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Besserer Kauf: Daimler oder Siemens?

Bei einem oberflächlichen Vergleich von Daimler (WKN:710000) und Siemens (WKN:723610) könnte man zu der Annahme gelangen, dass viele Anleger in letzter Zeit direkt von Daimler zu Siemens übergelaufen sind. Denn während Siemens in den vergangenen drei Jahren ein Plus von 27 % einfahren konnte, steht bei Daimler im selben Zeitraum ein Minus von 27 % auf dem Zettel (Stand: 25.07.2018). Kurios, aber an der Börse wundert mich persönlich gar nichts mehr.

Ist damit schon alles klar? Ist Daimler auf dem absteigenden Ast und Siemens die klare Empfehlung? So einfach ist die Sachlage natürlich nicht. Schon gar nicht bei einem Vergleich zweier Unternehmen, deren Historie bis in das neunzehnte Jahrhundert hineinreicht.

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Eines ist sicher: Werner von Siemens und Carl Friedrich Benz hätten nicht schlecht gestaunt, wenn sie gewusst hätten, wie sich die Welt der Mobilität zu Anfang des einundzwanzigsten Jahrhunderts verwandelt. Dieser Wandel zeigt sich meiner Ansicht nach vor allem in zwei Bereichen: auf der Schiene und auf der Straße.

Nun ist noch lange nicht geklärt, ob die Zukunft der Mobilität verstärkt auf der Schiene oder auf der Straße stattfinden wird. Anleger haben schon heute die Möglichkeit, sich für das eine oder andere zu entscheiden. Zum Beispiel mit Siemens als Stellvertreter für die Fertigung hochmoderner Züge oder mit Daimler als Stellvertreter für den Umbau des Automobilverkehrs hin zur Elektromobilität.

Obwohl es oft so aussieht, als wäre eine Investmententscheidung nicht mehr als ein auf blanken Zahlen basierender Tausch von Kapital gegen zukünftige Profite, hat der Erwerb einer speziellen Aktie meiner Meinung nach auch den Charakter einer demokratischen Abstimmung. Der Anleger übernimmt dabei die Rolle des Wählers, der sich mit wenig oder viel Kapital für die eine oder andere Zukunftsvision engagiert.

Doch für welche konkrete Zukunftsvision könnte sich der geneigte Anleger bei Siemens oder Daimler entscheiden? Eines sei vorweg verraten: Sowohl Daimler als auch Siemens haben sich für die Zukunft viel vorgenommen.

Auf der intelligenten Schiene

Ehrlich gesagt habe ich mich schon lange gefragt, warum sich alle Welt vor allem auf selbstfahrende Autos zu fokussieren scheint. In meiner Vorstellung ist es wesentlich einfacher, einen selbstfahrenden Zug zu entwickeln. Die Strecke ist durch die Schiene vorgegeben und konkurrierende Verkehrsteilnehmer sind eher selten.

Science Fiction? Offenbar nicht. Denn Siemens plant das und noch viel mehr für den Zugverkehr von morgen. In Zukunft sollen Züge ohne Fahrer hin und her pendeln können. Dank einer sensorischen Komplettüberwachung sollen selbst kleinste technische Fehler sofort auffallen. Ziel ist eine optimale Wartung und eine hundertprozentige Verfügbarkeit der Flotte.

Der moderne Zug weiß praktisch alles und regelt sich weitestgehend selbst. Auf Stoßzeiten soll dank Verknüpfung zum Ticketvorverkauf sofort reagiert werden können. Die Daten zur Steuerung von Verkehrszeichen und Schranken sollen selbstverständlich in die Cloud wandern und von dort aus zentral verarbeitet werden können. Das offene Betriebssystem MindSphere von Siemens erleichtert dank künstlicher Intelligenz das Datenmanagement.

Für mich ist Science Fiction immer dann besonders spannend, wenn die Ideen auch noch realistisch klingen. Genau diesen Eindruck habe ich bei den Ideen von Siemens.

Daimler elektrifiziert im großen Stil

Wer sich eine Zukunft vorstellen kann, in der sich die Elektromobilität großflächig auf den Straßen durchgesetzt hat, der sollte sich mit den Zukunftsplänen von Daimler schnell anfreunden können.

Offenbar soll das gesamte Mercedes-Benz-Portfolio bis 2022 elektrifiziert werden. Darunter sollen sich dann auch mehr als zehn reine Stromer-Modelle befinden. Vor ein paar Jahren noch hätte ich diese Nachricht nicht eine Sekunde geglaubt.

Doch Daimler scheint jetzt ernst zu machen. Für die Mercedes-Benz-EQ-Reihe baut Daimler einen globalen Batterie-Produktionsverbund mit fünf Fabriken auf drei Kontinenten. Wenn schon, dann richtig!

Die neuen Modelle machen tatsächlich Lust auf eine elektrifizierte Zukunft. Das EQA Concept, ein kompakter SUV, den Daimler 2017 vorstellte, soll auf satte 400 Kilometer Reichweite kommen. Kombiniert mit einem Akku, der in nur zehn Minuten aufgeladen werden kann, hat das EQA Concept in meiner Fantasie genug Potenzial, um den Verbrennungsmotor endgültig in den Ruhestand zu schicken.

Als wählerischer Großstädter hat man es schwer

Ich lebe in einer Großstadt. Daher befinde ich mich tendenziell öfter auf der Schiene als auf der Straße. Eine fahrerlose Bahn würde mich daher von Haus aus mehr interessieren als ein Elektroauto.

Doch auch ein kompletter Wandel hin zur E-Mobilität wäre mir ganz recht. Eine Großstadt mit weniger Verkehrslärm und sauberer Luft würde mir nämlich ebenso sehr entgegenkommen.

Vom Standpunkt der demokratische Aktienwahl aus betrachtet befinde ich mich also in einem Dilemma. Soll ich jetzt Siemens oder Daimler meine Stimme geben? Vielleicht werde ich einfach beiden Unternehmen meinen Segen geben. Natürlich nicht um jeden Preis. Aber das ist eine andere Geschichte.

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Stefan Naerger besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool empfiehlt Daimler.

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