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thyssenkrupp kickt sich aus dem DAX: Was die Aufspaltung sonst noch bringt

Bild: © ThyssenKrupp Steel Europe

Der Thyssen-Konzern war ein Gründungsmitglied des DAX im Jahr 1988 und hat seine Position durch die Fusion mit Krupp weiter gefestigt. Aber ab 2008 folgte eine Krise auf die andere, was thyssenkrupp (WKN:750000) in Existenznot brachte. Davon konnte sie sich zwar zuletzt einigermaßen befreien, aber die Probleme, den Anschluss an das DAX-Mittelfeld zu halten, sind geblieben.

Jetzt soll die Aufspaltung in zwei Teile kommen, sodass ein doppeltes Abrutschen in den MDAX wahrscheinlich wird. Dazu gleich mehr sowie alles Wichtige, was Anleger zu den beiden neuen Unternehmen und ihren Aktien wissen müssen.

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Warum mir die Struktur der Aufspaltung gefällt

Ehrlich gesagt hatte ich große Bedenken gegen die Konzernzerschlagung (vergleiche mein Artikel vom 10.07.). Die damit verbundenen Kosten und die Unruhe, die solch ein Umbau samt Stühlerücken bei den Arbeitnehmern verursacht, das fand ich besorgniserregend und den Aufwand nicht wert. Schließlich ist thyssenkrupp trotz der Rückkehr zur Profitabilität bilanziell immer noch ziemlich schwach auf der Brust und sollte sich erst einmal nachhaltig stabilisieren.

Aber so wie es jetzt vorgeschlagen wurde, ergibt das wirklich Sinn für mich. „thyssenkrupp Industrials“ wird sehr Engineering-lastig und „thyssenkrupp Materials“ deckt die Stahllieferkette ab, von den Vorprodukten über den Handel bis hin zum Stahlservice und großen Stahlkomponenten und -endprodukten. Damit bekommen wir eine interessante Alternative zu den Aktien von Salzgitter (WKN:620200), die sehr ähnlich aufgestellt ist.

Etwas gestutzt habe ich, warum die Autoteile im Engineering-Bereich untergekommen sind, anstatt bei den Stahlkomponenten. Schließlich sind Produktionslinien und Fahrzeugkomponenten aus Vertriebssicht zwei völlig unterschiedliche Paar Schuhe, sodass eine Zusammenfassung nicht unbedingt logisch erscheint. Aber ich denke, in diesem Fall kann man das machen, zumal die Komponenten auch technisch immer anspruchsvoller werden und nicht mehr reine Stahlprodukte sind.

Der schlaue Schachzug mit dem Minderheitsanteil

Der Materials-Konzern wird die Nachfolge der heutigen thyssenkrupp antreten, während der Industrials-Konzern abgespalten wird. Allerdings werden nicht alle Aktien direkt unter den Bestandsaktionären verteilt. Stattdessen wird ein Teil davon einbehalten, ähnlich wie CECONOMY (WKN:725750) das mit der neuen Metro (WKN:BFB001) gemacht hatte.

Auch wenn die Rechnung für die beiden Handelskonzerne nicht so richtig aufgegangen ist, sehe ich das Vorgehen positiv. Es stellt nämlich eine Art versteckte Kapitalerhöhung dar: die einbehaltenen Anteile sollen zu einem späteren Zeitpunkt zu Geld gemacht werden.

Auf diese Weise sollte es gelingen, beide Teile bilanziell solide aufzustellen. Zusammen werden sie folglich auch etwas mehr wert sein als vor der Aufspaltung. Aber wird es genug sein, um den Platz im DAX für einen der zwei zu behaupten?

Die Aussichten für einen DAX-Verbleib

Voraussichtlich wird es nicht reichen. thyssenkrupp wird aktuell (01.10.) mit etwa 13 Mrd. Euro bewertet. Man darf davon ausgehen, dass der Industrials-Konzern wertvoller sein wird: Wenn man von der operativen Profitabilität des vergangenen Geschäftsjahrs ausgeht, dann könnten rund zwei Drittel der aktuellen Marktkapitalisierung auf ihn entfallen, also etwa 8,5 Mrd. Euro. Auf den Materials-Konzern würden dann ca. 4,5 Mrd. Euro plus den Wert des Aktienpakets entfallen, zusammen sicherlich weniger als die 8,5 Mrd. Euro.

Natürlich könnte sich die Aktie (und ihre Nachfolger) über die nächsten Monate überdurchschnittlich entwickeln, aber derzeit werden alle DAX-Konzerne mit mehr als 10 Mrd. Euro bewertet und im MDAX lauern weitere Kandidaten. Hinzu kommt, dass der für das Ranking entscheidende Anteil der freien Aktionäre zunächst relativ gering sein wird, solange Ankeraktionäre und der Materials-Konzern an Bord bleiben. Aus jetziger Sicht müssten die thyssenkrupps also erstmals aus der Top-Liga weichen.

Wenn allerdings ein anderer Konzern einen Platz freimacht, steigen die Chancen wieder. So plant etwa Linde (WKN:648300), den Hauptsitz nach der Fusion mit Praxair (WKN:884364) nach Irland zu verlegen, sodass Frankfurt eventuell nicht mehr der primäre Börsenplatz sein würde.

Wichtig ist, dass die Aufspaltung reibungslos klappt

Nach langem Führungschaos haben sich die Verantwortlichen um den neuen Chef Guido Kerkhoff sichtlich Mühe gegeben, eine Lösung zu finden, die thyssenkrupp wieder eine klare Idee verleiht, ohne den Konzern und seine Mitarbeiter zu stark zu belasten. Dass dafür die jahrzehntelange DAX-Mitgliedschaft geopfert werden muss, wiegt meines Erachtens nicht so schwer.

Es kommt jetzt darauf an, dass der ganze Prozess gut implementiert wird, sodass zwei starke Unternehmen entstehen, die für unterschiedliche Investorengruppen interessant sein könnten. Dabei hilft auch der Trick mit der versteckten Kapitalerhöhung. Zusammengefasst bin ich bisher also zuversichtlich, dass hier für die Aktionäre Mehrwert geschaffen wird.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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