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Warum investiert Google 22 Millionen Dollar in ein simples Handy-OS?

Google, der zu Alphabet (WKN:A14Y6F) gehörende Tech-Gigant, investierte kürzlich 22 Millionen Dollar in KaiOS, einen Hersteller von einfachen Telefon-Betriebssystemen, die für sogenannte „Feature Phones“ gedacht sind. Darunter versteht man Zwitter zwischen Smartphones und alten Handys. Das in San Diego ansässige Startup hat angekündigt, dass es die Apps von Google in Nokias (WKN:870737) KaiOS-basierte Geräte integrieren wird, und diese neue Investition sollte dieses Ziel schneller auf die Straße bringen.

Googles Interesse an Feature-Telefonen mag überraschen, da man ja bereits Android besitzt, das am weitesten verbreitete Smartphone-Betriebssystem der Welt. Es ist jedoch sinnvoll, wenn man bedenkt, dass viele Mobilfunknutzer in den sich entwickelnden Märkten immer noch Feature-Phones nutzen.

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Warum sind Feature Phones so wichtig?

Im vergangenen Jahr wurden laut dem Marktforschungsunternehmen Counterpoint weltweit 1,55 Milliarden Smartphones ausgeliefert. Das entspricht einem Wachstum von lediglich 2 % gegenüber 2016. Demgegenüber wuchs die Anzahl der ausgelieferten Telefone um 5 % auf 450 Millionen – zum ersten Mal seit Jahren konnte der Markt wachsen.

Neil Shah, Analyst bei Counterpoint, stellt fest, dass neuere 4G-Modelle, die die 2G-Modelle ersetzten, und eine neue Generation von „intelligenteren“ Mobiltelefonen dieses Wachstum beflügelt haben. HMD Global, das die Marke und das Design von Nokia lizenziert, hat im vergangenen Jahr 70 Millionen Geräte ausgeliefert.

Feature Phones wie das Nokia 3310 und 8110, die beide aktualisierte Versionen von klassischen Designs waren, machten einen großen Teil der Lieferungen von HMD in wichtigen Märkten wie Indien aus. Ein weiteres beliebtes Feature Phone in Indien ist das Jio Phone von dem W-Lan-Anbieter Reliance. Sowohl das Nokia 8110 als auch das Jio Phone laufen unter KaiOS.

High-End-Feature-Phones kosten ungefähr das gleiche wie Low-End-Smartphones, aber man bekommt sie zu günstigeren monatlichen Raten. Viele Kunden in wichtigen aufstrebenden Märkten wie Indien entscheiden sich daher für solche Geräte, anstatt auf Smartphones umzusteigen.

Googles Taktik in aufstrebenden Märkten

Bereits 2014 startete Google Android One, ein Programm, das einheitliche Hard- und Software-Standards für Originalgerätehersteller (OEMs) in Entwicklungsländern einführte. Google hat sich mit indischen OEMs wie Micromax, Spice und Karbonn zusammengetan, um Low-End-Smartphones auf den Markt zu bringen, die die minimalen Hardware-Anforderungen von Google erfüllen und Android auf Lager haben.

Diese Erweiterung, zusammen mit der Einführung anderer preiswerter Android-Geräte, sicherte Googles Position als Marktführer für mobile Betriebssysteme in Indien. Allerdings hat DeviceAtlas kürzlich berichtet, dass der Marktanteil von Android zwischen den ersten Quartalen 2017 und 2018 um fast 12 Prozentpunkte auf 71,6 % gefallen ist.

Unterdessen ergriff KaiOS – das im vergangenen Jahr noch nicht als eigenständiges Betriebssystem geführt wurde – 15,1 % des Marktes und ließ iOS als das zweitbeliebteste mobile Betriebssystem des Landes hinter sich. KaiOS überbrückte die Lücke zwischen Feature-Phones und Smartphones mit einer neuen Klasse von „Smart Feature-Phones“, die für 4G-Netze unterstützten, außerdem NFC-Zahlungen und neuere Apps sowie Dual-SIM-Karten. KaiOS teilte kürzlich der Tech-News Website TechCrunch mit, dass über 40 Millionen KaiOS-betriebene Geräte weltweit ausgeliefert wurden.

KaiOS‘ überraschendes Wachstum hat Google wahrscheinlich überrascht, da der Technologie-Riese für sein langfristiges Wachstum stark auf Indien angewiesen ist. Im vergangenen Jahr überholte Indien die USA als zweitgrößten Smartphone-Markt der Welt nach China, und es wird erwartet, dass dieses Wachstum den Rückgang der Smartphone-Verkäufe in den chinesischen und amerikanischen Märkten ausgleichen wird.

Durch die Investition in KaiOS stellt Google sicher, dass die wichtigsten Apps wie Suche, Maps, YouTube und Google Assistant die Nutzer erreichen. Google hofft wahrscheinlich, dass diese Nutzer von den Diensten schnell abhängig werden und dass sie schließlich auf Android-Smartphones umsteigen werden.

Die Wiedergeburt von Firefox OS

KaiOS ist technisch der Nachfolger von Mozillas Firefox OS, einem Open-Source-Betriebssystem für Smartphones, Tablets und Smart TVs, das 2016 eingestellt wurde. Firefox OS wurde von einem Community-getriebenen Betriebssystem namens Boot to Gecko (oder B2G) abgelöst, das sich schließlich zu KaiOS entwickelte.

Eine Investition von 22 Millionen Dollar ist ein Griff in die Portokasse für Google, das in den letzten 12 Monaten über 21 Milliarden Dollar an freiem Cashflow generiert hat. Aber es ist eine große Investition für KaiOS, und es könnte seine Position als das sogenannte „Android der Feature-Phones“ sichern. Was Google betrifft, so ist es ein kluger taktischer Schachzug, der KaiOS daran hindert, sich zu einem allzu gefährlicheren Konkurrenten zu entwickeln.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Alphabet.

Dieser Artikel von Leo Sun erschien am 9.7.2018 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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