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Diese Aktie ist interessant, weil die Aktionäre nichts zu melden haben!

Vor drei Jahren bezeichnete das Finanzmagazin Wirtschaftswoche den Google-Mutterkonzern Alphabet (WKN:A14Y6F) als eines der aktionärsunfreundlichsten Unternehmen überhaupt. Auf den ersten Blick hat der Autor damit auch recht.

Doch anstatt mich deshalb naserümpfend von der Alphabet-Aktie abzuwenden, macht diese Tatsache das Unternehmen für mich erst richtig interessant.

Warum Alphabet als aktionärsunfreundlich gilt und warum ich das toll finde, erfährst du, wenn du weiterliest!

Warum Alphabet als aktionärsunfreundlich gilt

Wenn du dir eine Aktie kaufst, dann hast du in aller Regel ein Stimmrecht auf der Hauptversammlung des Unternehmens. Es sei denn, du hast Vorzugsaktien gekauft, beispielsweise von BMW oder RWE. Diese sind ohne Stimmrecht.

Ist doch nicht so wichtig!

Wenn du das denkst, dann hast du aus der Sicht eines Privatanlegers auch vollkommen recht damit. Die allermeisten Anleger verfügen nicht über genügend Kapital, um sich eine bedeutende Anzahl von Aktien und somit von Stimmrechten zu kaufen.

Und so spielen die Ansichten von Privatanlegern auf der Hauptversammlung, naja, eine eher untergeordnete Rolle.

Bei institutionellen Anlegern wie Versicherungen, Hedgefonds, Pensionsfonds, Staatsfonds oder aktivistischen Investoren sieht die Sache anders aus. Sie verfügen über genügend Mittel, um sich eine bedeutende Anzahl von Aktien zu kaufen.

Und wer große Aktienpakete besitzt, der hat auch eine Menge Stimmrechte und kann so Einfluss auf wichtige Entscheidungen nehmen, indem er sich beispielsweise einen Sitz im Aufsichtsrat sichert.

Alphabet möchte genau das vermeiden – und hat eine Struktur geschaffen, die verhindert, dass sich irgendjemand einen bedeutenden Anteil von Alphabets Stimmrechten unter den Nagel reißen kann.

Wenn du dich schon näher mit der Alphabet-Aktie beschäftigt hast, dann ist dir sicherlich aufgefallen, dass A- und C-Aktien von Alphabet an der Börse gehandelt werden. Daneben gibt es auch noch B-Aktien, die sind allerdings nicht börsennotiert.

börsennotiert Stimmrecht Anzahl der Stimmrechte
Alphabet-A-Aktien           ja         ja          289,9 Millionen
Alphabet-B-Aktien         nein         ja          517,2 Millionen
Alphabet-C-Aktien           ja       nein                    –

Quelle: Wirtschaftswoche, Stand: 11.08.2015

Auch wenn diese Informationen bereits drei Jahre alt sind: An der generellen Aufteilung der Stimmrechte dürfte sich nichts Wesentliches geändert haben!

Die Tabelle verrät: Selbst wenn jemand alle A- und C-Aktien von Alphabet kaufen würde, würde er nie mehr als circa 36 % der Stimmrechte zusammenbekommen. Denn die nicht börsennotierten B-Aktien haben fast doppelt so viel Stimmrechte wie alle anderen zusammen – und werden so immer über eine absolute Mehrheit an Stimmrechten verfügen.

Doch wem gehören eigentlich die B-Aktien? Die Antwort wird dich nicht überraschen: Sie gehören den Google-Gründern Larry Page und Sergey Brin. Mit ihrer absoluten Mehrheit an Stimmrechten verhindern sie jegliche Einflussnahme von außen.

Viele Investoren empfinden solch eine Isolierung als äußerst aktionärsunfreundlich. Denn die Aktionäre haben praktisch keine Möglichkeit der Einflussnahme. Genau deshalb bezeichnete der Autor des WirtschaftsWoche-Artikels Alphabet als eines der aktionärsunfreundlichsten Unternehmen überhaupt.

Mich stört das überhaupt nicht, ganz im Gegenteil!

Diese Betrachtung ist allerdings ziemlich oberflächlich. Denn die Frage ist doch: Was ist für die langfristige Entwicklung von Alphabet das Beste?

Wenn die beiden Gründer, die das Unternehmen langfristig erfolgreich machen wollen, Alphabet im Alleingang führen? Oder wenn kurzfristig orientierte Marktteilnehmer wie Hedgefonds oder aktivistische Investoren Einfluss auf Entscheidungen nehmen können?

Für mich ist diese Frage schnell beantwortet: Für Alphabet ist es das Beste, wenn Page und Brin Alphabet führen können, wie sie es für richtig halten! Ohne Einmischungen und ohne Forderungen von außen!

Die beiden Google-Gründer haben ein in meinen Augen einzigartiges Unternehmen aufgebaut. Ein Unternehmen, das bestrebt ist, die besten Mitarbeiter an den besten Produkten arbeiten zu lassen. Ein Unternehmen, das eine einzigartige Firmenkultur geschaffen hat. Ein Unternehmen, das langfristige Ziele über kurzfristigen Profit stellt.

Alphabet steht weit oben auf meiner Watchlist, und wenn ich tatsächlich investiere, dann möchte ich, dass Alphabet auch in Zukunft so geführt wird, wie es heute der Fall ist!

Kurzfristig ausgerichtete Marktteilnehmer würden diesem langfristigen Ansatz in meinen Augen eher schaden.

Genau deshalb bin ich ein großer Fan der Aktionärsstruktur von Alphabet – auch wenn diese auf den ersten Blick einen ziemlich aktionärsunfreundlichen Eindruck macht!

Diese deutschen Unternehmen sind ähnlich aufgebaut

Nicht nur die Google-Gründer haben einen Weg gefunden, die unerwünschte Einflussnahme von Investoren zu verhindern.

Bei Sixt (WKN:723132) beispielsweise befinden sich 58,3 % aller Aktien im Besitz der Erich Sixt Vermögensverwaltungs GmbH. Wie der Name es schon verrät, gehören diese Anteile Erich Sixt, dem CEO von Sixt.

Daneben gibt es Sixt-Vorzugsaktien, die ohne Stimmrecht sind. Damit dürfte der Anteil an stimmberechtigten Aktien von Erich Sixt sogar noch deutlich höher sein, als der oben genannte Wert des reinen Aktienanteils dies zum Ausdruck bringt.

Entscheidende Einflüsse von außen sind damit praktisch unmöglich.

So kann Sixt weiterhin das innovative und langfristig ausgerichtete Unternehmen sein, das es heute ist, und muss nicht fürchten, aufgrund kurzfristiger Interessen von Investoren vom eingeschlagenen Weg abgebracht zu werden.

Bei Henkel (WKN:604840) befindet sich die Mehrheit der Aktien ebenfalls im Familienbesitz; der Henkel-Clan hält derzeit 61 % aller Aktien und verfügt damit über eine absolute Mehrheit, was die Stimmrechte betrifft.

Auch von Henkel (WKN:604843) gibt es Vorzugsaktien mit einer etwas höheren Dividende, dafür allerdings ohne Stimmrecht.

Klar, diese Tatsache festigt wie bei Sixt die absolute Stimmrechtshoheit der Familie!

Mein Fazit zu Alphabet, Sixt und Henkel

Meiner Auffassung nach sind Einflüsse durch Großinvestoren, Fonds oder Versicherungen eine potenzielle Gefahr für den langfristigen Erfolg eines Unternehmens.

Deshalb schätzte ich die Aktionärsstrukturen von Alphabet, Sixt und Henkel sehr, da sie genau das verhindern!

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Thomas Brantl besitzt Aktien der Sixt SE. Suzanne Frey arbeitet als Führungskraft bei Alphabet und sitzt im Vorstand von The Motley Fool. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Alphabet (A- und C-Aktien). The Motley Fool empfiehlt BMW.