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Air-Berlin-Aktie: Diese Kennzahl ließ vor zehn Jahren bereits die Alarmglocken schlagen!

Heute vor ungefähr zehn Jahren veröffentlichte Air Berlin (WKN:AB1000) seinen Geschäftsbericht für das Jahr 2007. Der damalige CEO Joachim Hunold beendete sein Statement mit den folgenden Worten:

„Sie sehen also, Air Berlin ist auf einem guten Weg.“

Zehn Jahre und eine Insolvenz später wissen wir, dass Hunold mit dieser Einschätzung ganz schön danebenlag.

Aber wie können wir Investoren solch negative Entwicklungen bereits frühzeitig erkennen? Nun, ganz einfach ist das natürlich nicht.

Im Fall von Air Berlin ließ eine Kennzahl allerdings schon vor zehn Jahren die Alarmglocken schlagen!

Eigentlich sah im Jahr 2008 alles gut aus …

Doch zunächst einmal sollten wir uns vor Augen führen, dass im Jahr 2008 niemand auch nur im Entferntesten an eine Insolvenz von Air Berlin gedacht hat. Denn: Die Geschäfte liefen gut, zumindest oberflächlich betrachtet. Man hatte gerade die Deutsche BA und den Langstreckenflieger LTU übernommen.

Diese beiden Transaktionen sorgten dafür, dass der Umsatz von Air Berlin im Geschäftsjahr 2007 um 61,0 % stieg. Der Konzerngewinn allerdings halbierte sich aufgrund unerwartet hoher Integrationskosten für die beiden Neuzugänge.

Im Geschäftsjahr 2008 sollte dann laut Hunold allerdings die Verbesserung der Profitabilität im Vordergrund stehen.

Auch heute noch würde ich sagen: Der gesunkene Gewinn infolge der Übernahmen ist für sich betrachtet erst mal noch kein Grund für tiefe Sorgenfalten!

Trotzdem gab es Anzeichen …

Setzt man den gesunkenen Gewinn allerdings ins Verhältnis zur Schuldenlast, dann konnte einem schon im Geschäftsjahr 2007 schwindlig werden. Dieses Verhältnis von Gewinn zu Zinslast nennt man Zinsdeckungsgrad (Link zur detaillierten Beschreibung des Zinsdeckungsgrades).

Grundsätzlich gilt: Je höher der Zinsdeckungsgrad, desto besser. Denn ein höherer Faktor drückt aus, dass der Gewinn die Zinsaufwendungen um ein Vielfaches deckt. Ich halte Werte von über fünf für in Ordnung. Unter drei bekomme ich Bauchschmerzen, und wenn der Zinsdeckungsgrad kleiner ist als 1, dann stellt sich Brechreiz ein.

Denn ein Wert kleiner 1 bedeutet, dass die Zinszahlungen höher sind als der Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT). Das ist so, als müsstest du 2.000 Euro monatlich für deinen Hauskredit abdrücken und würdest gleichzeitig nur 1.500 Euro monatlich verdienen.

Lass uns nun einen Blick auf die Zinsdeckungsgrade von Air Berlin in den Jahren 2006 und 2007 werfen.

2006 2007
Zinsdeckungsgrad   1,5   0,4

Quelle: Geschäftsbericht Air Berlin 2007

Bereits im Jahr 2006, ein Jahr vor der LTU-Übernahme, war der Zinsdeckungsgrad irgendwo zwischen Bauchschmerzen und Brechreiz. Die Integrationskosten im Zuge der Übernahme sorgten dann ein Jahr später dafür, dass der Zinsdeckungsgrad auf nur noch 0,4 sank.

Air Berlin hat also mehr als das Doppelte seines Gewinns für Zinszahlungen aufwenden müssen. Eine absolute Katastrophe! Insbesondere wenn man bedenkt, dass die LTU vor ihrer Übernahme rote Zahlen schrieb und die ohnehin finanziell angespannte Situation von Air Berlin damit noch mehr belastete!

Der Zinsdeckungsgrad ließ also bereits im Jahr 2007 die Alarmglocken schlagen! Insbesondere wenn man bedenkt, wie stark der Gewinn von Fluggesellschaften von Faktoren abhängig ist, die sie nicht beeinflussen können. Ich denke hier vor allem an Tariferhöhungen und steigende Ölpreise.

So kam es, wie es kommen musste: In den beiden Folgejahren stiegen die Zinsbelastungen weiter, während der Gewinn stagnierte. Der Zinsdeckungsgrad verharrte infolgedessen deutlich unterhalb der bedrohlichen Schwelle von 1.

2008 2009
Zinsdeckungsgrad  0,04   0,5

Quelle: Geschäftsbericht Air Berlin 2009

Wer die Zahlen versteht, kann ein Debakel vermeiden!

Nun darfst du dreimal raten, wer in genau diesem Zeitraum Air-Berlin-Aktien gekauft hat: Natürlich ich, für ungefähr 12 Euro das Stück. Dieses Investment endete in einem Debakel: Ich habe sie ein paar Jahre später für rund 3 Euro wieder verkauft.

Mein Fehler vor zehn Jahren: Ich habe mich überhaupt nicht mit der Bilanz von Air Berlin auseinandergesetzt! Dabei hätte mich die simple Berechnung des Zinsdeckungsgrades vor diesem Debakel bewahren können!

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Thomas Brantl besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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