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Warum mich die Gewinnwarnungen von Continental kaltlassen

Ob das gut geht? Als hätten sich für den DAX nicht schon genug böse Omen angesammelt. Jetzt belegt auch noch eine Studie von Ernst & Young, dass sich die Gewinnwarnungen börsennotierter Unternehmen im ersten Halbjahr 2018 auf Rekordniveau bewegen. Angeblich musste jedes achte börsennotierte Unternehmen in Deutschland eine Gewinn- oder Umsatzwarnung herausgeben.

Ein Unternehmen, das sich zu der Gruppe der Gewinnwarner zählen darf, ist Continental (WKN:543900). Am 22.08.2018 schüttelte das Unternehmen seine Aktie mit einer Prognoseänderung ordentlich durch. Am Ende des Tages stand ein Minus von knapp 13 % auf dem Zettel.

Schon im April musste Continental aufgrund neuer Abgasprüfverfahren die Prognose um 150 Millionen Euro nach unten korrigieren. Die zweite Warnung innerhalb eines Jahres brachte das Fass offenbar endgültig zum Überlaufen.

Was ist eine Gewinnwarnung wert?

Nun dürfte sich der intelligente Investor fragen, ob die Aktie zu Recht abgestraft wurde oder ob es sich gar um eine günstige Kaufgelegenheit handelt, die so schnell nicht wiederkommen wird. Ein Minus von 13 % an einem Tag ist immerhin vergleichsweise viel, wenn man bedenkt, dass die Aktie drei Jahre brauchte, um insgesamt ein Minus von etwa 17 % zu fabrizieren (Stand: 28.08.2018).

Meiner Meinung nach sollte eine Frage im Zentrum der Analyse stehen: Ist dieser außergewöhnlich hohe Tagesverlust tatsächlich durch die Gewinnwarnungen gerechtfertigt?

Das Wort „Gewinnwarnung“ ist schon seltsam genug. Eine Warnung vor Gewinn? Natürlich nicht. Man müsste eher von „Verlustwarnung“ sprechen. Schließlich wird an der Börse die Zukunft gehandelt und die Prognosen werden für gewöhnlich sofort in die Aktie eingepreist – noch so ein schönes Wort. Haben Anleger die Aktie zu einem Preis gekauft, der unter der zu jener Zeit aktuellsten Prognose fair oder günstig erschien, kann diese bei einer Prognoseänderung plötzlich teuer erscheinen. In Relation zu den Erwartungen werden Gewinne, die in Zukunft höchstwahrscheinlich nicht realisiert werden können, als Verluste interpretiert.

Dieser Logik kann ich prinzipiell durchaus zustimmen. Doch meiner Ansicht nach bleiben bei dieser Argumentation einige Parameter unberücksichtigt.

Langfristig erinnert sich niemand mehr an das erste Halbjahr 2018

Die Börse ist geradezu süchtig nach aktuellen Informationen. Manche Anleger hätten sicher gerne täglich neue Berichte zur Geschäftslage. Aber ist es überhaupt sinnvoll, die Geschäfte eines Unternehmens innerhalb so kurzfristiger Zeiträume bewerten zu wollen?

Ich bin der Meinung, dass selbst ein Quartal zu kurz ist, um daraus irgendwelche Schlüsse über die Geschäftserwartungen zu ziehen. Dieser Meinung ist anscheinend auch Warren Buffett. Die Börsenlegende empfahl vor einigen Monaten, auf die Herausgabe von quartalsweisen Gewinnprognosen zu verzichten.

Es kann viele Gründe geben, weshalb ein Quartal auf dem Papier schlecht gelaufen ist. Sondereffekte oder ungünstige Wechselkurse können durchaus kurzfristige Einflüsse haben. Doch wenn das Geschäftsmodell im Kern keine tiefen Schrammen abbekommen hat, dürften diese Einflüsse langfristig kaum eine Relevanz haben.

Verkaufen wegen Gewinnwarnungen? Nein, danke!

Der Verkauf einer Aktie ist für mich ebenso bedeutend wie der Kauf. Ersteres mache ich als langfristiger Investor ohnehin selten. Wenn es doch mal dazu kommt, hat es definitiv einen wichtigen Grund gegeben. Wenn ich merke, dass ein Geschäftsmodell ausgedient oder ein Unternehmen aller Voraussicht nach in Zukunft keine gesellschaftliche Relevanz mehr hat, dann wäre ich der Letzte, der an einer Aktie kleben bleibt.

Eine oder zwei Gewinnwarnungen sind mir allerdings bei Weitem nicht genug, um eine Aktie in den Ausverkauf zu schicken. Sehe ich eine Zukunft für das Unternehmen? Liefern die Produkte einen gesellschaftlichen Mehrwert, voraussichtlich auch noch über die nächsten 20 oder 30 Jahre hinweg? Das sind die Fragen, die mich beschäftigen. Und deshalb lassen mich die Gewinnwarnungen bei Continental völlig kalt.

„Denke daran, was das Anlageobjekt künftig bringen wird, und nicht an die täglichen Bewertungen. Spiele werden von denen gewonnen, die sich auf das Spielfeld konzentrieren – nicht von denen, die nur auf die Anzeigetafel starren.“ – Warren Buffett

Nee … es ist nicht so kompliziert, wie du denkst, wie ein Profi zu investieren

Ja ja, ich weiß … die Profis lassen es so unglaublich kompliziert erscheinen. "Finanzmodelle" zu erstellen klingt so raffiniert. Und schwer. Es ist aber alles andere als schwer. Die Mathematik ist einfach. Der Prozess ist klar. Und jetzt kannst du es von The Motley Fool lernen. Klick hier, um unseren neuen Sonderbericht "Wie man ein Unternehmen bewertet: Eine Einführung" kostenlos herunterzuladen.

Stefan Naerger besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.