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Warum ich von diesem spannenden Wachstumsunternehmen die Finger lasse

Stell dir vor, du findest ein interessantes Unternehmen, prüfst das Geschäftsmodell und die Bilanzen, bist von allem voll überzeugt – und kaufst die Aktie trotzdem nicht. Genau das ist mir vor einigen Monaten bei den Aktien von ISRA Vision (WKN:548810) passiert.

Vielleicht fragst du dich, warum ich nicht zugeschlagen habe. Das will ich dir jetzt erklären, um anhand dieses Beispiels auf einen wichtigen Sachverhalt beim Investieren aufmerksam zu machen.

Was macht ISRA?

ISRA Vision stellt führende Machine-Vision-Systeme für Industrieunternehmen her und profitiert damit vom Megatrend Industrie 4.0: Mit ISRAs Lösungen können Produktions- und Qualitätsprüfungsprozesse automatisiert werden, da die Maschinen selbst sehen, wenn etwas nicht stimmt. Das führt zu geringeren Kosten und geringeren Fehlerquoten in der Produktion.

Aufgrund der vielen Vorteile, die es für Industrieunternehmen haben kann, die Qualitätskontrolle zu automatisieren, gibt ISRA an, dass sich die Investitionen in Machine-Vision-Lösungen von ISRA in weniger als sechs Monaten amortisieren können. Amortisation heißt, dass der finanzielle Nutzen einer Investition die Kosten übersteigt.

Grand View Research geht davon aus, dass der globale Markt für maschinelles Sehen bis 2025 um 8,5 % im Jahr wachsen kann: Betrug das Marktvolumen 2016 noch 9,1 Mrd. US-Dollar, so sollen es im Jahr 2025 19,2 Mrd. Dollar sein.

ISRA hat trotz des beeindruckenden Wachstums der Vergangenheit – seit der Jahrtausendwende gab es nur ein Jahr mit einem Umsatzminus im Vergleich zum Vorjahr – also noch längst nicht das Ende der Fahnenstange erreicht.

Da passt es nur ins Bild, dass der Mitgründer und CEO von ISRA Vision, Enis Ersü, mit 25 % am Unternehmen beteiligt ist. Ich mag hohe Beteiligungen des Managements am Unternehmen, da das zeigt, dass das Management vom Unternehmen überzeugt ist. Außerdem sorgt es dafür, dass das Unternehmen mit mehr Weitblick geführt wird.

Wie sehen die Zahlen aus?

Die Zahlen von ISRA können sich wirklich sehen lassen. Die EBIT-Marge (der Anteil vom Umsatz, der als Ergebnis vor Zinsen und Steuern übrig bleibt) liegt in den ersten drei Quartalen des laufenden Geschäftsjahres bei hervorragenden 20 %. Das Unternehmen erwirtschaftet aus dem Geschäft genug Bargeld, um seine Investitionen zu tätigen und eine Dividende zu zahlen.

Das Unternehmen ist aktuell zu 64,7 % mit Eigenkapital finanziert – ein exzellenter Wert, der dafür spricht, dass das Geschäft sehr solide finanziert ist. Obendrein sind die kurzfristigen Vermögenswerte fast dreimal so hoch wie die kurzfristigen Verbindlichkeiten, was Zahlungsschwierigkeiten aktuell so gut wie unmöglich macht.

Und warum habe ich nicht investiert?

Das klingt alles toll, und trotzdem besitze ich keine ISRA-Aktien. Warum nicht?

Die Bewertung ist schuld.

Auf Basis der Zahlen des Geschäftsjahres 2016/2017 zahlt man für eine ISRA-Aktie heute (24. September 2018) ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 48,5, ein Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) von 7,0 und ein Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) von 5,6. Alle Werte liegen damit deutlich über den Marktdurchschnitten.

Hohe Bewertungen sind natürlich erst einmal kein Problem für Wachstumsunternehmen wie ISRA. Aber ich finde, dass der Markt hier ein Stück weit übertreibt. Warum? Ich rechne dir mal kurz was vor:

Legen wir die prognostizierte Marktwachstumsrate von 8,5 % zugrunde und machen 10 % daraus, da wir annehmen, dass ISRAs Umsätze etwas schneller wachsen können als das Marktvolumen. Dann ergibt sich im Jahr 2025 ein Jahresumsatz von rund 306,5 Mio. Euro.

Wenn wir für das Jahr 2025 eine leicht verbesserte Nettogewinnmarge von 16 % annehmen (2017 lag dieser Wert bei 14,5 %), ergibt sich ein Jahresgewinn von gut 49 Mio. Euro, was knapp 2,4-mal so hoch ist wie der Gewinn von 2017.

Selbst auf Basis unseres großzügig geschätzten Gewinns von 2025 ist ISRA zum heutigen Kurs immer noch mit einem KGV von 20,3 bewertet! Wie ich es auch drehe und wende, ISRA scheint mir im Moment stark überbewertet zu sein.

Der Einfluss der Bewertung

Beim Investieren sollten wir nicht vergessen, wie wichtig die Bewertung eines Unternehmens ist. Ein Einstieg bei einer übertrieben hohen Bewertung kann ganz schön viel Rendite kosten. Daher sollten wir nicht in zu teure Unternehmen investieren, auch wenn das Unternehmen noch so großartig ist.

ISRA ist so ein Fall. Das Unternehmen operiert erfolgreich und hochprofitabel in einem Wachstumsmarkt und ist solide finanziert. Doch die hohe Bewertung lässt sich nicht einmal durch zukünftige Gewinnsteigerungen rechtfertigen.

Sollte jedoch ein Marktcrash kommen und die ISRA-Aktie stark fallen, dann steht sie auf einem der vordersten Plätze meiner Watchlist.

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Christoph Gössel besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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