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Was Anleger jetzt noch von der Steinhoff-Aktie erwarten können

Plus 200 % in wenigen Tagen, das soll der Steinhoff International Holding (WKN:A14XB9) erst mal jemand nachmachen. Der Skandalkonzern hat große Fortschritte bei der Rückkehr zur Normalität gemacht und die Erleichterung ist groß. Nach dem Kursfeuerwerk und dem anschließenden Abverkauf könnten bald ruhigere Zeiten auf die Aktionäre zukommen.

Die letzten Entwicklungen

Die letzten Monate hat Steinhoff vor allem mit Feuerlöschen zugebracht. Egal ob Zulieferer und Kunden, Aktionäre und Fremdkapitalgeber oder Staatsanwaltschaft und Presse: Alle übten enormen Druck auf das neue Management aus. Diverse Vermögenswerte mussten liquidiert, die Buchhaltung drastisch korrigiert und Kosten gesenkt werden. Vor allem aber musste verhindert werden, dass ein Insolvenzereignis eintritt.

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Nachdem der Verlustbringer Kika/Leiner verkauft wurde, gelang es jetzt auch, die akuten Gläubiger dazu zu überreden, einer Verlängerung zuzustimmen. Damit wurde die Pleitegefahr zum großen Teil eliminiert und das führte zu einer Kursexplosion von 7 auf zwischenzeitlich weit über 20 Eurocent – eine Verdreifachung innerhalb von wenigen Tagen.

So kann es wohl nicht weitergehen und es ist durchaus verständlich, dass sich einige Aktionäre verabschiedet haben. Wie zu erwarten, gab es dieses Zugeständnis nämlich nicht umsonst. Für Aktionäre ergibt sich deshalb mit Blick auf die kommenden drei Jahre ein gemischtes Bild.

Die Konditionen des neuen Kredits

Primär geht es um die voll ausgeschöpfte revolvierende Kreditlinie von 750 Mio. Euro für die Immobilientochter Hemisphere International Properties, die Anfang August ausgelaufen wäre. Fast alles andere konnte wohl entweder bereits geregelt werden oder wird erst in einigen Jahren relevant.

Weil Fremdkapital gegenüber dem den Aktionären zustehenden Eigenkapital Vorzugsrechte hat, sind die Gläubiger am Drücker. Diese Macht nutzen sie selbstverständlich, um gute Bedingungen für das erneuerte und nun bis Ende 2021 laufende Finanzierungsvehikel herauszuschlagen. Bis zum 3. August hätte Steinhoff demzufolge noch Zeit, den betreffenden Kreditbetrag durch Tilgungen zu reduzieren, aber da geht wahrscheinlich nicht mehr viel.

Zunächst einmal gibt es dann pauschal ein Verlängerungshonorar in Höhe von 3 % des nominalen Kreditbetrags, der sich somit um 22,5 Mio. Euro erhöht. Die Gesamtsumme wiederum soll mit stolzen 10 % jährlich verzinst werden. Diese rund 78 Mio. Euro müssen, wenn irgendwie möglich, halbjährlich in zwei Raten bezahlt werden. Dividenden sind ausgeschlossen und jegliches überschüssige Kapital muss dafür verwendet werden. Gibt es nicht genug Geldmittel, muss Steinhoff Sachleistungen im gleichen Wert abtreten.

Der vereinbarte Plan ist jedoch, die Immobilien Schritt für Schritt zu Geld zu machen. Es sollte möglich sein, auf diese Weise die Gläubiger zu bedienen, denn ein unabhängiger Gutachter kam Anfang des Jahres auf einen konservativ geschätzten Wert der 140 Objekte in Höhe von 1,1 Mrd. Euro, während für Zins und Tilgung insgesamt etwa 1 Mrd. Euro benötigt wird.

Gleichzeitig muss aber über die kommenden Monate eine Restrukturierung der restlichen Schulden in Höhe von aktuell schätzungsweise etwa 8 Mrd. Euro organisiert werden – und das alles in einem Umfeld, wo das operative Geschäft kaum Gewinne abwirft und Ausschüttungen an die Holding aus verschiedenen Gründen stark beschränkt sind.

Wohin die Reise geht

Steinhoff wird die jetzt gewonnene Zeit folglich dazu nutzen, einige der Töchter aufzuhübschen, um einen guten Preis erzielen zu können. Solange die Gruppe nicht nachhaltig profitabel wirtschaftet, wird kein Geldgeber bereit sein, die bestehenden Kredite abzulösen – und solange sie nicht vollkommen stabilisiert ist, wird sie Schwierigkeiten haben, ihre Profitabilität zu verbessern.

Deshalb muss ein weiterer Befreiungsschlag her und der könnte darin bestehen, die in Osteuropa schnell expandierende Pepco zu versilbern. Diese hat im ersten Halbjahr trotz diverser Problemchen 98 Mio. Euro Betriebsgewinn ausgewiesen, womit ein Erlös von 2 bis 3 Mrd. Euro realistisch erscheint. Damit wären die Liquiditätsprobleme der nächsten 2–3 Jahre gelöst.

Das wäre genug Zeit, um die restlichen Töchter auf Profit zu trimmen. Ketten wie Poundland, Conforama und Mattress Group haben durchaus Potenzial, um bis dahin wieder mehr beizutragen. Weitere Mittel könnten bei Bedarf über den Verkauf von Finanzbeteiligungen oder Anteilen von STAR erlöst werden.

Kurzfristig werden jedoch die Turbulenzen, die hohen Zinszahlungen und die erhöhten Kosten zur Krisenbewältigung weiterhin am den Steinhoff-Aktionären zustehenden Eigenkapital nagen. Es könnte daher bis zum Jahresende durchaus noch unter die Marke von 2 Mrd. Euro (bzw. 47 Eurocent pro Aktie) rutschen. Klar dürfte auch sein, dass der Börsenwert auf absehbare Zeit unter dem Buchwert bleiben wird. Mit einer weiteren Verdreifachung ist daher weder kurz- noch mittelfristig zu rechnen. Statt Spekulation ist jetzt eher die langfristige Investition gefragt.

Meine mittlere Erwartung ist, dass der Kurs innerhalb von drei Jahren die Marke von 40 Eurocent überschreiten wird. Weiterhin bestehende Risiken wie zum Beispiel laufende Klagen gegen das Unternehmen könnten diesem Plan allerdings einen Strich durch die Rechnung machen. Auf der anderen Seite sehe ich auch zusätzliche Chancen: Über Verkäufe könnten im besten Fall stattliche Buchgewinne entstehen und eine der größeren Töchter könnte früher als erwartet positiv überraschen. Ich lasse es entspannt auf mich zukommen.

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Ralf Anders besitzt Aktien von Steinhoff. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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