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CAR-T-Aktien im Vergleich: Mit diesen Biotechs sind hohe Gewinnchancen möglich

CAR-T-Zelltherapien können Krebs mit hoher Ansprechrate heilen, sodass derzeit Tausende klinischer Programme laufen, um Krebs endlich zu besiegen. Die ersten Zulassungen von Novartis und Gilead haben noch sehr starke Nebenwirkungen, sodass erst eine Weiterentwicklung der Technologie den massenhaften Einsatz möglich machen wird. Und wer das erreicht, wird den CAR-T-Markt beherrschen und Milliardenumsätze generieren. Am Ende dieses Artikels wirst du wissen, wer von den zehn führenden Unternehmen auf dem richtigen Weg ist.

Krebs ist ein Puzzle

Die hochdosierte Strahlen- und Chemotherapie zerstört zwar Krebszellen, aber leider auch unser Immunsystem, sodass die körpereigene Abwehr gegen Krebs versagt. Einige Experten gehen inzwischen davon aus, dass diese Therapien häufig erst die Bildung von Metastasen auslösen und den Krankheitsverlauf damit drastisch verschlechtern.

Die Pharmaindustrie versucht mit Antikörpern und neuerdings auch mit Checkpoint-Inhibitoren a) Krebszellen gezielt zu vernichten und b) die Immunblockade aufzuheben, sodass unsere T-Zellen aus ihrem Schlafmodus erwachen und wieder Krebszellen bekämpfen.

Das aber funktioniert nur bedingt und all dies sind nur einzelne Bausteine eines Puzzles, die nicht ausreichen, um eine effiziente Wirkung zu erzielen. Ziel sollte es sein, Krebs auf mehreren Ebenen anzugreifen, ohne das Immunsystem zu schädigen, und die Nebenwirkungen dabei gering zu halten.

Warum Krebs ein Puzzle ist? Ein Tumor ist nicht klonal, d. h. die Zellen eines Tumors sind nicht alle genetisch identisch. Das liegt einfach daran, dass Tumorzellen ständig mutieren und somit die erste Tumorzelle vollkommen anders sein kann als eine davon abgeleitete Zelle drei Monate später.

Und genau das ist der Grund, warum die meisten Krebsmittel nicht funktionieren, denn nur ein Teil der Krebszellen wird gezielt getötet, während mutierte Krebszellen entkommen und sich weiter vermehren. Das verhält sich ganz ähnlich wie bei Antibiotikatherapien, bei denen resistente Keime sich dann wunderbar vermehren können und als multiresistente Bakterien lebensbedrohend sind.

Unser Körper selbst zeigt uns, wie es geht

Immunzellen gehen in unserem Körper Streife, unterscheiden zwischen „fremd“ und „selbst“ und suchen nach kranken oder geschädigten Zellen. Damit wehren sie Infektionen ab, zerstören spontan auftretende Krebszellen, beenden die Immunantwort, um eigenes Gewebe nicht zu schädigen, und behalten ein immunologisches Gedächtnis, um das Fremde das nächste Mal schneller abzuwehren.

Jede Zelle hat normalerweise auf ihrer Oberfläche sehr typische Proteine oder Stücke davon, wie eine Art Personalausweis. Die präsentierten Proteinstücke stellen ein Abbild oder eine Art Muster der in der Zelle hergestellten Proteine dar.

Funktioniert eine Zelle so, wie sie soll, lässt sich dies am Ausweis ablesen. Ist eine Zelle von einem Virus befallen oder krebsartig, werden auch die fremden Proteine präsentiert. Diese lösen eine Immunreaktion aus, durch die letztendlich die gesamte Zelle getötet und abgebaut wird.

CAR-Therapien sind zu Recht im Trend

Chimäre Antigenrezeptor-T-Zell(CAR-T)-Therapien sind Zelltherapie, Gentherapie und Immuntherapie zugleich. Es handelt sich hier um Immunzellen (T-Zellen), die gentechnisch so verändert werden, dass sie patientenspezifische Tumorantigene erkennen und so die Krebszellen zerstören.

Bei den ersten beiden zugelassenen CAR-T-Therapien von Novartis und Gilead werden autologe T-Zellen (aus dem Patienten) verwendet, die oft stark vorgeschädigt sind. Zudem sind Logistik, Qualitätskontrolle und mehrwöchige Dauer der Herstellung nicht akzeptabel, ganz zu schweigen vom Preis, der bis zu 475.000 US-Dollar beträgt.

Unternehmen, die trotzdem diesen Weg mit autologen Zellen gehen, sind Gilead, bluebird bio, Celgene (Juno Therapeutics), Medigene, Ziopharm Oncology u. a. Diese Unternehmen mögen noch die eine oder andere Zulassung erhalten und damit den Aktienkurs in die Höhe treiben, werden sich mit diesen Therapien meiner Meinung nach aber nicht am Markt halten.

Eine Alternative ist die Nutzung von Spender-T-Zellen (allogene T-Zellen), die den Vorteil haben, dass sie in größeren Mengen aus gesunden T-Zellen mit standardisierter Qualität produziert werden können und damit für viele Patienten ab Lager verfügbar sind. Damit sollte auch die Logistik vereinfacht werden und gleichzeitig der Preis sinken.

Auf solch allogene Zellen setzen Unternehmen wie Cellectis, Celyad, Atara BioTherapeutics und, man höre und staune, nun auch Novartis. Die Schweizer haben nämlich mit der Zulassung von Kymriah erkannt, dass die CAR-T-Therapie mit autologen Zellen nicht dem Pharmastandard entspricht und viel zu komplex ist.

Daher hat Novartis eine Lizenz von Celyad erworben, die die Nutzung allogener T-Zellen ermöglicht. Denn man muss den natürlichen T-Zell-Rezeptor (TCR) dieser Spenderzellen inaktivieren, da dieser unerwünschte Immunreaktionen hervorrufen kann, die tödlich enden können.

Celyad bringt dazu eine shRNA (englsmall hairpin RNA) in die Zelle, die durch RNA-Interferenz die Produktion dieses Rezeptors blockiert. Cellectis nutzt dagegen seine TALEN-Genschere, die den TCR eliminiert. Gilead arbeitet neuerdings mit Sangamo Therapeutics zusammen, um einen ähnlichen Weg mit deren Zinkfingernukleasen zu gehen.

Und dann sind da noch NantKwest mit einer Killerzelllinie, sodass man nicht einmal mehr Spenderzellen braucht, und Fate Therapeutics, die natürliche Killerzellen aus gesunden Spendern isolieren und dabei mit Celgene kooperieren.

Wer wird sich langfristig durchsetzen und warum?

Wirklich interessant an der belgischen Celyad ist ihre NKR-2-Therapie. Dabei handelt es sich um T-Zellen, die gentechnisch so verändert werden, dass sie den sogenannten natürlichen NKG2D-Rezeptor tragen. Dieser Rezeptor bindet an gleich acht verschiedene Liganden, die bei 80 % aller Krebsarten auftreten. Klinische Studien sind noch in Phase 1, haben aber schon Erstaunliches gezeigt.

Die amerikanische NantKwest mit ihrem erfolgreichen Multimilliardär und CEO Dr. Patrick Soon-Shiong setzt hingegen auf eine Zelllinie natürlicher Killerzellen, die beliebig vermehrt werden kann. Damit ist man völlig unabhängig von Spendern, kann die Zellen einfrieren und bei Bedarf direkt beim Hausarzt einsetzen. Diese „Living Drugs in a Bag“ sehe ich persönlich als eleganteste Lösung für alle bisherigen Probleme der Zelltherapie. Ein Produkt ist in der klinischen Phase 2, viele weitere in Phase 1.

Die französische Cellectis ist mit drei Programmen in der klinischen Phase 1 in Europa führend beim Einsatz allogener T-Zellen und verfügt mit ihrer Genschere TALEN über eine patentierte Technologie zur gezielten Gen-Editierung. Zudem stehen mit Servier und Pfizer starke Partner zur Seite.

Fate Therapeutics arbeitet seit 2015 mit Celgene zusammen, um neue Zelltherapien zu entwickeln. Das Zellprodukt FATE-NK-100 wird in drei klinischen Phasen 1 gegen Akute Myeloische Leukämie, Eierstockkrebs sowie in Kombination mit Antikörpern gegen verschiedene solide Tumore getestet. Diese natürlichen Killerzellen stammen aus gesunden Spendern und zeigten bereits positive Wirkung bei zuvor austherapierten Patienten.

Die hierzulande noch unbekannte amerikanische Atara BioTherapeutics hat ein Produkt bereits in der klinischen Phase 3 gegen eine Lymphoproliferative Erkrankung nach Transplantation, an der immerhin ca. 10 % aller Patienten mit Organtransplantation erkranken. Atara ist damit weltweit führend bei der allogenen T-Zelltherapie und könnte schon 2019 die Zulassung in der EU erhalten. Aus diesem Grund hat sich der Aktienkurs innerhalb des letzten Jahres auch ca. verdreifacht.

Fazit

Wie Atara zeigt, lohnt sich ein Blick auf vielversprechende Biotechs mit Lösungen für Probleme, die eine Zelltherapie heute noch nicht massentauglich machen. Gerade bei den zuletzt genannten Unternehmen sind daher mittel- bis langfristig enorme Kurssteigerungen möglich.

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Stefan Graupner besitzt Aktien von Celgene, Celyad und NantKwest. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Bluebird Bio, Celgene und Gilead Sciences.