The Motley Fool

Der 20-prozentige Absturz, der weltweit zu hören war.

Es war schwer, die Schlagzeilen über den enormen Rückgang der Facebook-Aktien Anfang der Woche nicht zu bemerken. Am Tiefpunkt war die Aktie um mehr als 20 % gefallen. CNBC berichtete sogar, dass es sich um den größten eintägigen Rückgang in der Geschichte des Aktienmarktes handelte (100 Mrd. US-Dollar).

Um das ins rechte Licht zu rücken: Die Marktkapitalisierung von Facebook verlor etwa so viel wie der gesamte Wert der BASF.

Wenn du kein Facebook-Investor bist oder dich das einfach nicht kümmert, mach dir keine Sorgen, wir reden gleich über etwas Anderes. (Wenn du in Facebook investiert bist, bleib dran, wir haben auch was für dich!).

Worüber ich kurz sprechen möchte ist ein allgemeineres Thema: Was machen wir, wenn eine Aktie, die wir besitzen, einen solchen Einbruch erfährt?

Tatsächlich habe ich einen dreistufigen Plan, der dir helfen wird, wenn eine deiner Positionen auf einmal ausverkauft wird.

Schritt 1: Tief durchatmen

Ernsthaft! Überspringe diesen Schritt lieber nicht.

Panik und überbordende Emotionen werden dir nicht helfen, eine gute Investitionsentscheidung zu treffen, daher ist es wichtig, dass du anfängst, dich zu beruhigen.

Idealerweise verfügst du über ein gut diversifiziertes Portfolio. Erinnere dich daran, und dass es zwar keinen Spaß macht, wenn eine Aktie deutlich fällt, sie aber nur einen Teil deines Portfolios darstellt.

Man kann sich auch daran erinnern, dass gerade bei Wachstumstiteln große Kursschwankungen fast immer Teil des Prozesses sind. Es fühlt sich gut an, wenn es nach oben geht, aber sie gehen halt auch mal runter.

Wenn es darum geht, wie schnell ein Titel auf die Nachrichten reagiert, können wir Menschen die automatisierten Handelsalgorithmen nicht schlagen. Daher ist es auch nicht nötig, schnell zu reagieren. Wenn du dich nicht beruhigen kannst, geh auf Abstand – für ein paar Stunden, vielleicht sogar einen Tag oder mehr. Spazieren gehen, einen Tee zubereiten, meditieren, Tennis spielen etc.

Im Falle von Facebook waren die Investoren, die unbedingt schnell noch verkaufen wollten, ziemlich am Boden, als die Aktie am nächsten Tag wieder ein paar Prozentpunkte hereinholte. Nichts tun war in diesem Fall die bessere Strategie. Das ist nicht immer der Fall, aber ist es oft – die ersten Verkäufer sind in Panik und denken, die Nachrichten sind viel schlimmer als sie es sind, während die spätere Analyse zeigt, dass es doch nicht der Weltuntergang ist.

Apropos Analyse …

Schritt 2: Wiederholung der Analyse

Nun, da du deine Nerven beruhigt hast, ist es Zeit, deine Analyse mit allen neuen Informationen zu überprüfen.

Bei jeder Investition ist es sehr empfehlenswert, dass du aufschreibst, was deine Argumente für eine Investition sind. Das Wichtigste ist, dass du eine Gesamt-These für die Investition hast, sowie die wichtigsten Punkte aufführst, die diese These unterstützen. Man kann auch ein Finanzmodell oder finanzielle Erwartungen für das Unternehmen erstellen.

Jetzt ist es an der Zeit, diese Vorinvestitionsarbeit noch einmal zu überdenken. Wie wirken sich die neuen Informationen, die die Aktie zum Absturz gebracht haben, auf die These aus? Sieht die Aktie dadurch etwas unattraktiver aus? Ist die These jetzt vollkommen im Eimer? Oder ist die These im Kern intakt?

Durch diese Arbeit kannst du logisch (und nicht emotional) bestimmen, ob du die Aktie in deinem Portfolio behalten solltest.

Bei Facebook waren die Nachrichten nicht unbedeutend. In früheren Quartalen hatte das Managementteam von Facebook davor gewarnt, dass GDPR (alias DSGVO) geringe Auswirkungen auf das Geschäft haben könnte, dass sich die Wachstumsraten verlangsamen würden, dass die Ausgaben steigen würden und dass die positiven Währungseffekte, die die Ergebnisse stützen, sich umkehren und zu Gegenwind werden könnten.

Aber als das Management in dieser letzten Telefonkonferenz die Erwartungen offenbarte, schockierte das Ausmaß die Investoren.

DSGVO hatte mehr als nur einen kleinen Einfluss auf das Geschäft von Facebook. Die Margen werden in den nächsten Jahren voraussichtlich auf etwa 35 % sinken (von 44 % im laufenden Quartal). Die Währungseffekte haben sich inzwischen auch in Gegenwind verwandelt. Das Schlimmste war aber, als ein Analyst bei der Telefonkonferenz Folgendes fragte:

Ich denke, Sie haben gesagt, dass die Wachstumsraten gegenüber dem Vorquartal im hohen einstelligen Bereich niedriger sein werden als die Wachstumsraten gegenüber dem dritten und vierten Quartal des Vorjahres. Das würde Ende Q4 eine Wachstumsrate von rund 20 % gegenüber dem Vorjahr bedeuten. Ich möchte nur klarstellen, haben Sie das wirklich gesagt?

Der CFO von Facebook hat diese 20 %-Zahl nicht dementiert (Anmerkung: Der Umsatz stieg im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 42 %).

Je nachdem, wie sich die Investoren das zukünftige Wachstum und die Margen bei Facebook vorstellten, könnte dies einen erheblichen Einfluss auf die von ihnen erwarteten Renditen haben.

Schritt 3: Handeln oder nicht.

Du hast dir die Zeit genommen, dich zu beruhigen und die Dinge durchzudenken, also ist erst jetzt der Moment gekommen, um zu entscheiden, ob du etwas unternehmen musst oder nicht.

Wenn deine These, warum du in das Unternehmen investiert hast, jetzt nicht mehr Bestand haben sollte oder du das Vertrauen in das Management völlig verloren hast, dann ist es vielleicht an der Zeit zu verkaufen.

Wenn die Nachricht schlecht ist, aber deine These immer noch Bestand hat, dann kann es gute Gründe geben, die Aktie weiter zu besitzen. Die Nachrichten können schlecht sein, aber wenn du dir die Sache im Detail ansiehst, denkst du vielleicht, dass es den langfristigen Renditen nicht wirklich schaden wird, wenn überhaupt. Vielleicht denkst du auch, dass das Unternehmen immer noch großartig ist, aber jetzt mit etwas geringeren Renditeerwartungen, als du ursprünglich erwartet hattest.

Natürlich können die neu berechneten Renditeerwartungen unter dem liegen, was du von anderen Investitionen auf deiner Watchlist für möglich hältst. In diesem Fall könnte es sinnvoll sein, das Schiff zu verlassen und in etwas anderes zu investieren.

Übung macht den Meister

OK, es gibt also kein „perfektes“ Investieren. Aber die Praxis wird dich zu einem besseren Investor machen. Was zu dem vielleicht wichtigsten Punkt führt.

Nicht den Kopf in den Sand stecken. Ja, sicher, es ist echt übel, wenn eine Aktie, die du besitzt, abstürzt. Es ist sogar noch schlimmer, wenn die Aktie stark einbricht.

Aber man sollte Folgendes beachten. Du kannst es jetzt nicht mehr ändern. Es ist passiert.

Du hast die Wahl, ob du diese Aktie so schnell wie möglich verkaufst, weil du Angst vor Verlusten hast oder … du nimmst dir die Zeit, das Unternehmen und deine Investmentthese nüchtern neu zu bewerten und vielleicht etwas zu lernen, das dich in Zukunft zu einem noch besseren Investor macht.

Ersteres zu tun ist närrisch. Letzteres zu tun ist Foolish.







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Daten vom 26.07.2018

Matt besitzt keine der genannten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Facebook.