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Steigender Ölpreis: Stürzt die Lufthansa-Aktie ab?

Der Ölpreis hat über die letzten 12 Monate 40 % zugelegt und hatte Anfang Juli mit über 75 US-Dollar pro Fass das höchste Niveau seit Ende 2014 erreicht. Dieser Artikel versucht die Fragen von Investoren, etwa ob dieser Aufwärtstrend des Ölpreises anhält und was steigende Kerosinpreise für Fluggesellschaften wie Lufthansa (WKN: 823212) bedeuten, zu beantworten.

Welche Einflussfaktoren sehen wir im politischen als auch wirtschaftlichen Kontext, die den Ölpreis nachhaltig beeinflussen könnten?

Im vergangenen Jahr ist der Ölpreis von unter 50 US-Dollar auf bis zu 75 US-Dollar pro Fass angestiegen. Es gibt genügend Gründe, die einen weiteren Preisanstieg stärken könnten.

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Die Vereinigten Staaten von Amerika sind aus dem Iran-Abkommen ausgetreten und sind dabei, eine neue und bessere Vereinbarung mit dem Iran unilateral auszuhandeln. Ein etwaiger militärischer Konflikt zwischen den USA und dem Iran würde den Ölmarkt tiefgreifend beeinflussen.

Venezuela befindet sich in einer schweren Wirtschaftskrise und ist ein wichtiger Ölproduzent im Südamerikanischen Raum. Wie kürzlich durch die USA bekannt gegeben wurde, wird die Wachstumsrate der Ölproduktion in den Vereinigten Staaten von Amerika im Jahr 2018 geringer ausfallen als erwartet. All diese Faktoren lassen die Erwartung zu, dass der Ölpreis aufgrund der genannten geopolitischen Risiken weiterhin steigt.

Doch wie wirkt sich der steigende Ölpreis auf den Aktienkurs von Lufthansa aus?

Ansteigende Kerosinkosten belasten das Ertrags- und Gewinnergebnis der Lufthansa erheblich, da diese einen Großteil der Betriebskosten ausmachen.

Traditionell repräsentieren Kerosinkosten etwa 30 % der Gesamtkosten bei Fluggesellschaften weltweit. Aufgrund des niedrigen Ölpreisniveaus in den vergangenen Jahren ist dieser Anteil im Jahr 2016 und 2017 auf unter 20 % gesunken. Dies ermöglichte Fluggesellschaften wie Lufthansa ein großes Einsparpotenzial und damit einhergehend größere Gewinne.

Dieser Rückenwind scheint sich nun wieder in einen Gegenwind zu verwandeln und die Ertrags- und Gewinnlage zu belasten. Die Lufthansa Gruppe erwartet, dass die Kerosinkosten auf 6,2 Milliarden Euro für das Geschäftsjahr 2018 ansteigen, dies sind 850 Millionen Euro mehr im Vergleich zum Vorjahr. Mit der Integration von Air Berlin wird die Lufthansa ihre weltweiten Kapazitäten weiter ausbauen und damit auch mehr Bedarf an Kerosin haben.

Das Hedging des Kerosinpreises macht sich dabei für die Lufthansa weiterhin bezahlt. Im ersten Halbjahr 2018 bezahlte die Lufthansa dank des Hedgings für ein Fass Kerosin 64 US-Dollar gegenüber dem Marktpreis von 75 US-Dollar, was zu einer Einsparung von 11 US-Dollar pro Fass führte.

Welche weiteren strategischen Schritte unternimmt Lufthansa, um die höheren Kerosinpreise auszugleichen?

Die Lufthansa versucht die derzeit steigenden Kerosinkosten durch Kosteneinsparungen im operativen Bereich auszugleichen. Im ersten Halbjahr 2018 hat sie diese operativen Kosten, die nicht Kerosin betreffen, um 3,5 % gesenkt, im Vergleich zum Vorjahr. Durch diese Kosteneinsparung, das erfolgreiche Hedging sowie erfolgreiche Währungsgeschäfte hat sich der Vorsteuergewinn nur marginal verringert.

Darüber hinaus kann die Lufthansa durch die weitere Eingliederung von Eurowings und Air Berlin höchst wahrscheinlich noch weitere Synergien ausschöpfen, jedoch wird es schwer durch zusätzliche Kosteneinsparungen den Ölpreisanstieg auszugleichen, wenn dieser von längerfristiger Natur sein sollte. Steigende Kerosinkosten werden den Konsolidierungsprozess der Fluglinien weiter vorantreiben. Es ist davon auszugehen, dass es weiter eine schwierige Aufgabe sein wird, eine profitable Fluggesellschaft im derzeitigen Marktumfeld zu positionieren.

Kann die Lufthansa mit weltweitem Wachstum durch Skaleneffekte zur Kostenreduzierung beitragen?

Der Heimatmarkt Europa weist die größten Kapazitätszuwächse auf, gefolgt von Nord- und Südamerika sowie Asien. Nach einem Rekordjahr 2017 in Asien verbucht Lufthansa nun die beste Rendite in Nordamerika.

Es wird spannend zu sehen, wie die wachsende und vermögende Mittelschicht in China die Tourismusbranche beeinflussen wird und somit die Flugnachfrage besonders im asiatischen Raum ankurbeln wird. Mit ihrem weitreichenden Streckennetzwerk und globalen Kooperationen ist die Lufthansa strategisch gut positioniert, um von weiterem globalen Nachfragewachstum insbesondere in Asien zu profitieren. Das Interesse am Reisen sowie am Kennenlernen neuer Kulturen gepaart mit der zunehmenden globalen Mobilität der Menschheit lässt mich einen positiven Ausblick auf die Kapazitätsausnutzung der Lufthansa haben.

Falls sich der Ölpreis, wie von Bank of America (WKN: 858388) vorhergesagt, der 100 US-Dollar-Marke im nächsten Jahr annähern sollte, wird der Kostendruck weiter steigen und sich die Chance auf profitable Quartalszahlen weiter verringern. Weitere Akquisitionen von schwächer positionierten Fluglinien zur Erzielung von Synergieeffekten könnten somit der einzige Ausweg sein. Im operativen Geschäft lassen sich irgendwann keine weiteren Kosteneinsparungen realisieren.

Die Nachfrage für Fluglinien wie Lufthansa ist dank globaler Mobilität weiterhin gegeben, jedoch kann ein weiter ansteigender Ölpreis die Profitabilität über die nächsten Quartale gefährden, da Kosteneinsparungen im operativen Bereich nicht unendlich fortsetzbar sind. Der einzige Ausweg scheint in diesem Fall die weitergehende Konsolidierung von Fluggesellschaften zu sein.

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Björn Schubert besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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