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VW kündigt große Investitionsoffensive bis 2025 an: zu wenig, zu spät

Foto: Getty Images

Am 23. August 2018 veröffentlichte Volkswagen (WKN: 766403) eine Pressemitteilung, in der massive Zukunftsinvestitionen angekündigt werden: Das Auto soll zum Teil des Internets der Dinge werden, Volkswagen möchte nicht weniger als „das Auto ein Stück weit neu erfinden“. So soll sich Volkswagen vom Autobauer zum Mobilitätsanbieter mit vernetzter Fahrzeugflotte entwickeln.

Schauen wir uns die Pläne von Volkswagen im Detail an und versuchen zu analysieren, ob das ein kluger Schritt von Volkswagen ist.

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Was hat Volkswagen genau vor?

Volkswagen möchte ein digitales Ökosystem namens „Volkswagen We“ für seine Kunden schaffen. Innerhalb dieses Ökosystems genießen die Kunden von Volkswagen dann Dienste und Services wie zum Beispiel Carsharing-Angebote.

Die größten Veränderungen sollen in den Autos stattfinden: Ab 2020 wird eine deutlich einfachere Software-Architektur in die Autos implementiert. Bisher waren die meisten Steuergeräte in den Autos mit der Software der Hersteller ausgestattet. Bei bis zu 70 verschiedenen Steuerkomponenten ein großer Berg an individueller Software! Künftig soll alles in nur wenigen Zentralrechnern und einheitlicher Programmiersprache ablaufen. Basieren soll all das auf einem neuen Betriebssystem in den Autos: vw.OS.

Und weiter?

Diese Trennung von Soft- und Hardware schafft große Vorteile für Volkswagen: Das Unternehmen kann Kunden dadurch mit Angeboten und Updates versorgen, ohne dass ein Werkstattbesuch nötig wird. Außerdem kann autonomes Fahren deutlich leichter umgesetzt werden, wenn alle Sensoren und elektronischen Komponenten auf dem gleichen System basieren.

Eine neue Cloud-Plattform namens „One Digital Platform“ (kurz ODP) ist das Rückgrat dieser Änderungen und verbindet Kunden, Fahrzeug und Services. Zudem sollen offene Schnittstellen dafür sorgen, dass auch Drittentwickler Software für die Kunden-Community zur Verfügung stellen können. Die ODP wird für alle Marken des Volkswagen-Konzerns zur Verfügung stehen.

Die vorgestellten Pläne sind Teil der Strategie TRANSFORM 2025+ von Volkswagen. Im Rahmen dieser Strategie möchte Volkswagen eine führende Rolle in der neuen Automobilindustrie einnehmen und sich außerdem zum Weltmarktführer für Elektromobilität entwickeln: Eine Million Elektroautos sollen im Jahr 2025 produziert werden. Für die Digitalisierungsoffensive möchte Volkswagen bis 2025 insgesamt 3,5 Mrd. Euro ausgeben.

Von wem hat sich Volkswagen wohl inspirieren lassen?

Es ist eine spannende Zukunft, die Volkswagen da zeichnet. Für mich klingt all das aber sehr nach dem, was wir vom amerikanischen Elektroautopionier Tesla (WKN:A1CX3T) schon seit Jahren kennen. Beispiele gefällig?

  • In allen neueren Modellen Teslas erfolgt die Steuerung der Fahrzeugkomponenten über einen Touchscreen in der Mitte des Fahrzeugs. Unzählige Knöpfe, unübersichtliche Mittelkonsolen und unlogische Steuerung? Fehlanzeige!
  • Schon seit Jahren versorgt Tesla seine Kunden mit „Over-the-Air“-Updates für das Fahrzeug, die zu Hause heruntergeladen werden können. Im Frühjahr 2018 erhielt das Model 3 von Tesla ein Update, das die Bremsleistung verbesserte, nachdem der Consumer Report diese als schwach und stark schwankend bezeichnet hatte. Der Consumer Report änderte danach sein Urteil.
  • Teslas Autos besitzen schon lange den Autopiloten, der seiner Konkurrenz durch den Einsatz von KI weit voraus ist. Aktuell produzierte Modelle können bereits mit der Hardware gebaut werden, die in der Zukunft höhere Stufen der Autonomie unterstützen soll – auch das geschieht dann einfach per Update zu Hause.
  • Tesla hat laut einem Analysten von Evercore ISI bereits jetzt die Kapazitäten, um pro Woche 8.000 Einheiten alleine seines Model 3 zu produzieren, was über 400.000 Model 3 im Jahr entspricht. Ich bezweifle, dass eine Million Elektroautos im Jahr 2025 für Volkswagen ausreichen werden, um Marktführer zu sein.

Doch nicht nur das: Als in den letzten Wochen ein eventueller Börsenrückzug Teslas im Raum stand, soll Volkswagen laut einem Bericht des Wall Street Journal Interesse gehabt haben, sich bei Tesla einzukaufen.

Wenn du mich fragst: ein Armutszeugnis. Ein gestandener deutscher Autohersteller mit achtzigjähriger Geschichte zieht eine Beteiligung bei Tesla in Betracht, um die eigene Nachlässigkeit bei rechtzeitigen Zukunftsinvestitionen auszubügeln. Tesla ist im Übrigen das Unternehmen aus Kalifornien, das aufgrund seiner Verluste und der geringen Produktionsmengen hierzulande oft nur müde belächelt wurde. In der Zwischenzeit hat sich Tesla aber einige starke Wettbewerbsvorteile verschafft.

3,5 Milliarden – ist das viel?

Werfen wir noch einen Blick auf die Höhe der geplanten Digitalisierungsausgaben von Volkswagen bis 2025. 3,5 Milliarden Euro hört sich nach einer Menge Geld an, aber wie so oft ist alles relativ:

  • Volkswagen erzielte im Jahr 2017 einen Jahresüberschuss (Ergebnis nach Steuern) von 11,64 Mrd. Euro.
  • Volkswagen saß zum Ende des zweiten Quartals 2018 auf einem Berg von 130,47 Mrd. Euro an kurzfristigen Vermögenswerten abzüglich der Vorräte.
  • Volkswagen investiert somit 30,1 % seines Jahresgewinns 2017 oder auch 2,7 % seiner kurzfristig verfügbaren Vermögenswerte für das Programm – wohlgemerkt: insgesamt in den nächsten sieben Jahren.

Fazit: zu wenig, zu spät

Grundsätzlich ist es zu begrüßen, dass Volkswagen noch auf den abfahrenden Zug aufspringen möchte, anstatt gar nicht erst an den Bahnsteig zu kommen. Wenn man allerdings schon zu spät dran ist, dann sollte man an den Bahnsteig sprinten. Volkswagen scheint mir eher ans Gleis zu schlurfen!

Der einstige Vorzeigekonzern aus Wolfsburg, vom Dieselskandal schon schwer gezeichnet, verliert seine Vormachtstellung im Automobilsektor und unternimmt nur halbherzige Schritte, das zu ändern.

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Christoph Gössel besitzt Aktien von Tesla. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Tesla.

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