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3 Gründe, warum große Tabak-Marihuana-Partnerschaften unmittelbar bevorstehen

Foto: Getty Images.

Der „grüne Ansturm“ ist in vollem Gange. In weniger als sechs Wochen wird Freizeit-Marihuana in Kanada völlig legal sein. Abgesehen davon, dass Kanada das erste entwickelte Land und das zweitgrößte Land der Welt ist, das die sprichwörtliche grüne Flagge für Cannabis für den Konsum durch Erwachsene hisst, könnte dieser Schritt auch — wenn die Branche erst richtig in Gang gekommen ist — mehr als 5 Mrd. US-Dollar Umsatz pro Jahr generieren.

Die Zahl der Übernahmen und Partnerschaften nimmt zu, da die Legalisierung immer näher rückt

Die Legalisierung von Cannabis in Kanada hat auch viele Verhandlungsbemühungen sowohl innerhalb als auch außerhalb der Cannabisindustrie ausgelöst. Das führende Unternehmen Aurora Cannabis, das voraussichtlich 570.000 Kilogramm pro Jahr liefern wird, erwarb CanniMed Therapeutics für 852 Mio. US-Dollar und MedReleaf in Ontario für rund 2,5 Mrd. US-Dollar.

Doch es sind die Dinge außerhalb der Branche, die die Aufmerksamkeit der Investoren auf sich ziehen. Im vergangenen Monat haben wir zwei große Partnerschaften zwischen der Alkohol- und der Cannabisindustrie erlebt. Am 1. August gab Molson Coors Brewing die Gründung eines Joint Ventures mit der HEXO Corp (früher bekannt als Hydropothecary Corp) bekannt, um alkoholfreie, mit Cannabis versetzte Getränke zu entwickeln. Interessanterweise werden angereicherte Getränke am 17. Oktober nicht legal sein, obwohl erwartet wird, dass das kanadische Parlament darüber diskutiert und die Liste der Produkte wahrscheinlich erweitern wird, die im nächsten Jahr legal sind.

Noch größere Schlagzeilen machte die Investition von Constellation Brands (WKN:871887) in Canopy Growth Corp (WKN:A140QA) in Höhe von 3,8 Mrd. US-Dollar mit einem Aufschlag von 51 % auf den Schlusskurs des 14. August. Dies war das dritte Mal, dass der Hersteller hinter den Biermarken Corona und Modelo in Canopy Growth investiert hatte. Neben der reinen Produktinnovation sollte Constellation in der Lage sein, Canopy Growth seine Marketingkenntnisse und Expertise bei der Expansion anzubieten, während Canopy seinen Einblick in die Cannabisindustrie an Constellation Brands weitergeben kann.

Eine Tabak-Marihuana-Hochzeit scheint unvermeidlich

Während sich die meisten Investoren fragen, welches Alkoholunternehmen als nächstes dran sein könnte — Gerüchte besagen, dass Diageo nach einem Cannabispartner sucht –, übersehen sie vielleicht den nächst logischen Einsteiger in das Cannabisgeschäft: die Tabakindustrie.

Hier sind drei Gründe, warum eine Tabak-Marihuana-Partnerschaft unvermeidlich erscheint.

1. Wichtige Kennzahlen gehen in den entwickelten Märkten zurück

Der größte Impuls für die Tabakindustrie, sich eine Partnerschaft oder Investition in der Marihuanaindustrie zu suchen, ist der Rückgang des Konsums und des Transportvolumens in den entwickelten Märkten. In den USA ist der Anteil der Erwachsenen, die Zigaretten rauchen, von rund 42 % Mitte der 1960er Jahre auf nur noch 15,5 % ab 2016 gesunken. Die Branche sieht sich auch mit Marketing-, Werbe- und Markenbeschränkungen in wichtigen Industriemärkten auf der ganzen Welt konfrontiert.

So verzeichnete Altria (WKN:200417), das in den USA vor allem für die Premium-Marke Marlboro bekannt ist, im zweiten Quartal 2018 einen Umsatzrückgang bei rauchbaren Produkten um 6,3 % und im ersten Halbjahr um 3,7 %. Insgesamt verzeichnete Altrias US-Versandvolumen an rauchbaren Produkten einen Rückgang von 10,8 %.

Philip Morris International (WKN:A0NDBJ), das in mehr als 180 Ländern der Welt, die USA nicht eingeschlossen, tätig ist, verzeichnete im zweiten Quartal einen Rückgang des gesamten Zigarettenversandvolumens um 1,5 % und im ersten Halbjahr um 3,3 %. Mit Ausnahme der Marken Fortune und Dji Sam Soe hat jede andere Zigarettenmarke im ersten Halbjahr 2018 einen Volumenrückgang verzeichnet.

2. Die Tabakindustrie hat mehr als genug Kapital

Ein weiterer guter Grund zu glauben, dass ein Deal zwischen der Tabak- und der Cannabisindustrie zustande kommen sollte, ist, dass die Tabakindustrie mehr als genug Bargeld und operativen Cashflow dafür hat.

Trotz der Tatsache, dass das Volumen von Altria und auch von Philip Morris ständig zurückgeht,haben beide Tabakunternehmen aufgrund der Abhängigkeit von Nikotin eine unglaubliche Preissetzungsmacht. Obwohl Philip Morris beispielsweise im ersten Halbjahr einen Rückgang der Zigarettenlieferungen um 3,3 % verzeichnete, gelang es dem Unternehmen dennoch, den Umsatz um 8,3 % zu steigern — wenn man den Vorteil von Währungseffekten ausschließt. Preiserhöhungen an die Verbraucher weiterzugeben, ist seit langem ein Mittel zur Steigerung von Umsatz und Rendite bei den Tabakunternehmen.

Aber die Tabakindustrie muss auch innovativ sein und neue Wege finden, um zu wachsen. Solange ich mich erinnern kann, haben Altria und Philip Morris enorme Dividenden ausgeschüttet, um langfristige Investoren für sich zu gewinnen. Und trotz allem generieren diese Unternehmen immer noch einen hohen jährlichen operativen Cashflow. Altria hat in den letzten fünf Jahren durchschnittlich etwa 5 Mrd. US-Dollar pro Jahr erwirtschaftet, wobei Philip Morris im gleichen Zeitraum fast 8,5 Mrd. US-Dollar generiert hat. Das ist mehr als genug, um einen Teil dieses Cashflows in eine Investition oder ein Joint Venture in der Cannabisindustrie umzuleiten.

3. Es ist eine logische Produktentwicklung

Schließlich wäre eine Partnerschaft zwischen der Tabakindustrie und der Marihuanaindustrie eine logische Weiterentwicklung dessen, wohin die Tabakindustrie bereits steuert.

Anfang dieses Jahrzehnts war die Einführung von elektronischen Zigaretten in aller Munde. In jüngster Zeit haben Tabakerhitzer, wie das iQOS-Gerät von Philip Morris, Aufmerksamkeit erregt. Der Punkt ist, dass die Tabakindustrie seit Jahren daran arbeitet, die Abhängigkeit vom traditionellen getrockneten Tabak zu verringern, und was die Cannabisindustrie zu erreichen versucht, wäre eine Ergänzung zu den Bestrebungen der Tabakindustrie.

Angenommen, die kanadische Bundesregierung genehmigt 2019 neue Formen des Konsums jenseits von getrocknetem Cannabis und Cannabisölen. Dann könnten Cannabiskartuschen in bestehenden Geräten oder vielleicht sogar in Tabakerhitzern verwendet haben. Es wäre ein relativ nahtloser Übergang sowohl für die Tabak- als auch für die Cannabisindustrie und sollte für beide von Vorteil sein.

Und der Gewinner ist … ?

Welche glückliche Marihuana-Aktie wird also eine Partnerschaft mit der Tabakindustrie eingehen? Die Antwort darauf kann keiner mit Sicherheit geben, doch ich würde vermuten, dass Aphria (WKN:A12HM0) aus zwei Gründen die besten Karten hat.

Erstens geht es um den Markt und bestehende Deals. Einige Kollegen von Aphria wie Canopy Growth haben bereits eine wichtige Partnerschaft geschlossen. Obwohl es nicht ausgeschlossen ist, dass Canopy Growth neue Partner abseits von Constellation Brands findet, wird sich Canopy erstmal auf dieses Unternehmen konzentrieren und die internationale Infrastruktur ausbauen.

Aphria hingegen hat noch keine großen Partner und zielt im Gegensatz zu Aurora Cannabis nicht auf den medizinischen Cannabismarkt ab, und das sollte die Tabakindustrie ansprechen. Mit einer jährlichen Spitzenproduktion von 255.000 Kilogramm und einem Vertriebsweg in ein Dutzend Länder erfüllt Aphria auch viele Voraussetzungen, die das Unternehmen zu einem attraktiven Partner für die Tabakindustrie machen würden.

Der zweite Grund wäre, dass Aphria bereits Kartuschen mit Tetrahydrocannabinol (THC) der Sorten Sativa und Indica, und eine Kombination aus THC und Cannabidiol (CBD) auf dem Markt in Florida hat. Es gäbe praktisch keine Verzögerung bei der Umsetzung dieser Innovation, wenn Aphria mit der Tabakindustrie zusammenarbeiten würde.

Kurz gesagt, ich zähle darauf, dass die Tabakindustrie in nicht allzu ferner Zukunft aggressiv nach Geschäften mit Cannabisunternehmen (möglicherweise Aphria) sucht.

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The Motley Fool besitzt Aktien von Molson Coors Brewing. The Motley Fool empfiehlt Diageo.

Dieser Artikel wurde von Sean Williams auf Englisch verfasst und am 08.09.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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