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9 Wege, wie ein Narr zu investieren

Foto: Getty Images

Wir bei The Motley Fool feiern in diesem Monat unser 25-jähriges Jubiläum. Ich hoffe, dass diese Jahre erst den Anfang bei unserer Mission darstellen, der Welt zu helfen, besser zu investieren.

Sicherlich werden sich unsere Ansichten immer weiterentwickeln, wie es auch unsere Gründer Tom und David Gardner in der US-Sendung Wealthtrack sagen. Aber es gibt einige Dinge, die für Privatanleger und deren Erfolg an der Börse so grundlegend sind, dass sie wahrscheinlich noch für sehr lange Bestand haben werden.

Unser Jubiläum ist daher der perfekte Anlass, einige der wichtigsten Dinge hervorzuheben. So investiert man wie ein Narr der unsrigen Sorte, der also sein Vermögen langfristig ausbauen möchte.

Unternehmen kaufen, nicht Aktienkursen hinterherjagen

Wer eine Aktie kauft, erwirbt einen Anteil an einem Unternehmen. Das bedeutet unter anderem, dass einem ein Teil der Gewinne des Unternehmens gehört. Wer sein Vermögen an der Börse anlegt, sollte das nur mit diesem Bewusstsein tun: Man möchte an den zukünftigen Gewinnen des Unternehmens beteiligt sein.

Den Unterschied zwischen Kurs und Wert verstehen

Aktien haben einen Kurs. Unternehmen haben einen Wert. So brachte es der Vater des wertorientierten Investierens Benjamin Graham auf den Punkt. Anleger an der Börse leiden oft, weil sie häufig die Veränderungen eines Aktienkurses mit der Veränderung des Wertes eines Unternehmens verwechseln. Dabei hat das eine sehr oft gar nichts mit dem anderen zu tun.

Langfristig investieren

Ein weiteres Zitat von Benjamin Graham: „Kurzfristig ist der Markt eine Wahlmaschine, langfristig ist er eine Waage.“ Der Kurs einer Aktie kann sich über Tages-, Wochen- und Monatszeiträume ständig in alle möglichen Richtungen bewegen. Misst man die Richtung eines Aktienkurses jedoch in mehreren Jahren, dann reflektiert diese Entwicklung der Aktie auch die Entwicklung des Unternehmens. Und so lange sich die Welt positiv entwickelt, entwickeln sich auch Aktienkurse langfristig positiv. Das ist der Grund, warum es in der fast 150-jährigen Geschichte des US-Aktienmarktes nicht einen einzigen 20-jährigen Zeitraum gab, in dem der Gesamtmarkt eine negative Rendite brachte.

Datenquelle: Robert Shiller und Fool.com

Verlierer erwarten

Die Zukunft ist jedoch ungewiss. Daran wird sich auch in den kommenden 150 Jahren nichts ändern. Die Entwicklung eines einzelnen Unternehmens in den kommenden Jahren ist niemals sicher. Daher haben auch die besten Investoren viele Verlierer in ihren Portfolios – auch wir. Das Schöne dabei ist, dass ein Verlierer maximal 100 % Minus ausmacht, ein Gewinner dafür ein theoretisch unbegrenztes Vielfaches davon an Plus bringen kann. Verhundertfacher sind über lange Zeiträume drin, Verzehnfacher gar nicht so außergewöhnlich – nach meinen Berechnungen sind etwas mehr als 10 % aller Empfehlungen in unserem ältesten Newsletter bei The Motley Fool aktuell um mehr als das 5-Fache gestiegen, rund die Hälfte davon hat sich mehr als verzehnfacht und fast ein Drittel sogar mehr als verhundertfacht.

Gewinner sehen oft wie Verlierer aus

Selbst die größten Gewinner sehen oft wie die größten Verlierer aus. Das zeigt schon ein Blick auf den größten Gewinner von The Motley Fool bis dato. Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung der Aktie von ihrem IPO bis zum 17. Juli relativ zu ihrem jeweils historischen Hoch (auch Drawdown genannt):

Daten: S&P Global Market Intelligence und eigene Berechnungen

In Worten: Im Durchschnitt verbrachte man als Investor in dieser Aktie seit ihrem IPO ein Drittel aller Tage mindestens 30 % unter dem vorherigen Hoch. Zweimal musste man sogar über einen längeren Zeitraum erdulden, dass die Investition rund 30 % und noch weniger als vorher einmal wert war.

Trotzdem entsprach der Aktienkurs am 17. Juli dem 317-Fachen des IPO-Kurses gerade einmal rund 16 Jahre vorher – also ein Gewinn von 31.618 % oder 42,8 % pro Jahr.

Nicht emotional handeln

Dieser Gewinn, der einer Verdopplung des Kapitals alle zwei Jahre entspricht, kam daher nicht einfach so. Man bezahlte ihn mit einem hohen Preis: dem Gefühl, teilweise sehr viel Geld verloren zu haben, wie ein Versager auszusehen und nicht zu wissen, wie es weitergeht.

Was an solchen Punkten wichtig ist, ist zu verstehen, dass man diese Gefühle nicht als Basis für Investitionsentscheidungen heranziehen darf. Wenn man das tut, handelt man in aller Regel entgegen seiner eigenen Interessen, weil sich die Entscheidungen langfristig oft als schlecht herausstellen.

Schlecht bedeutet nicht falsch und gut bedeutet nicht richtig

Nur weil sich eine Entscheidung am Ende als schlecht herausstellt, bedeutet das nicht, dass es eine falsche Entscheidung war.

Ein 70%iger Kursverlust kommt in der Regel nicht ohne Ursachen. Es gab zwischen Mai 2011 und Mai 2012 daher sicherlich Gründe, die oben gezeigte Aktie zu verkaufen. Die Frage, die sich der einzelne Investor in solchen Situationen aber stellen sollte ist: Welchen Einfluss haben die aktuellen Nachrichten auf meine Investitionsthese?

Geht es vielleicht um eine Veränderung des Geschäftsmodells, die meine Investitionsthese komplett auf den Kopf stellt und an dessen Zukunft ich daher nicht mehr glaube? Dann wäre es richtig gewesen, zu verkaufen. Auch wenn sich die Entscheidung rein wirtschaftlich als schlecht herausgestellt hätte, weil die Aktie auch danach ganz offensichtlich noch hervorragende Resultate lieferte.

Mindestens 15 verschiedene Unternehmen kaufen und diese als Portfolio betrachten

Wer 2002 sein ganzes für Investitionen zur Verfügung stehendes Kapital in die oben genannte Aktie investiert hätte, der hätte heute wahrscheinlich ausgesorgt. Allerdings wäre er in den Jahren 2005 und 2012 vermutlich verzweifelt, als er feststellte, dass sein Vermögen nur noch rund ein Fünftel und sogar weniger wert war als noch ein paar Monate vorher.

Abgesehen davon, dass das kaum jemand emotional durchhalten könnte, ist es eine ganz schlechte Idee, alles auf eine Karte zu setzen. Wer hingegen drei Handvoll Unternehmen besitzt, der erfährt einen 80%igen Sturz einer einzelnen Aktie nur als rund 5%igen Rückgang in seinem Portfolio. Damit lässt es sich erstens leichter leben, und zweitens die Durststrecke eines einzelnen Unternehmens viel einfacher emotional durchstehen, so dass man sich durch einen Verkauf der Aktie am Ende nicht der möglichen hohen Rendite auf langfristige Sicht beraubt.

Spaß haben

Zuletzt vielleicht das Wichtigste von allem, da das Leben meist schon ernst genug ist. Es gibt Wichtigeres als Geld, auch wenn es hilfreich ist, genug davon zu haben, um seine und die Grundbedürfnisse seiner Familie erfüllen zu können.

Wir nennen uns nicht umsonst Narren, denn zum Leben gehört auch der Spaß – und den kann man auch an der Börse haben. Denn langfristig spielt es uns einfach in die Karten, dass sich die besten Unternehmen und damit deren Aktien in die richtige Richtung entwickeln werden.

Man sollte nur zusätzlich darauf achten, dass an die Börse nur Kapital gehört, das man in den kommenden Jahren nicht unbedingt benötigt. So haben auch die unausweichlichen Täler keine Einschränkung des Lebensstandards und der Gesundheit von uns und unseren Liebsten zur Folge – und das ist doch noch immer das Wichtigste.

Da wir gerade beim Spaß haben sind, welches könnte denn die oben erwähnte geheimnisvolle Aktie sein?

Es handelt sich um … Netflix … Dem Unternehmen, das gerade vor wenigen Tagen mal wieder den Markt total enttäuschte – und wo es (einmal mehr) gute Gründe gibt, das Unternehmen für zu hoch bewertet zu halten. Mal schauen, wo die Reise in den nächsten fünf bis zehn Jahren hin geht.

Offenlegung: Bernd Schmid besitzt Aktien von Netflix. The Motley Fool besitzt Aktien von Netflix.

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