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Schreck lass nach, Warren Buffett will Gewinnprognosen abschaffen

Zusammen mit Jamie Dimon von JPMorgan Chase empfiehlt Warren Buffett allen Unternehmen da draußen, künftig auf die Herausgabe von quartalsweisen Gewinnprognosen zu verzichten. Kurzfristig orientierte Finanzanalysten, die ihre Analysen genau auf diesen Prognosen aufbauen, könnte dieser Vorschlag möglicherweise hart getroffen haben. Foolishen Investoren kann das ehrlicherweise so ziemlich egal sein.

Warum sich also damit beschäftigen? Einfach weil es ein schönes Gedankenexperiment ist, sich eine Welt ohne quartalsweise Gewinnprognosen vorzustellen.

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Chaos? Kurzfristig vielleicht!

Mein erster Gedanke zu den Äußerungen vom Orakel aus Omaha: eine wirklich fantastische Idee. Eigentlich also wie immer, wenn Buffett eine Idee hat. Aber genau in solchen Fällen lohnt sich ein zweiter Gedanke umso mehr.

Garantiert würden die vielen kurzfristig orientierten Finanzanalysten weiterhin Quartal für Quartal Gewinnprognosen aufzustellen. Dafür werden sie schließlich bezahlt. Nur eben dann, ohne die offiziellen Veröffentlichungen aus den Unternehmen heranzuziehen.

Möglicherweise würden diese ungestützten Gewinnprognosen deutlich weiter von den tatsächlichen Zahlen entfernt liegen, als es heute der Fall ist. Das Ergebnis wären wohl erheblich größere Überraschungen.

So wie große Überraschungen im richtigen Leben zu Schweißausbrüchen und Herzrasen führen können, sorgen Überraschungen auf dem Börsenparkett für heftige Kursreaktionen.

Grundsätzlich nichts Schlimmes. Überraschungen gibt es auch heute hin und wieder.

Aber, denk mal an all die vielen Leute da draußen, die heute schon keine Lust auf Börse haben. An die, denen Börse den Eindruck eines riesengroßen Casinos vermittelt. Rot und grün blinkende Kursangaben, die minütlich ohne rationale Gründe wie wild nach oben oder unten hüpfen.

Noch größere Schwankungen könnten diese Scheu und Ablehnung möglicherweise weiter erhöhen.

Es würde vielleicht noch schwerer fallen, diesen Leuten zu vermitteln, was Börse denn tatsächlich ist. Nämlich ein riesiger Marktplatz für reale Unternehmensanteile, der langfristig eine Möglichkeit bietet, seine finanziellen Ziele deutlich schneller und sicherer zu erreichen als mit vielen anderen Formen der Geldanlage.

Vielleicht wären das aber auch nur kurzfristige Auswirkungen, die sich nach einer kurzen Eingewöhnungsphase wieder legen würde. Ich weiß es nicht. Ein Versuch wäre es meiner Meinung nach dennoch wert.

Glückseligkeit? Nein, aber mehr Konzentration auf das Wesentliche!

Versetze dich einmal in die Lage eines Finanzvorstands kurz vor Quartalsende.

Vor einigen Wochen hast du die Gewinnprognose von 3,87 Euro pro Aktie für das laufende Quartal bestätigt. Nach den letzten Hochrechnungen wird der Quartalsgewinn sich nun aber eher bei 3,90 Euro einpendeln.

Eigentlich ein guter Grund, die Sektkorken knallen zu lassen. Aber Achtung: Eine ganze Reihe aktueller und künftiger Aktionäre sowie ganz besonders wohl Finanzanalysten lieben nicht nur übertroffene Prognosen, sondern auch eine nahezu perfekte Vorschauqualität.

Außerdem bist du mit deinen Gedanken auch schon wieder beim nächsten Quartal. Du denkst an die dort möglicherweise auftretenden Risiken. Daran, wie gut du die 3 Cent pro Aktie im nächsten Quartal gebrauchen könntest, um die wunderschöne Wachstumsstory fortzuschreiben.

Kurzerhand greifst du zum Telefon und rufst bei deiner Mannschaft an: Die Prognose muss getroffen werden, also lasst euch was einfallen.

Und die Mannschaft tut, was ihr aufgetragen wird. Ideen werden entworfen, diskutiert und wieder verworfen bis man schlussendlich doch das gewünschte Ziel erreicht.

Kehren wir zurück zu unserer Sichtweise als Investoren.

Keine Frage, das externe Rechnungswesen kennt eine ganze Reihe an Regeln. Dennoch bestehen auch hier manchmal gewisse Ermessensspielräume. Diese werden allzu gerne ausgeschöpft, um derartige Spielchen zu spielen.

Im Grunde sind derartige Spielchen nicht weiter schlimm. Langfristig betrachtet ist es doch egal, ob nun in einem Quartal mehr, und im anderen Quartal weniger Gewinn erzielt wird.

Aber genau darin liegt meiner Meinung nach der entscheidende Punkt.

All die vielen Ideen, Diskussionen, Rechnereien und Entscheidungen, die für diese Spielchen aufgewendet werden, schaffen keinerlei langfristigen Mehrwert für das Unternehmen und seine Aktionäre.

Ohne derartige Quartalsprognosen könnte all diese Zeit, Energie und Diskussionen für lohnendere Zwecke eingesetzt werden. Für Zwecke, die einen tatsächlichen und langfristigen Mehrwert für das Unternehmen selbst und für uns Aktionäre schaffen.

Als Foolishe Investoren wollen wir Anteile von genau derartigen Unternehmen halten. Von Unternehmen, denen der langfristige Erfolg wichtiger ist als die Erfüllung kurzfristiger Ziele.

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Sven besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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