicht nach Russland geschafft hat — könnte diese Verwirrung beseitigen und mehr russische Käufer online bringen. Wenn Yandex erfolgreich ist, könnte Beru zu einer großen Bedrohung für Alibabas (WKN:A117ME) AliExpress werden, dem führenden E-Commerce-Unternehmen des Landes.

Den russischen E-Commerce-Markt verstehen

Russland hat eine Internetzugangsrate von über 70 %, aber E-Commerce-Transaktionen werden laut eMarketer in diesem Jahr nur 3 % der gesamten Retail-Transaktionen des Landes ausmachen. Die schleppende Akzeptanz von Online-Shopping ist vor allem auf das Fehlen eines zusammenhängenden Logistiknetzwerks in der riesigen Region zurückzuführen.

Doch trotz dieser Herausforderungen übernahm Alibaba den Markt mit AliExpress, einem Marktplatz, der es chinesischen Händlern ermöglichte, ihre Waren direkt an ausländische Kunden zu verkaufen. Das funktionierte aufgrund der Nähe von China zu Russland gut, und Alibaba gab lediglich die Versandkosten an die Kunden weiter.

Laut Ecommerce News Europe kontrolliert AliExpress nun 69 % des russischen E-Commerce-Marktes. Alibaba hat im vergangenen Jahr auch eine spezielle Version von Tmall für russische Käufer auf den Markt gebracht und kürzlich mit dem Milliardär Alisher Usmanov ein vom Kreml unterstütztes E-Commerce-Venture im Wert von 2 Mrd. US-Dollar gestartet. Daher plant Alibaba offensichtlich, den Vorteil von AliExpress als Erstanbieter als Startpunkt zu nutzen, um das „Amazon von Russland“ zu werden.

Aber das ist noch nicht alles. Kleinere Wettbewerber wie der Bekleidungs-Onlinehändler Wildberries und die Unterhaltungselektronik-Händler Citilink und M.video bauen ebenfalls ihre Online-Präsenzen aus. Alibabas Rivale JD.com strebt ebenfalls eine Rückkehr auf den russischen Markt an, nachdem das Unternehmen ihn 2015 nicht erobern konnte. Es besteht auch die Chance, dass Amazon, das Probleme damit hatte, sich in China zu etablieren, nun stattdessen nach Russland expandieren möchte.

Wie Beru Yandex helfen könnte

Yandex ist Russlands führende Suchmaschine für PCs und mobile Geräte, steht aber nach wie vor im intensiven Wettbewerb mit Alphabets Google, das auf Platz zwei rangiert.

Um Google entgegenzuwirken und seine Nutzer zu binden, erweiterte Yandex aggressiv sein Ökosystem an Dienstleistungen. Darunter befinden sich Cloud- und E-Mail-Dienste, ein virtueller Assistent namens Alice, eine KI-gestützte Empfehlungsplattform, Streaming-Videos auf seiner Homepage, Fahrten und Essenslieferungen von Yandex.Taxi und Online-Zahlungen über Yandex.Checkout. Es wurde auch ein Firmware-Update namens Yandex.Kit veröffentlicht, das eine Version von Android erstellt, mit der die Hersteller die Erstanbieter-Apps von Google durch Yandex-Apps ersetzen können.

Die Einführung von Beru ist eindeutig eine Erweiterung dieser Strategie, und könnte helfen, die früheren Misserfolge des Unternehmens mit Yandex.Market zu überwinden. Wenn alles gut geht, könnte Yandex seine Position als Russlands führender Suchanbieter nutzen, um Beru bei mehr Käufern zu bewerben, es in andere Dienste wie Yandex.Market, Yandex.Checkout und Alice zu integrieren und ein zusammenhängendes „Amazon-ähnliches“ Erlebnis für die Käufer zu schaffen.

Diese Expansion könnte das Geschäft von Yandex weg von der Online-Werbung diversifizieren, die im zweiten Quartal 2018 83 % des Umsatzes ausmachte.

Aber kann es Alibaba stürzen?

Mit der Unterstützung von Russlands größter Bank und seiner besten Suchmaschine sieht Beru wie ein gewaltiger neuer Feind für Alibaba aus. Beru könnte es jedoch immer noch schwer haben, russische Käufer von AliExpress fernzuhalten, zudem könnte die Einführung einer lokalen Tmall-Plattform Alibabas Vorsprung sichern. Daher ist die Einführung von Beru zwar ein kluger Schachzug von Yandex, doch das Unternehmen hat noch eine Menge aufzuholen.

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John Mackey, CEO von Whole Foods Market, einem Tochterunternehmen von Amazon, ist Mitglied des Vorstands von The Motley Fool. Suzanne Frey ist Führungskraft bei Alphabet und Mitglied des Vorstands von The Motley Fool.

The Motley Fool besitzt und empfiehlt Alphabet (A- und C-Aktien) und Amazon. The Motley Fool empfiehlt Yandex. 

Dieser Artikel wurde von Leo Sun auf Englisch verfasst und am 29.10.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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