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Wirecard entwischt traditionellen Banken in eine scheinbar goldene Zukunft

Foto: Wirecard AG

Wirecard  (WKN:747206) war eine der lukrativsten deutschen Börsengeschichten der vergangenen Jahre – zumindest für mutige Investoren, die sich trauten zuzugreifen.

In den letzten zehn Jahren beeindruckte Wirecard mit einem Kursplus von über 2.000 %. Den Vergleich mit der Commerzbank oder der Deutschen Bank hat Wirecard damit um Längen gewonnen.

Leider habe ich die letzten zehn Jahre bei Wirecard verpasst. Warum? Vielleicht war die ganze Geschichte einfach zu kompliziert. Die Antwort auf die Frage, wie und warum das Unternehmen eigentlich sein Geld verdient, war zumindest für mich nicht einfach genug zu beantworten.

Sehr einfach zu verstehen war und ist aber der weltweite Trend, von dem Wirecard bis heute profitiert: dem zunehmenden Anstieg elektronischer Zahlungsvorgänge.

Als Spezialist für die Digitalisierung von Zahlungsprozessen hat es Wirecard geschafft, einen Großteil dieses Wachstums einzustreichen. Schnell wachsende Umsätze und Gewinne waren die unübersehbaren Folgen.

Der nächste Trend steht nun bereits bevor. Während Kreditkarten und EC-Karten heute das Synonym für elektronische Zahlungen sein dürften, könnte es in Zukunft das Smartphone, die Smartwatch oder ein anderes smartes und mobiles Endgerät sein. Statista rechnet damit, dass das mobile Transaktionsvolumen von 2016 bis 2021 eine Verachtfachung erfahren wird.

Zugegeben: Blickt man nach China, dann sind Zahlungsvorgänge mittels Smartphone bereits heute allgegenwärtig. Über die beiden Platzhirsche WeChat Pay (Tencent) und Alipay (Alibaba) führen bereits heute hunderte Millionen Konsumenten jährlich Transaktionen im Wert von jeweils rund 2 Billionen (nicht Milliarden!) US–Dollar durch.

Die größten Anbieter der westlichen Welt sind Miniaturausgaben dieser beiden Giganten. ApplePay hat gerade einmal rund 120 Millionen Nutzer. WeChat Pay hingegen rund 800 Millionen.

Es gibt auch noch einen weiteren Unterschied. Während bei den beiden chinesischen Anbietern die Bezahlung mittels QR-Code funktioniert, werden bei Apple Pay und auch bei Google Pay bestehende Kreditkarten in die Apps eingebunden und mittels NFC-Chip ausgelesen.

Aber nun wieder zurück zu Wirecard.

Wirecard bietet seinen Geschäftskunden nämlich auch die Integration von Alipay und WeChat Pay als zulässige Bezahlfunktion an. Und, mit boon hat Wirecard eine eigene digitale Kreditkarte auf dem Markt, die sich natürlich auch in die Bezahl-Apps von Apple und Google integrieren lassen.

Zwar mag ich es mir heute noch nicht vorstellen, den Espresso im Café ums Eck mit meinem Smartphone zu bezahlen, in einigen Jahren könnte das aber vielleicht Realität sein. Der Trend hin zu elektronischen Bezahlvorgängen scheint bei weitem noch nicht am Ende zu sein. Verglichen mit China stehen wir in der westlichen Welt vielmehr erst ganz am Anfang davon.

Abgesehen von der digitalen Kreditkarte boon und den physischen Kreditkarten, die Wirecard ausgibt, ist es für Wirecard dabei übrigens völlig unwichtig, welche Art der elektronischen Zahlung oder welcher Anbieter sich schlussendlich durchsetzen wird.

Für den Experten für die Digitalisierung von Bezahlvorgängen ist es meiner Meinung nach viel wichtiger, seinen Unternehmenskunden das beste und allumfassendste Angebot zu liefern, damit diese, die vom Endkunden gewünschte Art der Bezahlung abwickeln können.

Und ganz allgemein gilt, je mehr Kunden künftig auf Bargeld verzichten möchten, desto größer die Chancen von Wirecard. Die spannende Frage bleibt natürlich, wie viel von diesen Chancen bereits heute im Aktienkurs steckt.

Offenlegung: Sven besitzt Aktien von Apple. Suzanne Frey, Führungskraft bei Alphabet, ist Mitglied im Board of Directors von The Motley Fool. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Alphabet (A-Aktien), Alphabet (C-Aktien), Apple und Tencent Holdings. The Motley Fool hält die folgenden Optionen: long Januar 2020 $150 calls auf Apple und short Januar 2020 $155 calls auf Apple.

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