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Die Wettbewerbsvorteile von Tesla gegenüber den deutschen Autoherstellern

Foto: Tesla.

Im Moment ist Tesla (WKN A1CX3T) hauptsächlich negativ in den Nachrichten. Die Produktion des Model 3 lief lange nicht so wie gewünscht, Tesla verdient nach wie vor kein Geld und jetzt scheint CEO Elon Musk auch noch langsam verrückt zu spielen.

Als Investor sollte man diese Entwicklungen natürlich nicht ignorieren. Aber gerade als langfristiger Anleger, wie es echte Fools sind, sollte man seinen Blick nie von den langfristigen Einflussfaktoren abwenden. Einer davon sind die Wettbewerbsvorteile eines Unternehmens, die Warren Buffett auch als Burggraben bezeichnet.

Ein Unternehmen mit Wettbewerbsvorteilen kann zum Beispiel langfristig höhere Preise durchsetzen oder günstiger produzieren. Schauen wir uns also an, wo Tesla Vorteile gegenüber unseren deutschen Autobauern BMW (WKN: 519000), Daimler (WKN: 710000) und Volkswagen (WKN 766403) hat.

Schicke Modelle mit Erfolg

Die deutschen Autohersteller kamen bisher in Sachen Elektroautos nicht so sehr vom Fleck. Bei BMW sieht das Kleinwagen-Modell i3 rein optisch für mich so aus, als wolle man es absichtlich nicht verkaufen. Daimler wartet mit seiner großen „EQ“-Offensive noch bis zum nächsten Jahr. Volkswagen baute ein paar seiner bestehenden Modelle bisher einfach nur Elektromotoren ein, womit man zwar akzeptable Absatzzahlen erreichte, aber auch niemanden vom Hocker warf.

Bei den Modellen von Tesla hingegen sieht es anders aus: Das Unternehmen erfreut sich hoher Kundenzufriedenheit, die Modelle sind optisch ansprechend und haben Wiedererkennungswert. Vor allem das neue Model 3, mit dem Tesla den Massenmarkt erobern will, erhält hervorragende Kritiken. Das Design, die Reichweite und das Fahrgefühl werden von Testern immer wieder in höchsten Tönen gelobt. Der renommierte Wall-Street-Journal-Redakteur Dan Neil schrieb über das Model 3: „Wenn ihr gehofft habt, Tesla würde beim Model 3 scheitern, habe ich schlechte Neuigkeiten für euch: Dieses Ding ist einfach fabelhaft.“

Das besondere an dem Hype um Tesla ist, dass sie keine wirkliche Werbung betreiben. Ein paar Videos auf dem YouTube-Kanal und die Präsentationen der Modelle reichen völlig aus, um die Autos in aller Munde sein zu lassen. Und auch die Zahlen belegen diese Begeisterung: Schon jetzt verkauft sich das Model 3 in den USA besser als der 3er BMW, der Audi A4, die Mercedes C-Klasse und der Lexus IS – zusammen!

Vorteile in der Produktion

Ein weiterer Wettbewerbsvorteil liegt in der Batteriefertigung. Tesla hat mit der Gigafactory, die in Zusammenarbeit mit Panasonic (WKN: 853666) betrieben wird, ausreichend Kapazitäten, um seine Autos mit selbst hergestellten Batterien zu versorgen.

Das ist der Punkt, an dem deutsche Hersteller bisher krachend scheitern, und auf teurere Zukäufe aus Asien angewiesen sind. Dabei ist die Batteriefertigung einer der wichtigsten Schritte überhaupt in der Produktion eines Elektroautos. Hier nicht gut dabei zu sein, kann zu einem bösen Erwachen führen.

Doch nicht nur die Batterien selber: Tesla produziert die allermeisten Teile seiner Autos selber und bezieht entsprechend kaum Waren von Zulieferern. Das führt zu großen Kostenvorteilen: Autohersteller, die viele Teile von Zulieferern produzieren lassen, finanzieren damit die Gewinnmarge der Zulieferer. Diese Kosten fallen bei Tesla weg, wodurch Tesla günstiger produzieren kann.

Vorsprung in der Technologie

Wie ich eben schon erwähnte, sind die Batterien bei Elektroautos der absolute Knackpunkt. Laboranalysen ergaben nun, dass der Anteil am so begehrten Element Kobalt in Teslas Batterien nur noch 2,8 % beträgt. Der Stand der Technik anderer Hersteller geht eher in Richtung 8 %. Da Kobalt im Moment aufgrund der massiven Nachfrage immer teurer wird und viele Hersteller gar nicht genug davon für ihre Produktion bekommen können, liegt hier ein riesiger Vorteil für Tesla. Musk sagte in der Telefonkonferenz zum ersten Quartal dieses Jahres, man arbeite darauf hin, bald „fast gar kein“ Kobalt mehr zu benötigen.

Der technologische Vorsprung im Bereich der Batterien zeigt sich auch bei den Leistungsdaten. Als Tesla seinen „Roadster 2020“ (eine neue Version des ersten Modells Teslas) vorstellte, staunte das Publikum nicht schlecht, als Elon Musk eine Reichweite von 620 Meilen – knapp 1.000 Kilometer – in Aussicht stellte. Gleichzeitig soll das Auto von 0 auf 100 in 1,9 Sekunden (das ist kein Tippfehler!) beschleunigen. Das heißt, das Gewicht der Batterien hat keinen allzu negativen Effekt auf die Leistung.

Musk betonte kürzlich in einem Interview, dass Tesla dabei nur zum geringsten Teil eine weitere Effizienzsteigerung seiner Batterien voraussetzt. Tesla könnte ähnliche Reichweiten also schon heute erzielen. Von solchen Reichweiten sind alle deutschen Hersteller meilenweit entfernt.

Auch das neue Fahrerassistenzsystem Teslas, das im Model 3 zum Einsatz kommt, ist viel besser als die Angebote von BMW und Daimler, wie mein Foolisher Kollege Marlon dargelegt hat. Das System von Daimler war gemäß eines Tests einigermaßen passabel und etwa auf dem Stand der alten Tesla-Version. Das von BMW hat – wenn man das so sagen darf – gründlich versagt.

Haben die deutschen Hersteller trotzdem noch Chancen?

Unbestreitbar hat Tesla sich als einer der „First Mover“ einen gigantischen Vorsprung gegenüber unseren Herstellern erarbeitet. Das ging jedoch zulasten der Finanzen, die bei den deutschen Herstellern wesentlich besser aussehen: Sie fahren Riesengewinne ein und haben viel Geld auf der hohen Kante, bei Tesla ist beides momentan nicht gegeben.

Außerdem verfügen die deutschen Hersteller über eine sehr hohe Markenstärke. Ich sehe für sie daher durchaus noch die Möglichkeit, dass sie ihre anfängliche Zögerlichkeit noch aufholen können.

Dennoch dürfen sich BMW, Daimler und VW nicht ausruhen. Denn mit jedem Tag, den sie länger warten, schenken sie Tesla wertvolle Zeit. Zeit, in der Tesla fast konkurrenzlos das margenstarke Mittel- und Oberklassesegment mit seinen Modellen durchrütteln kann. Und um die großen Investitionen, die Tesla tätigen musste, kommen auch sie nicht herum.

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Christoph Gössel besitzt Aktien von Tesla. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Tesla. The Motley Fool empfiehlt BMW und Daimler.

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