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Steinhoff macht auf Optimismus: Das Wichtigste aus der Gläubigerpräsentation in London

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Wow, 139 Folien, vollgepackt mit Informationen zu Steinhoff International (WKN:A14XB9). Um die nervösen Geldgeber bei der Stange zu halten, versorgte die Holding sie mit einem aktualisierten Überblick zum Geschäftserfolg der operativen Töchter und zur Finanzlage. Die Aktionäre reagierten zunächst enttäuscht. Damit du dir ein eigenes Bild machen kannst, kommentiere ich im Folgenden das Wichtigste.

Der Schuldenstand bleibt heftig

Die Präsentation richtete sich an die Fremdkapitalgeber und da geht es natürlich zuerst um die Schulden. Die summieren sich nun auf 9,8 Mrd. Euro. Damit sind sie also sogar noch gestiegen. Da musste ich erst mal schlucken, denn eigentlich hätte ich einen Rückgang zumindest in den Bereich von 8,5 Mrd. erwartet.

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Allerdings sind nach meiner Interpretation noch ein paar Überweisungen aus den zuletzt verkündeten Deals unterwegs, darunter die Möbelfertigung („Steinpol“) und Kika-Leiner-Immobilien (490 Mio. Euro). Was genau Sache ist, wird wohl erst der hoffentlich makellose Bericht zum Ende September ablaufenden Geschäftsjahr zeigen. Dieser soll im Januar kommen.

Klar wird jedenfalls, dass die Holding weiterhin praktisch sämtliche Liquidität benötigt, um sich über Wasser zu halten. Ein großes Heer an hochbezahlten Beratern, Juristen und Buchprüfern muss bezahlt werden und sowohl die operative als auch die finanztechnische Restrukturierung kosten auch erst mal eine Menge Geld. Entsprechend fallen unter dem Strich rund 100 Mio. Euro Verlust pro Monat an.

Ein guter Teil dieser außerordentlichen Kosten dürfte zukünftig wegfallen, wenn nach der Vorlage der korrigierten Zahlen wieder etwas Ruhe einkehrt und das Management sich mehr auf das Geschäft konzentrieren kann.

Bei den Töchtern ist Mutmachen angesagt

Der insgesamt optimistische Tenor des Trading-Updates zum 3. Quartal von Ende August wurde hier noch einmal unterstrichen. Alle wichtigen Töchter waren mit eigenen Leuten vor Ort, um über ihre Geschäftslage zu berichten.

Mattress Firm
Mattress Firm gestand einige strategische Fehler der Vergangenheit ein, welche das Unternehmen auf die schiefe Bahn gebracht haben. Verbesserungen bei Produktmix, Marketing und vor allem Vertriebsnetzwerk sollen die Wende bringen.

Seit dem letzten Quartal sind erste Erfolge zu erkennen. Trotzdem wird weiterhin zusätzliche Liquidität gebraucht und das Management ist noch auf der Suche nach Geldgebern. Bei der Holding ist natürlich aktuell nichts zu holen, sodass Anleger ein Auge auf die weitere Entwicklung haben sollten.

Pepkor
Die südafrikanische 71-%-Beteiligung Pepkor (WKN:A2JPBS) hat sich nun weitgehend von der Holding abgenabelt und blickt wieder optimistisch in die Zukunft. Die Vertriebsfläche soll jährlich um 4 % wachsen, bei leicht wachsender operativer Marge.

Gelingt dies, sollte auch der zuletzt stagnierende Aktienkurs bald wieder etwas Fahrt aufnehmen. Beim Kurs von 16,44 Rand ist der Steinhoff-Anteil aktuell (20.09.) knapp 2,4 Mrd. Euro wert. Vor einem Jahr waren es über 50 % mehr. Das macht einen Unterschied von 1,2 Mrd. Euro für Steinhoff, der einmal über Leben oder Tod entscheiden könnte.

Conforama
Ähnlich wie Mattress Firm ärgert sich auch die französische Tochter über Fehlentscheidungen aus der jüngeren Vergangenheit. Mit dem Einstieg in das Premiumsegment sei das Discount-Image beschädigt worden und die Kostenbasis habe sich durch diverse Entscheidungen verteuert.

Dabei ist wohl vor allem an das Sponsoring der obersten französischen Fußballliga zu denken. Stattliche 10 Mio. Euro hat sich die Einrichtungskette die Namensrechte kosten lassen. Aber immerhin sieht man sich auf dem richtigen Weg, um unabhängig von der Holding die eigene Strategie umzusetzen.

Von Serbien bis Portugal soll das Niederlassungsnetz ausgebaut werden, um letztlich eine leistungsfähige „pan-europäische“ Einzelhandelskette zu werden. Dank der für mich insgesamt sinnvollen Optimierungsmaßnahmen einschließlich maßvoller Digitalisierungsinitiativen sollte mittelfristig auch wieder zählbarer Gewinn von den aktuell etwa 3,5 Mrd. Euro Umsatz übrig bleiben.

Asien-Pazifik
Sich von Steinhoff abzunabeln liegt definitiv im Trend. Der in Australien angesiedelte Teilkonzern mit rund 1,3 Mrd. Umsatz heißt jetzt Greenlit Brands. Es scheint in den Kernmärkten ausgezeichnet zu laufen, und über Onlineverkäufe und die Internationalisierung sollen neue Umsatzpotenziale erschlossen werden. Greenlit ist ein eher kleiner, aber feiner Vermögenswert für den Konzern.

Pepkor Europe
Zu den großen Hoffnungsträgern gehört – wie ich bereits am 19.09. im Detail dargestellt habe – das in Polen angesiedelte Osteuropageschäft Pepco und auch die Schwester Poundland/Dealz ist auf dem Sprung zu einer neuen Wachstumsoffensive.

Das Ziel besteht darin, eine „einzigartige“ pan-europäische Discount-Plattform zu schaffen, die bis 2023 mit über 4.000 Läden auf Umsätze von mindestens 5 Mrd. Euro bei einem operativen Ergebnis vor Abschreibungen von mehr als 500 Mio. Euro kommt. Das Gute dabei: Das erfolgreiche Geschäft generiert genug Liquidität, um die Expansion aus Eigenmitteln zu finanzieren.

Es bleibt ein gemischtes Bild

Operativ macht das alles keinen so schlechten Eindruck, finde ich. Die Fehler wurden erkannt und werden nun konsequent behoben. Bereits nächstes Jahr, wenn große Kostenblöcke aus dem Aufräumprozess wegfallen und die Maßnahmen stärker zu greifen beginnen, könnte das Ergebnis unter dem Strich schon wieder freundlicher ausfallen. Hohe Zinszahlungen, juristische Unwägbarkeiten und bleibende Risiken beim amerikanischen Matratzenvertrieb werden aber trotzdem noch eine Zeitlang auf dem Kurs lasten.

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Ralf Anders besitzt Aktien von Steinhoff International. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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