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Tencent Music vor dem Börsengang: Viel mehr als das chinesische Spotify

Foto: Getty Images

Westliche Investoren lieben beim Blick nach China große Vergleiche. Baidu ist das chinesische Google. Wahlweise JD.com oder Alibaba das chinesische Gegenstück zu Amazon. Erst kürzlich wurde mit iQiyi der Börsengang des chinesischen Netflix gefeiert. Alsbald steht nun die nächste Party an. Tencent  (WKN:A1138D) bringt mit Tencent Music nämlich das sogenannte chinesische Spotify (WKN:A2JEGN) an die amerikanische Wertpapierbörse.

So schön einfach diese Vergleiche auch sein mögen, die Unterschiede der chinesischen Unternehmen zu den vermeintlichen amerikanischen Pendants sind meistens erwähnenswert. Das zeigt auch der Vergleich von Spotify mit Tencent Music. Beide Unternehmen halten übrigens gegenseitig größere Anteile voneinander.

Das Geschäft von Spotify ist einfach erklärt. Bei Nutzern, die eine werbefreie Version der Musik-Streaming-Plattform möchten, kassiert Spotify eine monatliche Gebühr. Bei Nutzern, die sich an den regelmäßigen Werbeunterbrechungen nicht stören, verdient Spotify an der Einblendung dieser Werbung.

Genau dasselbe macht auch Tencent Music. Nur, dass bei Tencent Music diese zwei Umsatzströme im ersten Halbjahr 2018 nicht einmal für 30 % der Umsätze verantwortlich waren. Die anderen 70 % verdiente Tencent Music mit sogenannten Social Entertainment Services.

Hinter diesen Services versteckt sich das Teilen von Live-Videos und Karaoke-Performances. Auch hier gibt es Premium-Mitgliedschaften. Weitaus wichtiger sind aber virtuelle Geschenke. Gefällt einem Nutzer das, was ein anderer Nutzer online stellt, kann er ihm ein virtuelles Geschenk zukommen lassen. Tencent Music kassiert dabei einen Teil vom Gegenwert des Geschenks.

Dieses Geschäft hat natürlich deutlich höhere Gewinnmargen als das Musik-Streaming-Geschäft, welches mit hohen Lizenzgebühren für die Inhalte und geringen Umsätzen pro Nutzer einhergeht – der von den Nutzern generierte Inhalt wird zwar auf der Plattform gespeichert, aber von den Nutzern bezahlt. Daher überrascht es nicht, dass Tencent Music im Vergleich zu Spotify trotz derzeit noch deutlich geringerer Umsätze finanziell deutlich besser dasteht. Nach den ersten sechs Monaten blieb von den 1,3 Milliarden US-Dollar Umsatz 40 % als Bruttogewinn übrig – im Vergleich zu gerade einmal 25 % bei Spotify – und ein operativer Gewinn von 277 Millionen US-Dollar. Bei Spotify steht trotz deutlich höheren Umsätzen von 2,4 Milliarden US-Dollar ein operativer Verlust von 131 Millionen US-Dollar.

Unterm Strich ist Tencent Music also tatsächlich nur zu 30 % mit Spotify vergleichbar. Mit den anderen 70 % ist Tencent Music ein Unternehmen mit einem deutlich profitableren Geschäft und einer deutlich größeren Interaktion zwischen den einzelnen Mitgliedern. Vielleicht also eher vergleichbar mit Youtube. Zumindest, wenn man Youtube um virtuelle Geschenke ergänzen würde.

Das alles zeigt uns, dass wir mit pauschalen Vergleichen aufpassen sollten. Diese sind zwar sehr schnell zur Hand und einprägsam, meistens aber nicht ganz passend. Der zweite Blick lohnt sich auch hier.

Und noch etwas sticht beim Blick auf die Zahlen von Tencent ins Auge. Während Spotify heute 180 Millionen monatliche Nutzer hat, wovon 83 Millionen eine Abogebühr bezahlen, sind es bei Tencent Music nur 33 Millionen der monatlich über 800 Millionen Nutzer. Auch das ist ein Unterschied zu den vermeintlichen amerikanischen Pendants, China ist einfach eine Nummer größer.

Wie groß stehen nun aber die Chancen, dass Spotify ein ähnliches Geschäft aufziehen könnte, wie es Tencent Music tut, um die Profitabilität zu verbessern? Nun ja, so gerne ich auch mir von Spotify erstellte Wiedergabelisten anhöre, so ungern würde ich ein Video von mir auf die Plattform stellen, das mich beim schiefen Mitsingen zeigt.

Aber vielleicht unterschätze ich hier die Chancen von Spotify. Vielleicht ist auch das einer dieser Fälle, bei denen man von seinem eigenen Verhalten nicht auf das Verhalten von anderen schließen sollte. Denn um ehrlich zu sein, würden die virtuellen Geschenke für ein Karaoke-Video von mir wohl auch eher bescheiden ausfallen.

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Offenlegung: John Mackey, CEO von Whole Foods Market, einem Tochterunternehmen von Amazon, ist Mitglied im Board of Directors von The Motley Fool. Sven besitzt Aktien von Baidu. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Amazon, Baidu, JD.com und Tencent Holdings. The Motley Fool empfiehlt iQiyi.

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