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3 ganz junge Erkenntnisse von sehr erfolgreichen Value-Investoren

Foto: Getty Images

Die vielen roten Zahlen beim Blick auf unsere Depots in den letzten Tagen machen keinem so wirklich Spaß. Die letzte Zeit war mit ihrer geringen Volatilität allerdings eine deutliche Ausnahme.

Seit Anfang 2017 haben wir genau zwei Handelstage erlebt, an denen der DAX um mindestens 2 % gesunken ist. In den 20 Jahren vorher passierte das im Durchschnitt rund 20-mal pro Jahr. Und trotzdem ist der DAX in diesem Zeitraum um 416 % gestiegen.

In Zeiten wie diesen sollten wir daher zwei Dinge nicht vergessen:

  1. Volatilität gehört zum Alltag an der Börse.
  2. Die langfristige Entwicklung an der Börse zeigt trotzdem nach oben.

Zumindest war das historisch der Fall für den hiesigen Aktienmarkt und den wohl wichtigsten Aktienmarkt in den USA. Was die Zukunft anbelangt, darüber lässt sich streiten. Insbesondere, wenn man „nur“ 5–10 Jahre in die Zukunft schaut. Und es gibt durchaus gute Argumente dafür, dass wir über diese Zeiträume nicht die historischen Renditen von ca. 7 bis 8 % pro Jahr erwarten können.

Was man unter anderem auch aufgrund der nicht überall geringen Marktbewertung in den letzten Jahren schon immer mehr vernimmt, ist die Meinung, dass deswegen das gute alte Buy&Hold- Investieren tot sei.

Wir bei The Motley Fool glauben das nicht. Wir praktizieren diese Art des Investierens seit mehr als zwei Jahrzehnten erfolgreich. Auch wenn Buy&Hold vielleicht nicht ganz der richtige Begriff dafür ist – ich würde es eher als Buy to Hold beschreiben, da es sich bei dem Halten mehr um ein selten realistisches Ideal handelt als um eine unablässige Voraussetzung. Aber wie auch immer, wir gehen davon aus, dass es auch in den nächsten 20 Jahren noch funktionieren wird, großartige Unternehmen zu kaufen und möglichst lange zu halten.

Umso mehr hat es mich gefreut, als ich in der aktuellen Herbst-Ausgabe des Value Investing Newsletters von Graham & Doddsville das Interview mit einigen der Hauptinvestoren von Tweedy, Browne Company gelesen habe. Nicht nur teilen sie darin meine Meinung, dass das langfristige und unternehmensorientierte Investieren keine „verlorene Kunst“ ist (im Gegenteil sogar: Da immer mehr Kapital passiv investiert wird, erwarten auch sie sogar mehr Chancen). In dem Interview teilen sie auch direkt und indirekt einige sehr wichtige Erkenntnisse für die erfolgreiche, langfristige Geldanlage in Aktien.

Drei davon würde ich ganz besonders hervorheben.

1. Geduld ist doppelt wichtig: Vor dem Kauf ebenso wie danach

Ich habe schon oft darüber geschrieben, weshalb es sich lohnt, mit seinen Investitionen geduldig zu sein. Wenn man mich nach einem einfachen Rezept für höhere Renditen fragt, dann empfehle ich in der Regel, den Versuch zu wagen, einfach seine bisherige Haltedauer von Aktien in Zukunft zu verdoppeln.

Bob Wyckoff gibt in dem Interview aber noch ein ganz anderes Beispiel dafür, wo sich Geduld auszahlt. Cisco war einer der Lieblinge während der Tech-Blase vor 20 Jahren. Und wie alle Technologiewerte stürzte die Aktie im Jahr 2000 von 80 US-Dollar auf unter 10 US-Dollar unheimlich in die Tiefe. Tweedy, Browne hat jedoch noch ein Jahrzehnt gewartet, bis man die Aktien in den Jahren 2011 und 2012 kaufte. Damals handelte die Aktie mehr als 50 % über ihrem Tief aus dem Jahr 2002. Nur die Bewertung sah aufgrund gestiegener Gewinne wesentlich ansprechender aus – dem Markt gefiel das deutlich gesunkene Wachstum nicht.

Heute sind die Cisco-Aktien von Tweedy, Browne rund das Dreifache wert. Diese Art von Gewinnen erzielt man nur langfristig – und eben auch dadurch, dass man Aktien zum richtigen Preis kauft, auch wenn man dafür manchmal ebenso lange warten muss. Geduld zahlt sich in jedem Fall aus.

2. Man muss seine Bewertungskriterien nicht für Wachstumsaktien über Bord werfen

Die Investoren von Tweedy, Browne sprechen ein zweites Beispiel an, bei dem man geduldig auf die richtige Bewertung wartete: Google. Dessen Aktie kaufte man ebenfalls 2012, zum 12- bis 13-Fachen des operativen Gewinns. Man konnte also eine der großartigsten Wachstumsaktien der letzten Jahre zu einem Preis kaufen, zu dem heute selbst durchschnittliche Unternehmen mit geringem Wachstum die Hände wechseln.

Offensichtlich kommt man auch als wirklicher Value-Investor zumindest an die eine oder andere der großartigsten Aktien. Tom Shrager drückt es im Interview so aus:

„Wir besitzen heute mehr Technologieaktien als in der Vergangenheit, aber wir mussten dafür nicht unsere Disziplin bezüglich Bewertungsmaßstäben über Bord werfen.“

Diese Disziplin hinderte sie allerdings am Kauf der zwei Top-Aktien der letzten Jahre. Aber:

3. Disziplin ist wichtiger, als das nächste Amazon zu finden

Jeder möchte das nächste Amazon oder das nächste Netflix in seinem Depot haben. Aber weißt du was? Man muss das gar nicht, um an der Börse reich werden zu können!

„Unternehmen wie Amazon und Netflix sind ein viel schwierigeres Unterfangen für uns aufgrund der Art und Weise, wie wir Unternehmen bewerten. Sie passen nicht in unser Konzept.“

Das sollten wir alle mehrmals lesen und uns auf der Zunge zergehen lesen. Hier kommen einige der großartigsten Investoren um die Ecke, die aber die besten Aktien der letzten Jahre nicht einmal für ihr Depot berücksichtigen.

Sicherlich kann man sagen, dass ihnen dadurch noch größere Renditen entgangen sind. Was man dabei jedoch vergisst, ist, dass man das nächste Amazon oder Netflix nur über einen von zwei Wegen in sein Portfolio bekommt:

  • Entweder man hat viel mehr Glück als Verstand und investiert zufällig in die richtige Aktie
  • oder man investiert in alle Aktien, die das nächste Amazon oder Netflix werden können.

Ersteres hat den Nachteil, dass es nicht planbar ist. Man könnte ebensogut Lotto spielen. Letzteres hat den Nachteil, dass sehr wahrscheinlich die meisten dieser Aktien Nieten sein werden. Man hat dadurch ebenso großartige Chancen auf insgesamt großartige Renditen auf lange Sicht (unser Gründer David Gardner ist der lebende Beweis dafür). Aber es ist eben ein ganz anderer Investitionsansatz.

Die Erkenntnis daraus: Disziplin ist wichtiger als zu versuchen, dem nächsten großen Ding nachzujagen.

Es gibt noch viel mehr Erkenntnisse zu gewinnen

Ich würde mich selbst nicht als klassischen Value-Investor bezeichnen (sonst hätte ich wahrscheinlich kein Amazon im Depot). Trotzdem konnte ich noch so viel mehr aus diesem Interview und dem ganzen Newsletter gewinnen – ich kann ihn nur jedem Anleger als Lektüre ans Herz legen.

Aber selbst wer keine Zeit oder Lust dafür hat: Hoffentlich helfen diese drei Erkenntnisse dabei, in Zukunft mit den eigenen Investitionen noch höhere Renditen zu erzielen.

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