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Hat sich Bayer mit Monsanto verspekuliert?

Am 7. Juni 2018 hat Bayer (WKN: BAY001) die Übernahme von Monsanto (WKN: 578919) für 63 Mrd. US-Dollar abgeschlossen. Kaum war dies geschehen, wurde der Konzern in San Francisco zu einer Strafzahlung in Höhe von 289 Mio. US-Dollar verurteilt. Dewayne Johnson konnte nachweisen, dass er durch das Herbizid Roundup (Glyphosat) an Lymphdrüsenkrebs erkrankt ist. Über 400 US-Bauern teilen sein Schicksal. Allein in den USA klagen weitere 5.200 Menschen. Nun wurde auch gegen das Unkrautvernichtungsmittel Dicamba in St. Louis eine Sammelklage eingereicht, weil es sich zu leicht verflüchtigt und so andere Pflanzen schädigt. Zudem war die Übernahme nicht ganz günstig, denn die Kaufsumme entspricht etwa dem 4,3-Fachen von Monsantos letztem Umsatz und dem 27,9-Fachen des letzten Gewinns. Hat sich Bayer also mit dem Kauf geschadet oder war er vielleicht doch sinnvoll?

Monsanto besitzt keinen guten Ruf

Die letzten Klagen und die Verurteilung sind in Monsantos langer Geschichte kein Einzelfall. So gab es auch schon über die letzten Jahrzehnte immer wieder Prozesse gegen das Unternehmen. Viele Bauern beklagen, dass sie durch genverändertes Saatgut und nur noch wenige Marktanbieter in eine starke Abhängigkeit getrieben werden. Hinzu kommt das umstrittene Produkt Roundup (Glyphosat), das wahrscheinlich krebserregend ist. Dennoch verdiente das Unternehmen immer Geld.

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Das Roundup-Problem

Das Unkrautvernichtungsmittel Roundup (Glyphosat) wird schon seit 1974 mit den entsprechenden Problemen vertrieben. Auch wenn Monsanto belegt, dass es nicht krebserregend ist, gibt es doch zu viele eindeutige Erkrankungen, die direkt mit dem Mittel in Verbindung stehen. Klar ist aber auch, dass jeder Einsatz von Chemie in der Landwirtschaft gesundheitsschädlich und potenziell krebserregend ist. Trotzdem wird sie eingesetzt, weil alle natürlichen Alternativen teurer sind.

Zudem wird Glyphosat nicht nur durch Monsanto, sondern auch durch Dutzende andere Hersteller vertrieben. Es ist also kein spezifisches Monsanto-Problem. In Brasilien wird nun der Verkauf von Roundup ab dem 3. September 2018 verboten. Vielleicht lässt sich das Mittel langfristig nicht halten. Für Bayer ist das Risiko in den USA am größten, weil hier Sammelklagen möglich sind. In Europa ist es dagegen eher gering.

Nun auch bei Dicamba eine Sammelklage   

Dicamba zählt zu den Herbiziden (Unkrautvernichtungsmittel). Eine neue Version der Chemikalie scheint eine zu hohe Flüchtigkeit zu besitzen. Dies bedeutet, es wird zu leicht vom Wind auf andere Felder und Wälder geweht, wodurch dort Pflanzen absterben. Zudem hat sich Monsanto während des Zulassungsverfahrens vermutlich unabhängigen Tests auf Flüchtigkeit widersetzt (wusste also wahrscheinlich bereits vorher von der Problematik).

Warum war Bayer dennoch so stark an Monsanto interessiert?

Nun, das amerikanische Unternehmen ist ein führender Hersteller von Saatgut. Speziell genverändertes Saatgut könnte zukünftig ein großer Wachstumsmarkt werden, um die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren. Viele natürliche Saatgutarten sind aufgrund des Klimawandels nicht mehr resistent genug oder bringen nicht genügend Ertrag.

Und genverändertes Saatgut lässt sich schwer kopieren, sodass der Wettbewerbsvorteil und die Gewinnmarge sehr viel höher ausfallen als beispielsweise bei natürlichem Saatgut. Auch gegenüber den Herbiziden ist der Ertrag viel höher. So liegt die operative Gewinnmarge von Monsantos „Seeds and Genomics“-Segment (natürliches und genverändertes Saatgut) bei 26,7 %, während sie bei Agricultural Productivity (Herbizide wie Roundup oder Dicamba) nur 9,5 % beträgt.

Dass die Saatgutsparte viel wichtiger ist, zeigt auch die Umsatzverteilung. So erzielte Seeds and Genomics im letzten Jahr einen Umsatz von 10.913 Mio. US-Dollar, während Agricultural Productivity 3.727 Mio. US-Dollar einbrachte.

Bayer ist hauptsächlich am Saatgutgeschäft interessiert. Nach der Übernahme gibt es nur noch wenige Anbieter auf diesem Markt, wodurch der Konzern noch mehr verdient. Im Bereich der landwirtschaftlichen Produkte wird er zum Weltmarktführer. Zudem ist Monsanto in der Digitalisierung der Landwirtschaft sehr viel weiter als andere Unternehmen. Diese könnte zum Beispiel auch den Einsatz von Herbiziden verringern.

Selbst wenn Bayer die Produktion von Roundup einstellen würde, hätten die verbleibenden Teile weiterhin eine gute Zukunft. Aber über die letzten Jahre ist der Glyphosat-Einsatz unter den Herbiziden sogar stark gestiegen, trotz der Klagen. Und dies, weil andere Mittel noch giftiger sind.

Monsanto und Bayer sind profitabel und wachsen

Monsantos Geschäftszahlen sind trotz aller Klagen gut. So war das Unternehmen in den letzten Jahren durchgehend wirtschaftlich, mit Gewinnen zwischen 1,6 und 2,74 Mrd. US-Dollar (2011 bis 2017). 2008 betrug der Umsatz 11,4 und im letzten Jahr (2017) 14,6 Mrd. US-Dollar, was insgesamt ein leichtes Wachstum bedeutet. Die 2017er-Eigenkapitalquote lag bei 30 %.

Allein Monsantos kurzfristig verfügbarer Kassenbestand beträgt ungefähr 4 Mrd. US-Dollar. Hinzu kommen Bayers liquide Mittel von etwa 7,6 Mrd. Euro. Auch wenn bisher keine Rückstellungen gebildet wurden, können allein darüber kurzfristige Strafzahlungen abgedeckt werden.

Bayer hat im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 35 Mrd. Euro und einen Gewinn aus fortzuführenden Geschäften in Höhe von 3.248 Mio. Euro erzielt. Du siehst also, dass die Probleme verkraftbar sind. Es wird nun aber darauf ankommen, wie der Konzern auf die Klagen reagiert.

Bayer wusste natürlich auch, welche Probleme es sich mit Monsanto einhandelt, geht jedoch davon aus, sie bewältigen zu können. Aber wie?

So kann Bayer die Probleme lösen

Kurzfristig werden noch einmal alle Monsanto-Probleme stark zutage treten, aber langfristig wird Bayer sie wahrscheinlich bewältigen können. Der Hauptgrund ist meiner Meinung nach die vollkommen andere und besser Unternehmenspolitik und -kultur sowie der Umgang mit Problemen. So werden zukünftige Mittel doch sehr viel ausführlicher getestet und mit den Behörden abgestimmt werden. Vorfälle gibt es in jedem Unternehmen, aber es kommt immer darauf an, wie man damit umgeht, und dies wird Bayer aufgrund der Kultur besser gelingen.

Bayer wird vermutlich Veränderungen bei den aktuellen Problemmitteln vornehmen und auf die Geschädigten zugehen. Es ist anzunehmen, dass dies dem Konzern auch deutlich besser gelingen wird als dem bisherigen Monsanto-Management.

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Christof Welzel besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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