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Strohfeuer oder Trendwende? Die Pantaflix-Aktie hebt ab

Foto: The Motley Fool

Wow, über 20 % Plus, das ist doch nett für die Aktionäre von Pantaflix (WKN:A12UPJ). Das Management strotzt vor Zuversicht, aber sollten das die Anleger auch? Lies hier, was los war und wie es weitergeht.

Darum geht’s

Zuerst dachte ich, es handele sich nur um eine technische Reaktion, denn neue Zahlen standen ja eigentlich nicht an und auch sonst ist nichts Wichtiges passiert. Aber in diesem Fall war etwas anderes schuld: Pantaflix-Chef Stefan Langefeld und Dan Maag, der Chef der Tochter Pantaleon Film, gaben dem Börsenportal 4investors ein Interview, in dem sie die Zukunft von Pantaflix rosig ausmalten.

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Langefeld stört sich am zuletzt wieder eingebrochenen Börsenkurs, der sich „vom tatsächlichen Wachstum der Gesellschaft völlig entkoppelt“ habe. Er führt das darauf zurück, dass der Markt dem Unternehmen misstraut, solange keine konkreten Zahlen zum ambitionierten Video-on-Demand-Geschäft (VoD) präsentiert werden.

Aber die Kasse sei „prall gefüllt“ und die Pipeline für neue Filmprojekte ebenfalls. Sogar eine erste internationale Großproduktion soll in Kürze starten. Damit gelinge es, den Ausbau der Pantaflix-Plattform weitgehend aus eigenen Mitteln zu stemmen. Maag ist sich sicher, dass Langefeld das Unternehmen zu einem „bedeutenden globalen Player im Bereich VoD“ entwickeln wird.

Die Reaktionen auf das Interview in den Foren sind kontrovers, aber insgesamt sind diese überaus optimistischen Aussagen gut angekommen. Auch wenn die 20 % Plus vom 2. Juli nur einen kleinen Teil der Verluste seit Dezember aufholen, ist es ein erster Schritt.

Kritisches Hinterfragen kann nicht schaden

Wenn ich lese, dass jemand einen der US-Tech-Riesen angreifen will, dann muss ich immer erst mal an den Suchmaschinen-Markt denken. Die vermeintlichen Google-Killer kamen und gingen, einer nach dem anderen. Für die wenigen, die überhaupt noch existieren, wie zum Beispiel Bing von Microsoft (WKN:870747), bleiben heute nur die Krümel übrig — es wird gegoogelt.

Jetzt soll also eine Netflix (WKN:552484)-Alternative weltweit ausgerollt werden, wobei die primäre Zielgruppe Menschen sind, die im Ausland leben und sich dort nach Filmen aus der Heimat sehnen. Auch vielseitig interessierte Menschen mit Interesse an fremdsprachigen Originalfilmen, speziellen Genres oder internationalen Festivalbeiträgen werden mit dem Angebot angesprochen. Das Pantaflix-Management bezieht sich gerne auf die Zahl der weltweiten Auswanderer, die auf rund 250 Millionen geschätzt wird.

Wie viele davon bereit und in der Lage sind, für Filme zu bezahlen, steht auf einem anderen Blatt, aber gut ist schon mal, dass die Nische und das Potenzial klar umrissen sind. Mir gefällt das auf jeden Fall besser, als das was ProSiebenSat.1 (WKN:PSM777) gemeinsam mit dem US-Medienkonzern Discovery (WKN:A0Q90G) und gegebenenfalls weiteren Partnern aufziehen will. Ein rein auf den vergleichsweise kleinen deutschsprachigen Markt zugeschnittenes Streaming-Angebot wird kaum gegen die global agierenden Spieler bestehen können.

Pantaflix wurde hingegen von Anfang an als globales Angebot entworfen und kann so auf lange Sicht grundsätzlich auf ähnliche Größenvorteile hoffen, wie Netflix sie heute schon genießt.

Für Euphorie ist es noch zu früh

Die Begeisterung und Zuversicht des Managements sind sicherlich eine notwendige Voraussetzung, um solch eine Plattform zum Erfolg zu führen. Viele Partner und Inhalteanbieter müssen gewonnen und die weltweit verstreute Zielgruppe muss davon überzeugt werden, dass das VoD-Angebot ihnen einzigartigen Mehrwert bietet.

Letztlich bekommt man hier eine recht erfolgreiche und profitable kleine Produktionsfirma, mit der zusätzlichen Chance auf eine hochskalierbare VoD-Plattform. Solange es allerdings keine konkreteren Anhaltspunkte dafür gibt, dass die Akzeptanz des Angebots spürbare Dynamik entwickelt, würde ich höchstens vorsichtig einsteigen – selbst wenn die Aktie im Gegensatz zu Netflix auch nach dem jüngsten Anstieg nicht sonderlich teuer wirkt.

Schon am 25. Juli findet die Hauptversammlung statt, dann sind wir alle wieder ein Stückchen schlauer.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. Teresa Kersten arbeitet für LinkedIn und sitzt im Vorstand von The Motley Fool. LinkedIn gehört zu Microsoft. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Discovery Communications und Netflix.

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