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Darum muss Siemens den neuen GE-Chef nicht fürchten

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Bei Siemens (WKN:723610) mag in letzter Zeit etwas Sand im Getriebe gewesen sein, aber im Vergleich zu den Zuständen bei General Electric (WKN:851144) stehen die Münchner sicherlich ausgezeichnet da. „Die Ikone wankt“, titelt das manager magazin. Jetzt soll es ein neuer Boss richten. Selbst wenn dieser dabei Erfolg hat und die Aktie wieder nachhaltig nach oben dreht, müssen sich Anleger des ewigen Rivalen aus Deutschland kaum Sorgen machen.

Das ist H. Lawrence „Larry“ Culp Jr.

Larry Culp kommt von Danaher (WKN:866197), einer legendären Übernahmemaschine. Dort war er über mehr als zwei Jahrzehnte beschäftigt. Bereits im Alter von 37 und zum Tiefpunkt der Dot-com-Krise 2001 wurde er auf den Chefsessel berufen, nachdem er sich zuvor auf verschiedenen Positionen innerhalb des Konglomerats einen Namen gemacht hatte, darunter in Vertrieb und Marketing. Es gelang ihm, die Erfolgsgeschichte fortzuschreiben. Die Danaher-Aktie hat sich seither etwa verzehnfacht.

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Auffällig dabei ist, dass er bereits damals zu den bestbezahlten Managern der Welt zählte. 2010 war er mit 141 Mio. US-Dollar sogar die Nummer 1. Er hatte sich eine aktienbasierte Vergütung zusichern lassen, die dank der außergewöhnlichen Entwicklung des Kurses auf eine gigantische Größe anschwoll. 2014 verließ er auf eigenen Wunsch Danaher, um sich privaten Interessen und der akademischen Welt zuzuwenden.

Erst im April dieses Jahres kam er zurück in die Geschäftswelt als Aufsichtsrat von GE. Nun löst er John Flannery ab, dem nicht mehr als 14 Monate zugestanden wurden, um sich zu beweisen.

Was man vom neuen GE-Chef erwarten kann

Danaher ist bekannt für die Methoden des Danaher Business Systems, sicherlich ein Hauptfaktor des großartigen Erfolgs. Diese lehnen sich an Konzepte wie Kaizen und Schlanke Produktion an und werden konsequent bei allen übernommenen Unternehmen eingeführt. Es hilft dabei, die Kosten im Griff zu behalten und kontinuierlich nach Verbesserungen zu streben. Außerdem schafft es ein gemeinsames Vokabular für alle Töchter, sodass es leichter wird, Synergien zu heben.

Für seine Übernahmeziele sucht das Danaher-Management fast immer hochspezialisierte Unternehmen, die in ihrer Nische führende Positionen einnehmen. Töchter mit ähnlicher technologischer Ausrichtung werden zu Segmenten zusammengefasst und gelegentlich fusioniert, sodass nach und nach starke Teilkonzerne entstehen. Trotzdem wird der Marktauftritt der einzelnen Töchter in der Regel nahezu unverändert weitergeführt.

Heute liegt der Fokus vor allem auf Medizin- und Labortechnik sowie Speziallösungen für industrielle Anwendungen, etwa für die Druckindustrie. Bereiche wie die Mess-, Sensor- und Steuerungstechnik, die zu Culps Zeiten noch dazugehört hatten, wurden 2016 als Fortive (WKN:A2AJ0F) abgespalten.

Aus all dem schließe ich, dass für Culp drei Dinge wichtig sind:
– ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess, der in allen Bereichen gelebt wird
– die Erlangung der Marktführerschaft in profitablen Nischen
– größtmögliche Eigenverantwortlichkeit der einzelnen Geschäftsbereiche

Das scheint ein gutes Rezept für steigende Profite zu sein, denn auch Fortive, die die Methoden weiterhin einsetzt, hat sich seit 2016 ausgezeichnet entwickelt. Unter den Töchtern mit Danaher-Genen befinden sich zahlreiche, die mit Siemens in Konkurrenz stehen, darunter die Diagnostiksparte und Altra Industrial Motion (WKN:A0LGD8), die kürzlich die Aktivitäten rund um Antriebstechnik und Bewegungsregelung übernommen hat. Keine Frage, Larry Culp kennt die meisten Zielmärkte von Siemens in- und auswendig.

Warum Siemens sich wegen Culp keine Sorgen machen muss

Dass die Chancen gut stehen, dass Culp den lecken GE-Tanker auf Erfolg trimmen und damit wieder ein fettes Aktienpaket einstreichen kann, muss jedoch nicht unbedingt eine schlechte Nachricht für Siemens sein. Für dessen Vorgänger ging es oft darum, um jeden Preis Marktanteile zu erobern. Dann wurden überteuerte Übernahmen getätigt und auch mal Kampfpreise geboten, um der Konkurrenz ein Großprojekt abzujagen. Diese Rivalität drückte zum Teil ordentlich auf die Margen.

Dagegen hatte Danaher nach meinem Eindruck nie die Ambition, Weltmarktführer einer ganzen Branche zu werden. Unter Culp hat man sich damit zufriedengegeben, in einzelnen profitablen Nischen spitze zu sein. Ich gehe daher davon aus, dass er einer Konfrontation mit Siemens tendenziell aus dem Weg gehen wird, sodass jeder auf seine Weise glücklich werden kann.

Statt die Umsatzausweitung zu suchen, wird er zunächst intensiv nach innen arbeiten, um mit eisernem Besen durchzukehren und brachliegende Ressourcen zu aktivieren. Gut möglich, dass er versuchen wird, aus der Konzernforschung heraus neue spezialisierte Hightechgeschäftsbereiche zu entwickeln, die mit Siemens kaum etwas zu tun haben. Andererseits schätze ich, dass er Siemens im immer wichtiger werdenden Bereich Industrie 4.0 samt der Cloudplattform Mindsphere nicht in die Quere kommen wird. Der Rückstand ist nach meinem Eindruck einfach zu groß.

Spannend wird dann noch sein, ob Culp an dem Investitionsprogramm zur Entwicklung einer Super-Offshore-Turbine festhalten wird, das viele Marktbeobachter für unrentabel halten. Wenn ja, dann muss sich Siemens Gamesa (WKN:A0B5Z8) ein bisschen Sorgen machen, aber der Gesamtkonzern kann der Ära Culp wahrscheinlich einigermaßen entspannt entgegenblicken.

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Ralf Anders partizipiert über ein von ihm betreutes Indexzertifikat an der Aktienentwicklung von Siemens und Siemens Gamesa. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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